Bei etwa 14.000 Euro beginnt die Preisliste

China-Autos kommen nach Kassel: Wir haben einen SUV getestet

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Pionier im regionalen Autohandel: Inhaber Stephan Johannes vom Autohaus Stadthallengarage an der Breitscheidstraße hat die chinesischen Marken BAIC und DSFK ins Sortiment genommen. Hier sitzt er in einem BAIC Senova x35.

Kassel. Im Großraum Kassel hat jetzt der erste Vertragshändler für chinesische Autos den Betrieb aufgenommen. Wie fährt sich ein SUV aus dem Reich der Mitte? 

Das Kasseler Autohaus Stadthallengarage bietet seit ein paar Wochen auch Neuwagen der Marke BAIC (Beijing Automotive Industry) an. Die kompakten SUVs in mehreren Modellreihen sind so nahe am aktuellen Auto-Zeitgeschmack designt, dass sie im Straßenbild erst auf den zweiten Blick als Auto-Exoten auffallen. 

Bei recht umfangreicher und zeitgemäßer Ausstattung kosten die China-Mobile etwa ein Drittel weniger als vergleichbare europäische Massenmodelle. Bei etwa 14.000 Euro beginnt die Preisliste. Autohaus-Inhaber Stephan Johannes sieht eine Marktnische für solche Autos und verzeichnet ein reges Interesse an Probefahrten. 

Die Kundschaft sei neugierig, aber noch zurückhaltend, wenn es um eine Kaufentscheidung geht. „Da ist auch viel Pioniergeist dabei“, sagt Johannes. Nach seinen Angaben hat der deutsche Importeur im gesamten Vorjahr bundesweit 700 BAICs abgesetzt, im ersten Quartal 2018 seien es bereits 400 gewesen. 

In China baut BAIC in einem Joint-Venture mit der Daimler AG mehrere Mercedes-Baureihen für den chinesischen Markt. In den nächsten Monaten will das Kasseler Autohaus weitere Modelle des chinesischen Herstellers ins Programm nehmen. Parallel bereits im Angebot sind Kleinst-Lkw der Marke Dongfeng DFSK. 

Eine große Chance sieht Johannes darin, dass chinesische Autobauer schon hunderttausende Elektrofahrzeuge auf die Straße gebracht haben: „Damit wollen die ab nächstem Jahr in der EU Fuß fassen.“ Da wolle der Kasseler Händler dabei sein und „E-Autos anbieten, die bezahlbar sind“.

Zwei kompakte SUVs der China-Marke: Der BAIC Senova x35.

So fährt sich der China-SUV

Das ist was für Auto-Individualisten: Dreht man den Zündschlüssel des BAIC Senova x35, so leuchtet der Name des Herstellers im Cockpit kurz in chinesischen Schriftzeichen auf. Wer die Bedienung des gefällig gestylten Exoten weiter erkunden will, sollte Englisch verstehen: Die Bordcomputer-Menüs gibt es bislang noch nicht auf Deutsch. Das werde aber bald kommen, ist sich Vertragshändler Stephan Johannes sicher: „Das läuft alles über fahrzeuginterne Apps.“ Und die schnell zu aktualisieren, dürfte für die elektronikverliebten Chinesen ein Leichtes sein, sollten ihre Fahrzeuge auf dem deutschen Markt Erfolg haben.

Für ein deutsches Handbuch hat der Importeur schon gesorgt. Auch die Euro 6-Abgasnorm sowie hiesige Crashtest-Standards erfüllen diese Autos inzwischen. Letzteres war vor zehn Jahren zum Fiasko geworden, als die China-Hersteller Landwind und Brilliance erstmals versuchten, auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen.

Alles kein Thema mehr, die Chinesen lernen schnell – nicht zuletzt durch ihre westlichen Joint-Venture-Partner auf dem Heimatmarkt. Im Fall von BAIC ist das Mercedes-Benz. Stephan Johannes zeigt auf die runden Innenraum-Lüftungsdüsen, die in Form und Verstellfunktion verblüffend an vergangene Mercedes-Modelle erinnern: „Das haben die natürlich abgeguckt.“

Gefälliges Cockpit: So sieht es im Inneren des BAIC x25 aus.

Das gefällt

Die Qualitätsanmutung der BAICs ist im Ganzen durchaus ordentlich. Außen passt alles, im Innenraum sind die Materialien mehr für die praktischen Anforderungen des chinesischen Alltags gemacht, aber mit einem gewissen Schick gestaltet. Es gibt sogar ein Touchscreen-Display sowie allerlei zeitgemäße Annehmlichkeiten wie Einparkhilfe, dreimaliges Blinken bei Fingertipp oder Bluetooth-Kopplung.

Auch das Fahren im Stadtverkehr hinterlässt einen positiven Eindruck: Keinerlei Knistern ist zu hören, das von Verwindungen der Karosserie oder schlecht eingepassten Verkleidungen herrühren könnte. Die Sitzposition gefällt ebenso wie die leichtgängige Lenkung und die etwas weiche, aber doch exakte Schaltung. Das könnte auch ein Koreaner oder Japaner sein.

Fernost-Begrüßung: Die Grafik des Bordcomputers leuchtet beim Start auf Chinesisch auf.

Das gefällt weniger

Der BAIC ist kein Auto für Leute, die recht flott unterwegs sein wollen. Mit 82 kW (111 PS) zieht der Mitsubishi-Motor nicht die Wurst vom Teller und ist mit einem Normverbrauch von 7,3 Litern Benzin auch nicht sonderlich effizient. Dafür ist die Maschine – wie das ganze Auto – recht simpel und robust konstruiert und entsprechend reparaturfreundlich.

Im Gepäckabteil schränkt eine ungewöhnlich hohe Ladekante die Nutzbarkeit ein. Und beim Radio gibt es bislang noch keinen RDS-Datenempfang wie in Europa üblich.

Der kleinere BAIC x25, der ab etwa 14 000 Euro angeboten wird.

Wer mit solchen Einschränkungen leben kann und vor allem auf den Anschaffungspreis schaut, der bekommt mit den chinesischen BAICs eine ganze Menge Auto fürs Geld. Sie sind die erste und bislang einzige Automarke aus dem Reich der Mitte, die in Stadt und Landkreis Kassel über einen Vertragshändler angeboten wird. Inwieweit darüber hinaus noch weitere chinesische Pkw auf den Straßen der Region unterwegs sind, dazu konnte die Kasseler Zulassungsbehörde nicht ohne weiteres Auskunft geben.

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