Jedes Jahr etwa 1250 Rettungseinsätze

Rettungshubschrauber Christoph 7 fliegt seit 40 Jahren

Fast 35 Jahre dabei: Rettungsassistent Klaus-Dieter Jäckel gehört zu den dienstältesten Mitgliedern in der Crew von Christoph 7. Fotos: Koch, Michaelis

Kassel. Seit 40 Jahren fliegt der Rettungshubschrauber Christoph 7 Einsätze. Die Crew erlebte in dieser Zeit schöne, aber auch schreckliche Momente.

Ganz allein steht ein kleines Mädchen auf einer Wiese. Ihr pinkfarbener Jogginganzug ist von oben gut zu sehen. Dieses Erlebnis von vor über zehn Jahren schildert Klaus-Dieter Jäckel, wenn man den Rettungsassistenten nach dem Einsatz fragt, der ihm bei Christoph 7 am meisten in Erinnerung geblieben ist.

Medizinische Hilfe brauchte das Mädchen nicht. Das Kind war vermisst gemeldet. Die Crew von Christoph 7, bestehend aus Pilot, Rettungsassistent und Notarzt, entdeckt das Mädchen in der Dämmerung nur durch Zufall. Die Wiese gehörte eigentlich nicht zum Suchgebiet.

Zusammen mit Hans-Dieter Bohlander zählt Jäckel zu den dienstältesten der Crew. Von den 40 Jahren, die Christoph 7 jetzt fliegt, sind die beiden Rettungsassistenten vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) fast 35 Jahre dabei.

Seinen ersten Einsatz hatte der Kasseler Rettungshubschrauber am 18. Dezember 1974 noch als Christoph 9, einen Tag nachdem er in Dienst gestellt wurde. Erste Patientin war eine Kasselerin, die auf der Autobahn 7 verunglückte.

Meist internistische Notfälle

Schwere Verletzungen nach Verkehrsunfällen gebe es immer seltener, sagt Dr. Thomas Köhler, ärztlicher Leiter bei Christoph 7. Grund sei die stetig besser werdende Technologie. „Die Fahrgastzellen sind stabiler“, sagt Köhler.

Alles in Ordnung: Pilot Oliver Kaminski überprüft den Heckrotor des Hubschraubers im Hangar der Bundespolizei-Fliegerstaffel in Fuldatal. Archivfoto: Fischer

Nur etwa ein Drittel der jährlich etwa 1250 Einsätze von Christoph 7 seien chirurgische Notfälle wie nach Unfällen. Der weit größere Teil seien internistisch-neurologische Notfälle wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle.

Und in der Regel werden die Patienten per Rettungswagen in die Klinik gebracht. Nur etwa ein Viertel werde geflogen, wenn es tatsächlich auf jede Minute ankommt, sagt Köhler. Der Transport per Auto sei schonender.

Über seine schlimmsten Einsätze mag Rettungsassistent Jäckel nicht sprechen. „Wie schlimm etwas ist, ist immer sehr subjektiv“, sagt der 55-Jährige. Wenn jemand Frau oder Mann nach jahrzehntelanger Ehe verliert, sei das für den Angehörigen das Schlimmste überhaupt, obwohl der Fall medizinisch womöglich nicht so hart sei.

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Spurlos gehen einige Einsätze nicht an ihm vorbei. „Ich habe manchmal schlaflose Nächte“, sagt Jäckel. Dennoch bereite ihm die Arbeit viel Spaß. Aber sein Ende auf dem Rettungshubschrauber ist absehbar, was Jäckel bedauert: „Gern hätte ich die letzten acht Jahre bis zur Rente bei Christoph 7 verbracht.“ Für ihn will das DRK jüngere Kollegen nachrücken lassen.

Seit Jäckels erstem Einsatz 1980 hat sich bei Christoph 7 viel verändert. Heute werde Patienten meist eine Narkose vor dem Transport gegeben, früher nur Schmerzmittel.

Ganz zum Schluss beichtet Klaus-Dieter Jäckel, dass er unter Flugangst leidet. Zumindest setze er sich nicht freiwillig in einen Urlaubsflieger. „In eine Achterbahn gehe ich auch nicht“, sagt er. „Das ist die Hölle für mich.“ Bei Christoph 7 habe er sich aber immer sicher gefühlt. Deswegen sei er vor allem den Piloten und Mechanikern der Fliegerstaffel für die Sicherheit an Bord dankbar.

Von Claas Michaelis und Nina Klawik

Mehr Informationen finden Sie im Regiowiki.

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