CDU-Streit: Ex-Vorsitzender Hörmann will Nachfolger den Mund verbieten

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Entzweit: Jan Hörmann (links), lanjähriger Vorsitzender der CDU Wehlheiden und jetzt Vize, und sein Nachfolger Patrick Poerschke, streiten vor Gericht.

Kassel. Wenn der Vorsitzende der CDU Wehlheiden und sein Stellvertreter sich vor Gericht begegnen und nicht einmal grüßen, ist offensichtlich, dass eine Zusammenarbeit innerhalb der Partei wohl nicht mehr möglich ist.

Und so scheiterte gestern vor dem Amtsgericht auch der Versuch eines Vergleichs zwischen Jan Hörmann und Patrick Poerschke. Hörmann ist ehemaliger Vorsitzender des CDU Stadtbezirksverbands Wehlheiden und jetzt Vize, Poerschke neuer Vorsitzender. In einer Kampfabstimmung hatte sich der 33-Jährige Ende November knapp gegen den langjährigen Vorsitzenden durchgesetzt.

Jetzt hat Hörmann gegen seinen Nachfolger Patrick Poerschke einen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung gestellt. Das Ziel: Poerschke soll nicht mehr behaupten dürfen, dass Hörmann am 18. Januar zu einer Vorstandssitzung eingeladen und damit gegen die Satzungsordnung der Partei verstoßen habe. Das sei „rufschädigend“ für ihn.

JU und Mutterpartei im Zwist

Patrick Poerschke, der auch dem Vorstand der Jungen Union (JU) Kassel angehört, hatte sich unter anderem in einem HNA-Bericht entsprechend geäußert. Zwischen der JU und der Mutterpartei CDU, der Hörmanns Ehefrau, die Ministerin Eva Kühne-Hörmann vorsteht, kracht es seit Längerem gewaltig, bis es jetzt zum Bruch mit der Nachwuchsorganisation kam (wir berichteten).

Hintergrund des Wehlheider Streits: Eigentlich sollte am 18. Januar im Düsseldorfer Hof eine Sitzung des neuen Vorstands des Wehlheider Stadtbezirksverbands stattfinden. Wegen eines Todesfalls in der Familie hatte der neue Vorsitzende Poerschke den Termin aber abgesagt. Sein Stellvertreter Hörmann hatte daraufhin die Vorstandskollegen eingeladen, trotzdem zu einem Treffen am vereinbarten Ort zusammenzukommen. Wie er sagt, zu einer „lockeren Gesprächsrunde“.

Rechtsanwalt Oliver Schäfer, der Poerschke vor Gericht vertrat, hob darauf ab, dass bei diesem Treffen aber Beschlüsse gefasst worden seien. Im Anschluss hatte Poerschke von der Schriftführerin eine E-Mail bekommen, in er gebeten wurde, Sitzungstermine künftig nur Dienstag bis Donnerstag anzuberaumen.

Hörmann, der sich von Anwalt Dr. Bernd Stein vertreten ließ, sagte, dass Protokolle und Beschlussvorlagen eine völlig andere Form hätten als eine E-Mail, in der lediglich eine Bitte wegen Terminabstimmungen an Poerschke formuliert worden sei.

Amtsrichterin Strauch schlug den beiden Parteien einen Vergleich vor: Poerschke solle die Behauptung künftig unterlassen, die Kosten für das Verfahren würden geteilt. Hörmann erklärte sich dazu sofort bereit. Poerschke und sein Rechtsanwalt gingen nach kurzer Bedenkzeit nicht auf den Vorschlag ein.

Entscheidung nächste Woche

Sie wollen erreichen, dass der Antrag Hörmanns zurückgewiesen wird. Eine Entscheidung wird am 6. März fallen. Die öffentliche Verhandlung findet um 15 Uhr im Amtsgericht statt.

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