Kassel soll Reutlinger Modell prüfen

CDU-Vorschlag: Petzen soll sich bei Sachbeschädigungen lohnen

Schmiererei an der Hauswand: Nach dem Willen der CDU sollen Hinweise auf die Urheber solcher Sachbeschädigungen wie an diesem Haus an der Frankfurter Straße belohnt werden. Archivfoto: Rudolph

Kassel. Ein Belohnungssystem zur Verhinderung von Sachbeschädigungen bringen die Kasseler Christdemokraten ins Spiel.

Nach ihrem Willen soll der Magistrat prüfen, ob Kassel der Stadt Reutlingen (Baden-Württemberg) folgen und eine Belohnung für Hinweisgeber ausloben sollte. Eine Belohnung für Leute nämlich, die Angaben zu Taten und Tätern machen. Und die damit dazu beitragen, dass die Verantwortlichen für Vandalismus und illegale Graffiti zu Schadenersatz herangezogen werden können.

In Reutlingen lohnt sich diese Form des Petzens bereits: Die mehr als 110.000 Einwohner zählende Kreisstadt in Baden-Württemberg zahlt sei Mitte Juni „aufmerksamen Passanten“ einen Betrag von 500 Euro für Hinweise zu Sachbeschädigungen und Sachbeschädigern.

Wie der Kasseler Magistrat das Reutlinger Modell bewertet, möchte jetzt die CDU-Stadtverordnetenfraktion wissen. „Plant der Magistrat vor dem Hintergrund gestiegener Graffiti-Schmierereien und Beschädigungen im öffentlichen Raum – zuletzt zum Beispiel Korbinians-Apfelbaum in der Aue – ein ähnliches Modell für Kassel?“, heißt es in der CDU-Anfrage. Sie kommt erstmals in der Sitzung des Rechtsausschusses am Dienstag, 8. September, auf den Tisch.

Gemeinschaftsaktion

Gegen Schmierereien, Zerstörung und Vandalismus wollen in Reutlingen Stadt, Polizei, Verein Haus und Grund, Wohnungsgesellschaft und Energieunternehmen an einem Strang ziehen. Die Aktion zielt laut Stadt darauf ab, dass Beschädigungen angezeigt werden und die hohe Dunkelziffer gesenkt wird.

Kritzeleien: Dieser Treppenaufgang an einer Haltestelle der Regiotram ist ein weiteres Beispiel von Vandalismus. Archivfoto: Ludwig

Hinweisgebern stehen Ansprechpartner bei Stadt und Polizei zur Verfügung. Die bisherige Bilanz fällt in Reutlingen eher verhalten aus. Seit Juni haben zwei Bewohner die 500 Euro Belohnung erhalten. Beide hätten Angaben zu einem Fall gemacht. Dabei hätten Unbekannte ein Dixi-Klo in den Stadtpark-Teich geworfen, berichtete Albert Keppler, Leiter des Amtes für öffentliche Ordnung.

Es gehe um niedrigschwellige Kriminalität. „Wir wollen keine Spitzel und Denunzianten fördern“, stellte der Amtsleiter auf Anfrage unserer Zeitung klar. Die Belohnung allein bringe nichts. Sie sei nur ein Baustein der Reutlinger Bemühungen, die Fälle von Beschädigungen und Schmierereien zu verringern. Hauptaspekt sei, dass man sich vernetzt habe und dies deutlich mache. Keppler: „Wir stehen zusammen und akzeptieren die systematischen Beschädigungen nicht mehr.“

Kostenteilung

Bei Zahlung der Belohnung geht die Stadt nach Kepplers Angaben zunächst in Vorleistung. Die Partner teilten sich aber die Kosten, betonte der Amtsleiter. Keppler: „Ohne Partner hätten wir die Aktion nicht umgesetzt.“

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