Keine Beteiligung an Förderung: CVJM-Hochschule prüft Standortverlagerung

Campus wächst – aber wo?

Zwischen den Vorlesungen: Martin Becker, Ramona Friedrich und Katrin Kaufung studieren an der CVJM-Hochschule. Der Campus an der Hugo-Preuß-Straße wird jedes Jahr voller. Die Hochschule würde sich gern erweitern. Foto:  Koch

Kassel. Mit 54 Studenten nahm die CVJM-Hochschule (Christlicher Verein Junger Menschen) im September 2009 den Lehrbetrieb auf. Jetzt sind es knapp viermal so viele. Tendenz steigend. Bislang hat die christliche Hochschule, die staatlich anerkannt ist, noch keinen Cent vom Land in Anspruch genommen. Sie finanziert sich über Studiengebühren und Sponsoren.

Doch jetzt, wo das Land Hessen vom Bund über den Hochschulpakt 2020 für zusätzliche Studienplätze Förderung bekommt, möchte die private Hochschule auch zum Zug kommen. Allein im vergangenen Jahr hat die CVJM-Einrichtung in Bad Wilhelmshöhe nach eigenen Angaben 78 neue Bachelor-Studienplätze eingerichtet. Das Land bekommt in der zweiten Phase des Hochschulpakts, von 2011 bis 2015, pro zusätzlichem Studienanfänger 13 000 Euro pro Jahr vom Bund.

„Wir würden uns schon freuen, wenn wir 1000 Euro pro Studienplatz bekämen“, sagt Prof. Wolfgang Neuser, Rektor der CVJM-Hochschule. Die im August an das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst gerichtete Bitte um finanzielle Unterstützung hatte die Kasseler Ministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) im Dezember aber abgelehnt.

Die Ungleichbehandlung zwischen staatlichen und nicht-staatlichen Hochschulen bei der Schaffung neuer Studienplätze kann Neuser nicht nachvollziehen. „Auch wir leisten einen erheblichen Beitrag zur Bewältigung der hohen Studienbewerberzahlen in Hessen“, sagt der Rektor mit Verweis auf die 200 Bachelor-Plätze, die seit Herbst 2009 in Kassel entstanden sind. Und genau für solch neu eingerichtete Studienplätze kassiere das Land die Fördermittel vom Bund, sagt Neuser.

Weil die CVJM-Hochschule weiter wächst und derzeit eine Erweiterung des Campus plant, erwägen Leitung und Trägergesellschaft jetzt, den Standort Kassel aufzugeben. In unmittelbarer Nachbarschaft der Hochschule hat auch der CVJM-Gesamtverband seinen Sitz.

„Wir wollen damit keine Drohkulisse aufbauen“, sagt Neuser über den möglichen Wegzug. Aber die Absage aus Wiesbaden sei eine herbe Enttäuschung gewesen. In anderen Bundesländern sei die Förderpraxis großzügiger. Man habe Gespräche mit dem CJD (Christliches Jugenddorfwerk Deutschlands) in Eppingen, Baden-Württemberg, aufgenommen, um sich möglicherweise zusammenzutun.

Die Hochschule würde Kassel nur ungern den Rücken kehren, betont Neuser. Kassels zentrale Lage sei gerade für die Fernstudiengänge ein Argument. Bis zur Absage aus Wiesbaden habe die Marschrichtung gelautet: Verwirklichung des Ausbaus der Hochschule auf dem Campus in Kassel. Das stehe jetzt auf dem Prüfstand. Ohnehin wäre es schwer, die Millionen dafür aufzubringen, sagt der Rektor. Foto: Rudolph

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