Motto: Alles unter dem Himmel gehört allen

Chinesische Kunst: Ab heute geht es richtig los

Flügelschlag der Sonne entgegen: Der Künstler Wu Daxin hat auf dem Kasseler Weinberg seine Arbeit „Prächtige Tage“ installiert. Die Konstruktion aus Flügel und Solarpanele ist mit einer Winkraftanlage verbunden. Mit dem gewonnenen Strom wird der Flügel nachts zum Leuchten gebracht. Foto: Herzog

Kassel. Heute wird in Kassel die Ausstellung "Alles unter dem Himmel gehört allen" eröffnet. An 20 Standorten in der Innen-stadt und in der Karlsaue präsentieren chinesische Künstler ihre Werke.

Die Ausstellung ist Teil des Jahres der chinesischen Kultur in Deutschland und die bisher größte Schau chinesischer Gegenwartskunst im öffentlichen Raum außerhalb Chinas.

Eine witzige Doppelung: Vor der Kasseler Neuen Galerie lugt die Skulptur eines fetten nackten Mannes neugierig durchs Fenster. Was gibt es hier an Kunst zu sehen? Der „Fat Man“ ist natürlich selbst Kunst und wird von den Menschen interessiert beäugt. Mou Baiyans Skulptur gehört zu den auffälligsten Werken der Ausstellung „Alles unter dem Himmel gehört allen“, der großen Schau chinesischer Kunst, die heute im Rahmen des chinesischen Kulturjahres in Kassel eröffnet wird.

Die Präsentation, die ausschließlich im öffentlichen Raum angesiedelt ist, löst widersprüchliche Eindrücke aus. Frappierend ist die Vielfalt der gezeigten Werke hinsichtlich Material, Thematik und ästhetischen Positionen. Gleichzeitig fällt viel Verbindendes ins Auge. Vielleicht muss diese Kunst im Ausland gezeigt werden, um darauf zu stoßen. Frappierend ist die starke Präsenz vieler Arbeiten. Sie behaupten ihre materielle Seite, wie auch schon die Bilder Yan Leis und der „Doing-Nothing-Garden“ Don Songs auf der documenta 13.

Neue Galerie Kassel: Skulptur mit neugierigem Blick

Neue Galerie Kassel: Skulptur mit neugierigem Blick

Chinesische Kunst im Stadtbild: Erste Impressionen

Chinesische Kunst im Stadtbild: Erste Impressionen

Es muss nicht eine glänzende Oberfläche sein wie bei den silbernen Löwen, die Chen Zhiguang vor den goldenen Löwen an der Kasseler Rathaustreppe platziert hat. Oft sind es Masse und Vielheit wie bei den krabbelnden Ameisen aus Stahl desselben Künstlers auf der Treppenstraße oder den metallenen Sonnenblumen Xu Jiangs auf dem Friedrichsplatz. Einige der Kunstwerke schreien geradezu nach Aufmerksamkeit, die sie in einer für chinesische Verhältnisse kleinen Stadt wie Kassel natürlich leicht finden. Bi Hengs fast zehn Meter hohe Kriegerfigur „Transformer“ aus Teilen von Militärlastern setzt hier das deutlichste Zeichen.

Klare ästhetische Botschaften sind jedoch nicht gleichzusetzen mit mangelnder Komplexität. Viele Werke wenden sich den Betrachtern zu, sie wollen erkundet und entschlüsselt werden. Dabei stößt man oftmals auf eine intensive Auseinandersetzung mit der chinesischen Tradition im Spannungsfeld der westlichen Moderne. So beim feinen Holzhaus „Ultrastruktur: Garten der Seele“ von Xiang Yang auf dem Friedrichsplatz, der mit traditionellen Materialien wie Holz und Seide eine Auseinandersetzung mit der westlichen Kultur sucht.

Dass sich Künstler mit Themen wie Umweltzerstörung und anderen in China politisch heiklen Fragen befassen, bedeutet nicht, dass es sich um Dissidentenkunst handelt. Genausowenig lassen sich aber Künstler, die an staatlichen Einrichtungen lehren, als Staatskünstler abtun. Die Wirklichkeit in der chinesischen Kunstszene ist komplexer. Ebenso unterschiedlich wie ihre Arbeiten sind der persönliche und der politische Hintergrund der Künstler.

Spannend ist es zu sehen, wie sehr sich viele auf die Stadt Kassel eingelassen haben. Nicht nur, wenn sie unmittelbar in das Stadt- und Landschaftsbild eingreifen wie Shi Jinsong mit seinem Werk „Mein Garten“ am Frühstückstempel hinter der Neuen Galerie. Mit den von ihm platzierten „Gelehrtensteinen“ ergänzt er westliche durch fernöstliche Gartenkunst. Auch als documenta-Stadt bietet Kassel den Künstlern Anstöße, wie Liu Liyun mit ihrem „Federhalter-Berg“ neben Claes Oldenburgs Spitzhacke beweist.

Die Ausstellung: Zahlen und Fakten

Titel: Alles unter dem Himmel gehört allen.

Dauer: 2.10.2012 bis 18.2.2013

Standorte: 20 Standorte in der Kasseler Innenstadt und in der Karlsaue.

Künstler: 19 Künstler mit Arbeiten im öffentlichen Raum, zwei Künstler mit Multimedia-Performance zur Eröffnung im Kasseler Rathaus.

Veranstalter: Chinesisches Kulturministerium aus Anlass des Kulturjahres Chinas in Deutschland 2012.

Kuratoren: Prof. Fan Di An, Direktor des staatlichen Kunstmuseums, Peking; Prof. Dr. Yu Ding, Vizepräsident der Zentralakademie der Schönen Künste, Peking; Prof. Dr. Klaus Siebenhaar, Direktor des Instituts für Kultur- und Medienmanagement der FU Berlin.

Etat: Zwei Millionen Euro.

Finanzier: China Construction Bank (CCB). Beteligung des chinesischen Kulturministeriums.

Information: Kostenlose Broschüre bei Touristeninfo

Eintritt frei

Von Werner Fritsch

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