Chirurg aus Leidenschaft

Uwe Behrmann hört als Chefarzt am Elisabeth-Krankenhaus Kassel auf

Uwe Behrmann
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Etwas zu bewirken, war ihm wichtig: Dr. Uwe Behrmann war 17 Jahre lange Chefarzt am Elisabeth-Krankenhaus.

Das, was Dr. Uwe Behrmann an seinem Job am meisten vermissen wird, können sich viele wahrscheinlich für sich selbst nie vorstellen: Für den Chefarzt der Unfallchirurgie und Orthopädie am Kasseler Elisabeth-Krankenhaus ist das die Arbeit im Schockraum, also dort, wo Schwerstverletzte behandelt werden, oft nach schlimmen Arbeitsunfällen.

Kassel – „Wenn wir da einen guten Job machen, können wir täglich Positives bewirken“, erklärt Behrmann seine Leidenschaft für seinen Beruf.

Diese Leidenschaft hat er in all den Jahren, in denen er den Beruf macht, nie verloren. Und so ist sein Beruf auch so etwas wie eine Berufung geworden. 2004 hat Behrmann als Chefarzt am Elisabeth-Krankenhaus angefangen. Eine Aufgabe, die er nach seinem Medizinstudium und seiner chirurgischen Ausbildung an der Asklepios Klinik St. Georg in Hamburg sowie einer Station als Oberarzt in Rendsburg übernommen hat, weil es ihn störte, dass sein Gestaltungsspielraum bis dahin eingeschränkt war. „Ich wollte bei der Aus- und Weiterbildung und auch beim Umgang mit den Kollegen gerne selber bestimmen und so Dinge voranbringen“, sagt er.

Dass es den gebürtigen Hamburger dabei nach Kassel verschlagen hat, war Zufall. „Ich wollte weiter in den Süden, Richtung Mittelmeer“, sagt er mit Blick auf sein Lieblingsreiseziel – und schmunzelt, als er ergänzt: „Ich wäre auch noch weiter in den Süden gezogen, aber dafür hatte ich nicht den richtigen Dialekt.“ Mittlerweile ist er aber auch in Nordhessen angekommen.

Hier hat er in den vergangenen Jahren vor allem die Arbeit mit seinem Team geschätzt und die enge Verzahnung verschiedener Fachrichtungen. „So bewirken wir was. Das ist toll“, sagt Behrmann. Gleichzeitig sei der Beruf unheimlich abwechslungsreich: „Jeder Knochen muss anders behandelt werden, immer warten andere Probleme und Herangehensweisen auf einen.“

Es ist aber auch ein Beruf, der auch mal schwer ist. „Zu uns in die Unfallchirurgie kommen ja viele Patienten, die wussten morgens noch nicht, dass sie nachmittags komplett aus dem Leben gerissen sein werden“, sagt Behrmann. So gebe es immer Fälle, die einem im Kopf herumjagen. Wie der Fall eines kleinen Mädchens, das von einem Auto angefahren und schwerst verletzt wurde. „Damals war meine Tochter im gleichen Alter, das war richtig hart“, erinnert sich der 66-Jährige.

Über 34 Jahre hat er als Chirurg und in der Chirurgie gearbeitet, wenn er sich nun als Chefarzt verabschiedet. „Dafür habe ich die ganze Zeit gebrannt, jetzt bin ich aber auch etwas ausgebrannt“, sagt Behrmann. Er sei froh, keine Dienste mehr machen zu müssen und sich seine Zeit flexibler einteilen zu können. „Ich hatte jahrelang 60- bis 70-Stunden-Wochen, das schafft man nicht ewig.“

Langweilig wird dem Vater dreier Kinder und Großvater zweier Enkelkinder auch in Zukunft nicht werden. „Ich freue mich darauf, mich mit meiner Frau spontan in den Wohnwagen zu setzen und loszufahren, wenn es das Wetter und Corona zulassen“, sagt er. Auch öfter Rad zu fahren steht auf seiner Wunschliste, ebenso wie zu fotografieren. „Das habe ich früher viel gemacht und das würde ich jetzt gerne wieder tun.“

Ein wenig bleibt Behrmann auch dem Elisabeth-Krankenhaus noch erhalten. „Die Aufgaben des Ärztlichen Direktors übernehme ich zunächst weiterhin“, sagt er. Grund sei, dass er sich in den vergangenen Monaten tief ins Thema Corona eingearbeitet habe. Und ein wenig sicher auch, weil sein Beruf eben auch seine Berufung ist. (Marie Klement)

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