"Dass unser Sport als sexistisch abgestempelt wird, macht mich hilflos"

Cheerleader im Sport: Sind die sexy Pausenfüller noch zeitgemäß?

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Salti, Flickflacks und Pyramiden: So unterhielten die Cheerleader der Dance Devils die Zuschauer der MT Melsungen. Seit dieser Saison ist Schluss.

Die Basketballer von Alba Berlin verzichten auf Cheerleader, weil tanzende Frauen als Pausenfüller nicht mehr zeitgemäß seien. Auch die Handballer der MT Melsungen haben sie abgeschafft.

Die deutlichste Meinung zur Cheerleader-Debatte stammt von dem Mann, der nächste Saison bei der MT Melsungen im Handball-Tor steht. 

Nachdem der Basketball-Bundesligist Alba Berlin angekündigt hatte, seine Cheerleader abzuschaffen, weil „junge Frauen als attraktive Pausenfüller bei Sportevents nicht mehr in unsere Zeit passen“, schrieb Silvio Heinevetter auf Instagram: „So ein Schwachsinn!!!“ Dazu postete der Nationalspieler einen Clip, in dem er und die Cheerleader der Füchse Berlin mit Puscheln wedeln.

MT Melsungen verzichtet seit der vorigen Saison auf Cheerleader

Auf so etwas wird Heinevetter verzichten müssen, wenn er 2020 aus der Hauptstadt nach Nordhessen gewechselt ist. Die MT Melsungen hat ihre Cheerleader in der Kasseler Rothenbach-Halle zum Ende der vorigen Saison abgeschafft – anders als bei Alba Berlin allerdings nicht wegen Kritik an überkommenen Rollenbildern.

MT setzt auf Tanzeinlagen anstatt auf klassisches Cheerleading

Seit fünf Jahren treten bei Heimspielen auch die Tänzer des Kasseler HipHop-Studios Body & Soul auf. „Moderne Tanzelemente auf hohem Niveau“ könne man besser auf „das schnelle Spiel abstimmen“ als „Cheerleading im hergebrachten Sinn“, sagt Pressesprecher Bernd Kaiser.

Die Footballer der Kasseler Titans setzten weiter auf ihre Cheerleader

Dagegen setzen die Footballer der Kassel Titans weiter auf spärlich bekleidete Frauen. Bei ihren Heimspielen in der Hessenkampfbahn heizen die Blue Birds des OSC Vellmar den Besuchern ein. „So können die Pausen gut überbrückt werden“, sagt Titans-Pressesprecher Jan Jäger.

Nicht jeder versteht die Diskussion um die Cheerleader-Auftritte

Dass Alba derlei Unterhaltung nun abschafft, kann Christa Stöhr nicht verstehen. Die 60-Jährige trainiert die Cheerleader der MT, die zur Turnabteilung des Vereins gehören und zwischen 13 und 27 Jahren alt sind: „Tanzen ist auch sexy und soll das Auge ansprechen. Dass unser Sport als sexistisch abgestempelt wird, macht mich hilflos.“

Angefangen hatte sie mit ihren Dutzend Tänzerinnen bei der MT, als die Rothenbach-Halle oft nur halb voll war. Nun bekommen die Zuschauer lediglich die Choreografien der Body-&-Soul-Tänzer zu sehen. Deren HipHop-Trainerin Isabell Gabler hat nichts gegen das aus dem US-Sport stammende Cheerleading. Sie sagt aber: „Wir stecken unsere Kinder nicht in freizügige Outfits.“

MT-Profis äußern sich etwas zurückhaltender

Fragt man MT-Profis, ob sie die Entscheidung der Basketballer nachvollziehen können, antworten sie ähnlich wie ihr zukünftiger Team-Kollege Heinevetter, nur diplomatischer.

Michael Allendorf, Handballer der MT Melsungen.

Linksaußen Michael Allendorf sagt: „Bei Punktspielen sind wir im Tunnel, da kriegen wir nicht mit, wer welche Kleidung anhat.“ Und Kapitän Finn Lemke findet, dass „Cheerleading Sport ist, der dazu gehört und nichts verherrlicht“.

Seehofer mischt sich ein und schlägt gemischte Teams vor

Mittlerweile ist die Debatte so groß, dass sich sogar Horst Seehofer zu Wort gemeldet hat. Der CSU-Innenminister schlug gemischte Teams vor. Die gibt es jedoch längst. 

Auch die MT-Cheerleader, die nun für Meisterschaften trainieren, hatten einst einen jungen Mann in ihren Reihen. Doch „nach einem Auftritt haben ihn seine Kumpels ausgelacht“, sagt Stöhr: „Danach haben wir ihn nicht mehr gesehen."

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