Auch beim Wohnmobilplatz gibt es Probleme

Campingplatz weiter dicht: Camper weichen in den Bergpark aus

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Geschlossen: Seit dem Brand im vergangenen Jahr ist der Campingplatz zu. Auf dem Gelände steht eine Handvoll Wohnwagen, die aber offenbar bewohnt sind. Auch Rad-Touristen (der Radweg 1 verläuft vor der Tür) klingeln hier umsonst. Foto:  Heise-Thonicke

Kassel. Kassel hatte einmal einen Campingplatz. Seit einem Brand im vergangenen Frühjahr ist das Fulda-Camp jedoch geschlossen. Und ob das 1,4 Hektar (zwei Fußballplätze) große Gelände an der Fulda jemals wieder öffnen wird, ist ungewiss.

Die Betreiberfamilie ist weder über Telefon oder E-Mail erreichbar, sie öffnet nicht auf Klingeln, noch antwortet sie auf Briefe und Gesprächsangebote der Stadt.

So stehen Tag für Tag ratlose Campingtouristen vor dem verschlossenen Tor, an dem per Schild lediglich vor dem Hund gewarnt wird. Das durch den Brand im März 2013 beschädigte Gebäude des einstigen und einzigen Campingplatzes Kassels ist weiterhin eine Baustelle.

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Gästen mit Wohnmobil bleibt immerhin noch der benachbarte Wohnmobilplatz, der ebenfalls von den Campingplatzbesitzern betrieben wird. Doch dieser ist längst nicht mehr so viel genutzt wie früher. Auch in Foren für Wohnmobilisten wird als günstige und attraktive Alternative der Parkplatz unterhalb des Schlosses Wilhelmshöhe beworben. Dabei ist das Übernachten dort gar nicht erlaubt. „Wir weisen darauf hin, dass dies kein Wohnmobilplatz ist“, sagt die Sprecherin der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK), Lena Pralle. Und: „Wir merken hier schon, dass auf dem eigentlichen Stellplatz nicht alles rund läuft.“

Gerhard Spahmann

„Viele fahren wieder, weil sie nicht verstehen, wie das hier abläuft“, hat Gerhard Spahmann aus Würzburg beobachtet, der bereits zweimal auf dem Wohnmobilplatz an der Giesenallee übernachtet hat. So gebe es lediglich Hinweise in deutscher Sprache. Und normalerweise gebe es auf Wohnmobilplätzen Parkautomaten. In Kassel werde ohne genaue Zeitangabe abends abkassiert, was viele Camper verunsichere, weil sie sich gern ja auch abends noch etwas vornehmen.

Während in Baunatal für einen Aufenthalt bis zu 24 Stunden fünf Euro Gebühr fällig sind, kostet es in Kassel 12,50 Euro. „Das ist vergleichsweise sehr teuer“, sagen auch Wolfgang und Ursula Allroth aus dem Schwarzwald, die mit ihrem Wohnmobil schon viel rumgekommen sind und sich vorgenommen haben, Kassel zu entdecken. Auf solch einfachen Plätzen ohne besondere Infrastruktur seien sechs bis sieben Euro eigentlich normal, sagen sie. „Der Platz ist ja nicht gerade toll gelegen“, sagen Allroths. Aber die Verkehrsanbindung und die gute Stromversorgung verbuchen sie als Pluspunkte.

Das Versorgungsangebot sei aber verhältnismäßig teuer. „Obwohl an der Frischwasserzapfsäule dransteht, dass man 100 Liter für einen Euro bekommt, sind nur 35 Liter rausgekommen“, bemängelt Spahmann.

Da sich der Campingplatz in Privatbesitz befinde, habe die Stadt keinen unmittelbaren Einfluss auf dessen Betrieb, sagt Stadtsprecher Ingo Happel-Emrich: „Ein zeitgemäßer Campingplatz in Kassel wäre sehr wünschenswert.“ Auch Kassel Marketing sei über die Situation „nicht glücklich“, sagt Sprecherin Birgit Kuchenreiter.

Hintergrund:

Wohnmobilplatz seit 2006

Zwölf bis 14 Plätze für Wohnmobile bietet der Stellplatz an den Giesewiesen in Kassel. Er wurde 2006 von der Stadt eingerichtet, die hier 65 000 Euro investierte. Auf dem 18 000 Quadratmeter großen Platz kann man Abwasser entsorgen (50 Cent) sowie Storm (50 Cent pro Kilowattstunde) und Frischwasser tanken (laut Aushang 1 Euro für ca. 40 Liter).

Verpachtet wurde der Platz an den Besitzer des benachbarten, aber seit über einem Jahr geschlossenen Campingplatzes, der irgendwann abends die Tagesgebühr von 12,50 Euro kassiert. Die Nähe zum Campingplatz machte Sinn, denn Gäste sollten die Möglichkeit haben, gegen Gebühr beispielsweise die Duschen zu nutzen oder sich im Minishop morgens Brötchen zu kaufen. Weil es mit dem Pächter aber wiederholt Ärger gab, wurde der Wohnmobilplatz 2007 zwischenzeitlich von der Stadt betrieben. Damals sollte die anfängliche Tagesgebühr von 9,50 Euro auf 5 Euro reduziert werden.

Zum direkten Vergleich: Der 2008 eingerichtete Wohnmobilplatz in Baunatal am Parkstadion bietet 16 Stellplätze. Betrieben wird der Platz vom Stadtmarketing Baunatal. Die Tagesgebühr von 5 Euro wird am Automaten entrichtet. Für Abwasser zahlen die Camper 10 Cent, 100 Liter Wasser kosten 1 Euro, die Kilowattstunde Strom 50 Cent.

Von Martina Heise-Thonicke

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