Projekt Bürgerarbeit: Bisher bekamen 15 eine reguläre Stelle

Modellprojekt gibt Perspektive: Edvard Gorski (von links), Christoph Zerber und Sina Herzog haben von der Bürgerarbeit profitiert. Fotos: Dilling

Kassel. Es gibt viele Ursachen, die Menschen aufs berufliche Abstellgleis und in die Bedürftigkeit geraten lassen können: Edvard Gorski (64), dem gebürtigen Polen, gelang es nicht, als Kunstmaler in Kassel richtig Fuß zu fassen.

Christoph Zerber (31) fehlte nach dem Ökonomie-Studium und erfolgreichem Diplom die Orientierung für den Einstieg in den Beruf. Sina Herzog (36) war - nach eigenem Bekunden - durch lange Krankheit und Reha-Phase ohne Chance auf dem Arbeitsmarkt am Boden. „Ich habe gesagt: Ich nehme alles, auch wenn es ein Ein-Euro-Job ist“, erzählt sie.

Alle drei waren lange Kunden des Kasseler Jobcenters, bezogen Hartz-IV-Leistungen. Dank des Bundesprojekts Bürgerarbeit, das schwer vermittelbare Arbeitslose mit einem stark bezuschussten, in etwa tariflich bezahlten Job auf Zeit zu einer dauerhaften sozialversicherungspflichtigen Stelle verhelfen soll, haben sie sich eine berufliche Perspektive erarbeitet. Christel Högemann-Lohse, Geschäftsführerin des Jobcenters, wertet das Ergebnis des Programms, das nach fast vier Jahren nun auf die Zielgerade geht, schon jetzt als Erfolg. Von 49 Absolventen des Projekts hätten 15 bis Ende April dieses Jahres eine feste Stelle gefunden, eine Vermittlungsquote von 30 Prozent. „Da sind wir stolz drauf“, sagt Högemann-Lohse.

Insgesamt werden aus dem Programm, das Ende Dezember ausläuft, 100 Arbeitsstellen für maximal drei Jahre vom Bund gefördert. Der finanzielle Anschub für die Jobchance ist gewaltig. Die Stadt Kassel, die auch selbst viele Bürgerarbeit-Plätze bereitstellte, habe etwa 1,8 Millionen Euro investiert, der Bund trage vier Millionen Euro, sagte Hans-Josef Schmöle von der Stadtverwaltung. Im Gegenzug spart die Stadt aber auch viel Geld, weil die Bürgerarbeiter keine Hilfe zum Lebensunterhalt mehr benötigen und selbst Steuern zahlen.

Neben der Stadt Kassel haben vor allem pädagogische und gemeinnützige Einrichtungen Bürgerarbeitsstellen geschaffen. Christoph Zerber hat einen Job beim Ludwig-Noll-Verein erhalten, der sich um psychisch kranke Menschen kümmert. Zerber pflegt den Internetauftritt des Vereins. Auch Gorski hat nach Ende seiner Bürgerarbeitsstelle bei den „Nollis“ einen Vertrag erhalten. Er organisiert regelmäßig ein Kulturprogramm. Herzog unterstützt die pädagogische Arbeit an der Friedrich-Wöhler-Schule und hat eine Erzieherausbildung gemacht. Jetzt sucht sie einen Arbeitgeber zur Ableistung des berufspraktischen Jahrs.

Högemann-Lohse ist optimistisch, dass bis Ende des Jahres noch viele weitere Absolventen des Programms eine feste Stelle ergattern. Unternehmen, die Interesse an einer Übernahme eines Bürgerarbeiters haben, können sich bei der Stadt Kassel melden. (pdi)

Kontakt: Hans-Josef Schmöle, Tel.  05 61 /7 87 58 13

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