Verkaufsoffener Sonntag

Casseler Freyheit: In Kassels Innenstadt wird auf Mittelaltermarkt bis Sonntag gefeiert

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Die Waschbärenschwänze kommen aus den USA: Am Stand von Robin Nagel gibt es zudem kuschelige Felle und den Honigwein Met.

Auf dem Königsplatz findet bis Sonntag ein Mittelaltermarkt statt. Mit Rittern, Gauklern und Händlern. Zudem haben die Geschäfte in der Innenstadt am Sonntag von 13 bis 18 Uhr geöffnet. 

Rund 1000 Jahre hat das Mittelalter gedauert, zwischen Ende der Antike bis zum Beginn der Neuzeit, also zwischen dem 6. und 15. Jahrhundert. Der moderne Mensch verbindet mit dem Mittelalter schreckliche Ereignisse wie die Pest, die Kreuzzüge oder den hundertjährigen Krieg. Nicht so Robin Nagel vom Kaufmanns Gespann Franconofourd. Der Unternehmer aus Frankfurt steht seit 20 Jahren auf mittelalterlichen Märkten und verkauft dort Felle und Met.

„Das ist immer eine ganz besondere Atmosphäre. Die Leute entspannen auf den Märkten“, sagt Nagel. In den 20 Jahren habe er erst zwei Mal erlebt, dass es Streit gegeben hat. Einmal zwischen Fußballfans, das  andere Mal zwischen einem Ehepaar.

Seit Donnerstag steht Nagel auch wieder auf dem Königsplatz. Im Rahmen der Casseler Freyheit findet dort zum zweiten Mal ein Mittelaltermarkt statt. Bis zum Sonntag, der ja verkaufsoffen (13 bis 18 Uhr) ist.

Bei Nagel gibt es Schafsfelle (ab 38 Euro) und Waschbärenschwänze. Die kommen aber nicht aus Kassel, sondern aus den USA, wo die Waschbären gejagt und aus ihrem Fell Mäntel gefertigt werden. Die Schwänze seien eine Art Abfallprodukt, sagt Nagel. Sie kosten übrigens fünf Euro.

Die Kasseler reagierten übrigens völlig unterschiedlich auf die Waschbärenschwänze, erzählt der Händler. Als er vor zehn Jahren Mal in der Stadt war, hätte vielen Kunden das Accessoire gefallen. Nur einem jungen Mädchen nicht. Die habe „Ihr Mörder“ geschrien.

Von solchen Ausschreitungen berichtet Bogenbauer Michael Dietz aus der Eifel nicht. Obgleich er an seinem Stand auch scharfe Messer verkauft, die im Mittelalter als Bewaffnung dienten. Oder als Besteck. Bei ihm gibt es Messer und Pfriem, den Gabelersatz. Mit dem Messer zerteilten die Menschen das Essen, mit dem Pfriem, der wie ein Käsespieß aussieht, spießten sie es auf.

Bei Michael Dietz gibt es Messer und Pfriem.

Solche Bestecke gibt es bei dem Bogenbauer ab 28 Euro. „Es gibt eine große Fangemeinde, die sich für historische Details interessiert“, sagt Dietz. Die Leute besorgten sich eben auch das passende Besteck und würden aus Hörnern trinken.

Sollte man Benjamin Schulz aus Uslar glauben, dann kauften die Menschen auch schon im Mittelalter Nahrung für ihre Hunde. Aber ein wenig flunkert der Händler dann doch bei seinem Verkauf von Naschwerk für den treusten Freund des Menschen. Denn getrocknete Kaninchenohren heißen bei ihm „Koboldohren“ und Hirsch- und Rehbeine laufen unter „Teufelsbeine“. 

Wer in der „Taverne zum räudigen Köter“ einkauft, darf keine zu empfindliche Nase haben. Die getrockneten Tierstücke riechen ein wenig. Mittelalter pur eben. Neben Verkaufsständen unterhalten Ritter mit Kämpfen, Musiker und Gaukler.

Service: Der Mittelaltermarkt hat Freitag und Samstag, 10 bis 21 Uhr, und Sonntag, 11 bis 18 Uhr, geöffnet.

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