Mieter ziehen aus - Klagen über deutliche Mehrkosten

Chinesische Investoren: Wirbel um Geschäftshaus am Kasseler Stern

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So gut wie leer: Nach dem Eigentümerwechsel verlassen weitere Mieter das Geschäftshaus an der Unteren Königsstraße. Die Apotheke und die Arztpraxis ziehen aus. Friseur und Restaurantbetreiber wollen bleiben.

Kassel. Nach vielen Jahren ist für die Europa-Apotheke am Stern Schluss. Chinesische Investoren haben das Geschäftshaus im September 2011 bei einer Zwangsversteigerung erworben und die Altverträge gekündigt.

Die neuen Mietverträge waren für Apotheker Alexander Schmidt-Hellwig und eine Arztpraxis im Haus nicht annehmbar. Sie ziehen aus. Bis auf die Läden im Erdgeschoss ist das sechsstöckige Geschäftshaus so gut wie leer. Nach Angaben von Schmidt-Hellwig, der die Apotheke im Oktober 2010 übernommen hat, hätten sich die Kosten nahezu verdoppelt. „Das macht wirtschaftlich keinen Sinn mehr“, sagt er. „Wir müssen den Standort leider aufgeben.“ Wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten habe das Geschäftshaus an der Unteren Königsstraße 81 zuletzt unter Zwangsverwaltung gestanden.

Dass über Jahre nichts mehr investiert wurde, sieht man dem Gebäude an. „Es war lange schwierig im Haus“, sagt der 30-Jährige, der auch Junior-Chef der Einhorn-Apotheke ist. „Wir waren sehr engagiert und wollten das gut machen.“ Mit dem Eigentümerwechsel seien die Pläne zunichte gemacht worden.

Die über 40 Jahre alte Apotheke muss schließen. Sein Team vom Stern wird nun ab April die Einhorn-Apotheke an der Unteren Königsstraße verstärken. Schmidt-Hellwig ist auch über den Umgang der neuen Eigentümer Ying Zheng und Guangqin Fu mit den Mietern empört. „Die haben sich nie vorgestellt.“ Der Apotheker spricht von Wildwest-Methoden und Knebelverträgen.

Die von den Chinesen gesetzten Fristen seien so knapp bemessen gewesen, dass ein Auszug praktisch nicht mehr möglich gewesen wäre. Zum Glück habe sich die von ihnen behauptete Kündigungsfrist aber als falsch herausgestellt, so dass mehr Zeit blieb. Die durch einen Verwalter vertretenen Hauseigentümer, die in Kassel und München leben sollen, waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Das Friseurgeschäft und das türkische Restaurant wollen bleiben. Ein Umzug komme nicht in Frage, weil man in den vergangenen Jahren mehrere hunderttausend Euro in das Restaurant gesteckt habe, sagen Mitarbeiter.

Von Ellen Schwab

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