Christoph 7: Anwohner klagen gegen Genehmigung für Landeplatz auf Rot-Kreuz-Krankenhaus

Kassel. Der Konflikt um den Landeplatz auf dem Rot-Kreuz-Krankenhaus für den Rettungshubschrauber Christoph 7 wird schärfer. Anwohner bezweifeln, dass der Platz überhaupt noch betrieben werden darf.

Als zuständige Aufsichtsbehörde weist das Regierungspräsidium (RP) Kassel diese Kritik zurück. Christoph 7 starte und lande dort nicht im rechtsfreien Raum.

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Bislang wird der Landeplatz im Kasseler Stadtteil Wehlheiden mit einer Genehmigung des RP betrieben, die aus dem Jahr 1975 stammt. Den inzwischen geltenden Vorschriften im Luftfahrtrecht entspricht diese nicht mehr, weshalb sie 2009 überarbeitet wurde. Doch die neue Genehmigung sei „noch nicht bestandskräftig“, sagt RP-Sprecher Michael Conrad. Damit sie in Kraft treten kann, müsste bei einer Abnahme festgestellt werden, dass der Landeplatz den neuen Anforderungen entspricht.

Anforderungen nicht erfüllt

Derzeit sei dies nicht der Fall, sagte Conrad. Deswegen sei ja auch geplant, den Landeplatz ab Ende März umzubauen. Bis zum Ende der Arbeiten soll Christoph 7 von der Fliegerstaffel Fuldatal aus zu seinen Einsätzen starten.

Es gibt aber noch einen weiteren Grund, warum die neue Genehmigung noch nicht in Kraft ist. Zwei Anwohner haben vor dem Verwaltungsgericht geklagt. Aus Furcht vor Nachstellungen möchten sie ihre Namen nicht öffentlich nennen. Sie seien bereits angefeindet worden, berichtet ihr juristischer Beistand, der ebenso anonym bleiben will.

Ihre Kritik: Es habe kein anständiges Verfahren für die neue Genehmigung gegeben. Anwohner seien nicht beteiligt worden, es fehlten Gutachten zu Lärm- und Emissionsschutz. Zudem sei die Stadt Kassel nicht beteiligt worden. Ganz richtig ist das nicht. Seit Juli 2010 liegt im Rathaus ein Bauantrag vor. Wegen eines fehlenden Brandschutzgutachtens wurde darüber aber noch nicht entschieden. Das Verfahren laufe, „da Detailfragen noch nicht abschließend geklärt sind“, sagte Stadtsprecherin Petra Bohnenkamp. Mit Hinweis auf das laufende Verfahren äußerte sich das RP dazu nicht.

Überraschend kommt all das nicht. Die neuen luftfahrtrechtlichen Vorschriften sind seit Jahren bekannt. Im Mai 2006 hatte das Rot-Kreuz-Krankenhaus beim RP beantragt, die Frist für die Anpassung des Landeplatzes bis Ende 2007 zu verlängern.

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Dennoch hat sich das Verfahren hingezogen, ursprünglich sollte der 1,7 Millionen Euro teure Umbau des Landesplatzes längst begonnen haben. RP-Sprecher Conrad wirbt um Verständnis: „Die Begutachtung des Sanierungsbedarfs, die Sicherung der Finanzierung, die zu großen Teilen von den Krankenkassen getragen wird, die Ausschreibungen für diese sehr speziellen Aufträge – all das nimmt viel Zeit in Anspruch.“ Und in dieser Zeit müsse die Luftrettung weiter reibungslos funktionieren. Es seien strenge Bedingungen für den Betrieb festgelegt worden. Vor diesem Hintergrund sei es zu verantworten, den Landeplatz bis Ende März weiter zu betreiben, sagte Conrad. „Auf dem DRK-Krankenhaus landen nur Profis der Bundespolizei, die mit diesem Dachlandeplatz bestens vertraut sind.“

Von Claas Michaelis

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