CDU-Krisenparteitag: Kühne-Hörmann wieder gewählt

Kassel. In der Geschichte der Kasseler CDU hat es das noch nicht gegeben. Am Samstag trat der gesamte Kreisvorstand um Eva Kühne-Hörmann geschlossen zurück und stellte auf einer Delegiertenversammlung die Vertrauensfrage.

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Der Artikel wurde um 19.10 Uhr aktualisiert.

Hier sorgte der frühere Fraktionsvorsitzende Aloys Zumbrägel (72) vom Ortsverband Wolfsanger für eine Überraschung. Er trat gegen die nach dem schlechten Wahlergebnissen der CDU in die Kritik geratene Eva Kühne Hörmann an. Die holte mit 62,9 Prozent der Stimmen zwar klar die Mehrheit, Zumbrägel verbuchte aber einen Achtungserfolg.

"Bei so einer wichtigen Wahl muss man eine Alternative haben", begründete Zumbrägel, der seit Jahrzehnten in der Kasseler CDU aktiv ist, seine Kandidatur. In der Debatte hatte er kritisiert, dass Eva Kühne-Hörmann als Ministerin für Wissenschaft und Kunst mehr als genug zu tun habe.

"So spielen wir nur dem politischen Gegner in die Hände." Ex-Oberbürgermeister Georg Lewandowski

Zuvor hatte unter anderem der ehemalige Oberbürgermeister Georg Lewandowski das Wort ergriffen. Er appellierte an die CDU-Mitglieder, den öffentlich ausgetragenen Streit endlich zu beenden. "So spielen wir nur dem politischen Gegner in die Hände", sagte Lewandowski.

Das sagt Eva Kühne-Hörmann

"Mit dem Ergebnis der Wahl muss ich angesichts der Debatten im Vorfeld zufrieden sein", sagt die alte und neue Kreisvorsitzende. Die Kandidatur Aloys Zumbrägels habe auch sie überrascht. Die CDU müsse jetzt die Zeit bis zum April 2012 nutzen. Dann stehen die regulären Vorstandswahlen an. Eine Reihe von Kritikern habe bisher nicht mit offenen Karten gespielt. Seit der Kommunalwahl herrscht in der Partei "ein Stil, den wir nicht länger hinnehmen werden."

Den größten Applaus bekam der unterlegene Oberbürgermeister-Kandidat Ernst Wegener. "Die Chancen der Kasseler CDU sehe ich nicht in einem peinlichen Gezänk", sagte er. Gerüchte, er sei zu der Kandidatur gedrängt worden, seien ebenso falsch wie die, dass er für den Wahlkampf vom Dienst im Ministerium freigestellt wurde. "Ich habe dafür meinen Jahresurlaub 2010 und 2011 genommen und außerdem auf eigene Kosten eine Wohnung in Kassel angemietet", sagte Wegener.

Wer einen offenen Schlagabtausch erwartet hatte, wurde weitgehend enttäuscht. Manche Kritiker der Vorsitzenden wie Martin Kiok (Harleshausen) meldeten sich gar nicht zu Wort, die Vertreter der Jungen Union beließen es bei Appellen, dass es so wie bisher nicht weiter gehen könne.

Neuer Stellvertreter

Das sagt Aloys Zumbrägel

Das Gerede, dass es keine Alternative gibt, sollte endlich aufhören, sagt Aloys Zumbrägel. Erst am Freitag abend sie die Entscheidung für seine Kandidatur im Ortsverband Wolfsanger gefallen. Zumbrägel: Die Partei muss auch funktionieren, wenn Eva Kühne-Hörmann in Wiesbaden ist."

Überraschungen gab es dann noch einmal bei der Wahl der stellvertretenden Kreisvorsitzenden. So zog der bisher lediglich auf Stadtteilebene in Erscheinung getretene Dr. Jacques Bassock (41 Stimmen) in dieses Gremium ein. Bestätigt wurden Birgit Trinczek mit 61 Stimmen und der Fraktionsvorsitzende Dr. Norbert Wett (58)Stimmen). Jörg Hildebrand bekam 49 Stimmen.

Nicht wiedergewählt wurde Martin Engels (26 Stimmen). Aloys Zumbrägel, der auch für dieses Gremium kandidierte, kam auch 30 Stimmen. Als Schatzmister wurde Dr. Maik Behschad bestätigt.

Von Thomas Siemon

 

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