Komponentenhersteller Zhongding

Chinesen wollen Kasseler Automobilzulieferer Wegu

Schwingungsdämpfer als Spezialität: Mitarbeiter Domenik Buchs in der Fertigung bei Wegu. In den Verbund-Bauteilen aus Gummi, Metall und Silikon steckt trotz ihres einfachen Aussehens eine hoch anspruchsvolle Fertigungstechnologie. Foto:  Schachtschneider

Kassel. Für 95 Millionen Euro will Medienberichten zufolge ein chinesischer Konzern den Kasseler Automobilzulieferer Wegu übernehmen, der hochprofitabel arbeitet.

Mit Schwingungsdämpfungstechnik für Oberklasse-Autos und mit Kotflügelsystemen für schwere Lkw ist der Kasseler Automobilzulieferer Wegu hochprofitabel. Vor vier Jahren hatten die damaligen Wegu-Eigentümer das Unternehmen an den Hamburger Finanzinvestor Equitrust AG verkauft. Jetzt hat ein chinesischer Konzern der Branche ein Auge auf den Kasseler Gummi- und Kunststoffspezialisten geworfen: Die Anhui Zhongding Group (ZD) will Medienberichten zufolge Wegu für 95 Millionen Euro übernehmen.

Zu solchen Planungen war am Dienstag von der Wegu-Geschäftsführung keine Stellungnahme zu erhalten. Aus Unternehmenskreisen wurde indessen bestätigt, dass der Autozulieferer mit 260 Beschäftigten in entsprechenden Verhandlungen stehe. Die Gespräche seien aber noch ganz am Anfang und könnten sich hinziehen, hieß es. Zurzeit werde bei Wegu aber kein Anlass zu Sorgen über einen möglichen Personalabbau oder zu einem Abzug technologischen Wissens aus Kassel gesehen.

Weltweit auf Einkaufstour

Entsprechendes wurde bisher nicht bekannt aus anderen deutschen Unternehmen der Branche, bei denen die Chinesen zuletzt eingestiegen waren. Zhongding, nach eigenen Angaben einer der führenden Akteure in Chinas Autozulieferindustrie, ist seit einiger Zeit international auf Einkaufstour. Im Vorjahr hatten sich die Chinesen eine 80-Prozent-Mehrheit am Heilbronner Dichtungsspezialisten Kaco gesichert.

Auch in den USA und Südkorea ist Zhongding auf Zukäufe in der Fahrzeugkomponentenbranche aus. Der Konzern ist Zulieferer führender Automarken wie Volkswagen, BMW, Ford und Toyota, er hat weltweit 13 000 Mitarbeiter und weist einen Gesamtumsatz von 1,3 Milliarden US-Dollar aus.

Bei Wegu in Kassel stehen neben sämtlichen deutschen Premium-Autoherstellern selbst Nobelmarken wie Bugatti und Ferrari auf der Kundenliste. Sie alle setzen Schwingungsdämpfer und -tilger von Wegu an Abgasanlagen, Lenkung und Antriebsstrang ein, um zu verhindern, dass lästige Geräusche und Vibrationen ins Fahrzeuginnere gelangen. Nach einem Dämpfer durch die Weltwirtschafts- und Finanzkrise geht es seit 2010 bei Wegu beständig bergauf. Allein im Geschäftsjahr 2013 hatte das Unternehmen seinen Umsatz um fast 20 Prozent auf 72,1 Millionen Euro gesteigert – der höchste Wert seit 20 Jahren. Für 2014 werden ähnlich gute Zahlen erwartet.

Schwere Krise überstanden

So einfach war es nicht immer für die 1949 gegründete Firma, die zehn Jahre später vom westfälischen Werl nach Kassel umgesiedelt war und bald 1000 Mitarbeiter hatte. Anfang der 1990er-Jahre rutschte Wegu dann in eine schwere Krise. Für eine symbolische Mark übernahm der Physiker Dr. Herbert Bonrath sämtliche Gesellschafteranteile von der Eigentümerfamilie Dräbing und sanierte Wegu in den folgenden Jahren. Bonrath ist im Jahr 2012 gestorben.

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