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Uni Kassel: Rückkehr zur Präsenzlehre im Sommersemester

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Von: Bastian Ludwig

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Sie freut sich auf die Rückkehr der Studierenden auf den Campus: Uni-Präsidentin Prof. Dr. Ute Clement weiß, wie sehr viele in den vergangenen Monaten unter den Corona-Maßnahmen gelitten haben.
Sie freut sich auf die Rückkehr der Studierenden auf den Campus: Uni-Präsidentin Prof. Dr. Ute Clement weiß, wie sehr viele in den vergangenen Monaten unter den Corona-Maßnahmen gelitten haben. © Sonja Rode

Nach monatelangem digitalen Unterricht freut sich Uni-Präsidentin Ute Clement über die Öffnung der Uni Kassel zum Sommersemester. Vielleicht sogar ohne 3G-Regel.

Kassel – Der Campus der Uni Kassel war zwei Jahre lang ziemlich verwaist. Wegen der Corona-Pandemie fand der Großteil der Veranstaltungen digital statt. Zum Start des Sommersemesters im April wird sich das Bild ändern. Die Uni-Präsidentin äußert sich im Interview dazu.

Mit der angekündigten Rückkehr zur Präsenzlehre werden die fast 25 000 Studierenden den Campus wieder mit Leben füllen. Über die Herausforderungen der Vergangenheit und die Aussichten auf das nächste Semester sprachen wir mit Uni-Präsidentin Ute Clement.

Frau Clement, wie haben sich die vergangenen zwei Jahre für Sie angefühlt?

Für mich persönlich hat sich an der Universität durch die Pandemie nicht viel verändert. Wir waren hier und haben gearbeitet. Aber ich entscheide hier nicht nur für mich. Für andere Leute die Risiken einzuschätzen, fühlt sich anders an. Es war eine echte Herausforderung, die Ansteckungsgefahr mit anderen Folgen wie Vereinsamung und Lernhindernissen abzuwägen.

Öffnung Uni Kassel: „Ich hätte es mir früher gewünscht“

Wie geht es den Studierenden?

Vielen schlecht. Das glaube ich nicht nur, das weiß ich. Nach unseren Erhebungen lag die Erfolgsquote bei den Prüfungen zwar bei 96 Prozent des Niveaus der Vor-Corona-Jahre. Auch die Abbrecherquote ist nicht signifikant gestiegen. Diese Zahlen bilden die Not aber nicht ab. Ich habe persönliche E-Mails und Zuschriften von Studierenden und Mitarbeitern erhalten, in denen diese ihre Gemütslage beschrieben haben. Da war viel von Einsamkeit die Rede. Es gibt Studierende, die haben zwei Jahre lang keine Kommilitonen kennengelernt. Das hat mich betroffen gemacht. Auch anhand der starken Zunahme der psychosozialen Beratungen ist zu erahnen, wie sehr die Menschen unter Corona und den Folgen leiden.

Hätte die Universität nicht früher – wie Kitas und Schulen – mehr Präsenz zulassen müssen?

Ich hätte es mir früher gewünscht. Aber die Lage hat es nicht zugelassen. Schließlich ging es auch darum, die Infektionskurve nach unten zu drücken. Da wollten auch wir unseren Beitrag leisten. Zuletzt haben wir zumindest Hybrid-Semester angeboten. Das heißt, wer in Präsenz lernen wollte, hatte dazu die Möglichkeit. Und wem das Risiko zu groß war, der konnte digital studieren. Durch Freiversuchsregelungen bei Prüfungen und eine verlängerte Regelstudienzeit haben wir versucht, den Druck zu reduzieren. Was wir allerdings an allen Hochschulen beobachten, ist eine sinkende Studierneigung. Das könnte damit zu tun haben, dass weniger junge Menschen Lust hatten, unter Pandemiebedingungen ein Studium zu beginnen.

War die Zahl der Kritiker von Corona-Maßnahmen größer als die derjenigen, die mehr Gesundheitsschutz forderten?

Das hielt sich in etwa die Waage. Viele sind aber jetzt froh, dass wir wieder mehr Normalität haben werden. Für die Lehrenden war die digitale Lehre auch kein Vergnügen. Schon auf der Hochschulrektorenkonferenz im November hatte die deutliche Mehrheit der Uni-Präsidien für eine Öffnung plädiert. Damals gab es nur eine warnende Stimme aus Ostdeutschland, wo die Inzidenzen zu dem Zeitpunkt bereits explodiert waren.

Öffnung Uni Kassel: Regelmäßiges Lüften und Tragen von Masken sind vorerst Pflicht

Mit welchem Gefühl gehen Sie in das Sommersemester?

Ich freue mich sehr auf den Sommer. Der Campus wird wieder lebendiger, freier, präsenter. Vor allem für die Erstsemester ist das wichtig. Das Zwitschern der Amseln in diesen Tagen passt gut zu dieser Vorfreude. Es sind bereits verschiedene Aktionen, Konzerte und Gesprächsrunden unter dem Motto „Back to campus“ geplant.

Haben Sie Sorgen, dass durch die Rückkehr zur Präsenzlehre die Infektionen zunehmen?

Wir werden die Situation weiter beobachten. Ich hoffe, dass wir am Beginn der Endemie stehen. Zudem haben wir unter den Studierenden und auch beim Personal eine Impfquote von mehr als 90 Prozent. Auch das Masketragen wird nur von wenigen infrage gestellt.

Welche Regeln gelten auch im Sommersemester?

Ich hoffe, es wird keine 3G-Regel und keine Einlasskontrollen für Veranstaltungen mehr geben. Die Hörsäle sollen wieder zu 100 Prozent belegt werden. Regelmäßiges Lüften und das Tragen der Maske werden wir aber sicher beibehalten. Ob die Maskenpflicht dann auch am Platz gilt, müssen wir noch sehen. Das gilt ohnehin alles nur für den Fall, dass die Infektionszahlen weiter sinken und nicht die nächste Sommer-Mutation auftaucht. Der Hessischen Ministerin für Wissenschaft und Kunst ist es wichtig, dass die Hochschulen ihr Vorgehen abstimmen.

Öffnung der Uni Kassel zum Sommersemester: Werkstattgespräche mit Studierenden

Welche positiven Erfahrungen der Corona-Zeit werden beibehalten?

Mit Sicherheit werden wir unter Nachhaltigkeitsaspekten über die Dienstreisen der Beschäftigten nachdenken. Der digitale Austausch hat gut funktioniert. Klar ist aber auch, wenn etwa Agrarwissenschaftler Bodenproben aus Indien untersuchen wollen, werden sie auch künftig dorthin reisen müssen. Zudem wollen wir die Rückkehr der Lehrenden aus dem Homeoffice an die Hochschule gestalten. Vor- und Nachteile müssen abgewogen werden. Im Sommersemester wird es Werkstattgespräche mit Studierenden und Mitarbeitern geben, in denen es um derartige Fragen gehen soll: Was hat uns die Pandemie gelehrt? Was war gut? Was war schlecht? Wir wollen das Gute aus der Corona-Zeit behalten und das verloren gegangene Gute aus der Vor-Corona-Zeit wiederholen. (Bastian Ludwig)

Zur Person

Prof. Dr. Ute Clement (57) stammt aus Wilhelmshaven und ist ausgebildete Krankenschwester. Sie arbeitete in Südamerika und der Schweiz, bevor sie Erziehungswissenschaften an der Fernuni Hagen studierte. Promotion und Habilitation legte sie in Karlsruhe ab. 2003 kam sie an die Uni Kassel. Clement ist Mutter eines Sohns und hat zwei Enkel. Seit 2021 ist sie Uni-Präsidentin in Kassel.

Zu einem Hit im Internet wurde die Uni Kassel wegen einem ungewöhnlichen Schriftzug, der immer wieder für Missverständnisse sorgt.

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