Uni Kassel: Projekt soll helfen, Fachkräftemangel kostengünstig zu beseitigen

Projekt an Uni: Chinesen lernen von Kassel

In China fehlen gut ausgebildete Arbeitskräfte am Markt: Jetzt soll ein neues Lernmodul, das die Uni Kassel mitentwickelt, Abhilfe schaffen. Foto: dpa

Kassel. In Deutschland droht ein Mangel an gut ausgebildeten Facharbeitern. Doch in China ist dieses Problem längst schon zur Misere geworden. „Dort herrscht schon jetzt ein Fachkräftemangel“, sagt Andreas Janson vom Fachgebiet Wirtschaftsinformatik an der Universität Kassel.

Darunter litten viele deutsche Unternehmen, die in China produzieren und beispielsweise händeringend gut ausgebildete Mechatroniker suchen.

Die Firmen versuchten bisher, chinesische Arbeiter mit weitestgehend unangepassten Lernangeboten fortzubilden, mit mäßigem Erfolg. Denn Asiaten lernten in vieler Hinsicht anders als ihre deutschen Kollegen, erklärt Janson.

Rücksicht auf Kulturkreis

Wissenschaftler des Fachgebiets Wirtschaftsinformatik unter Leitung von Prof. Jan Marco Leimeister und des Fachgebiets Wirtschaftsdidaktik unter Leitung von Prof. Jens Klusmeyer wollen die Ausbildungsmöglichkeiten für Chinesen mit einem maßgeschneiderten Lernprogramm verbessern. Ziel sei es, bis Mitte 2016 eine Art Blaupause für ein Lernprogramm zu entwickeln, dessen Module den Bedürfnissen von Aus- oder Fortzubildenden der unterschiedlichsten Kulturkreise angepasst werden können, erklärt Janson.

Andreas Janson

Bildungsprogramme aus Deutschland, mit denen Azubis in aller Welt am Arbeitsplatz oder zu Hause beispielsweise über das Internet mit- und voneinander lernen können, ohne ständig gesonderte, kostentreibende Lehrveranstaltungen besuchen zu müssen, könnten so zum Exportschlager werden. Momentan werde dieser große Dienstleistungsmarkt nämlich noch nicht hinreichend von deutschen Unternehmen bedient, sagt der Ökonom.

Einige Hürden hat Janson schon im Blick. „In China steht das Studium hoch im Kurs. Eine nichtakademische Ausbildung wird eher gering geschätzt“, sagt der Wirtschaftswissenschaftler.

Außerdem nimmt er an, dass sich chinesische Lernende scheuen, bei höhergestellten Personen, wie beispielsweise einem Dozenten, nachzufragen, wenn sie etwas nicht verstanden haben. Darauf könne das Lernprogramm besser eingehen, indem es stärker als hierzulande den Wissensaustausch innerhalb einer Lerngruppe und die selbstverantwortliche Lernkontrolle fördere.

1,5 Mio. Euro Förderung

Die Forschung ist Teil des Verbundprojekts „kultig“, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit 1,5 Millionen Euro gefördert wird. An dem Projekt beteiligt sind das Kasseler Wissensmanagement-Unternehmen Ingenium und das Chinesische Zentrum Hannover. Die Universität Kassel, die durch das Fachgebiet Wirtschaftsinformatik die Projektkoordination übernimmt, ist federführend. Projektträger ist das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt.

Von Peter Dilling

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