600 Menschen demonstrierten gegen die Diskriminierung von sexuellen Minderheiten

Christopher Street Day: Bunte Parade für mehr Toleranz

Kassel. Etwa 600 Menschen zogen am Samstag bei der Parade zum Christopher Street Day (CSD) durch die Kasseler Innenstadt. Zum 14. Mal hatte der CSD-Verein Kassel die Veranstaltung organisiert.

Ziel dieser Veranstaltung ist es jedes Jahr weltweit, die Öffentlichkeit über die Lebensbedingungen von gesellschaftlichen Minderheiten aufzuklären, insbesondere die homo- und bisexueller sowie transgender Menschen.

Svenja Larissa Kopp von der Selbsthilfegruppe Transident Nordhessen hat sich vor einem halben Jahr vom Mann zur Frau operieren lassen. "Wir wollen zeigen, dass wir ganz normale Menschen sind", sagt die 36-Jährige aus Kassel. Die Öffentlichkeit wisse zu wenig über transsexuelle Menschen. Viele Menschen, die im "falschen Körper" geboren worden seien, trauten sich nicht, ihre wahre Identität auch öffentlich zu leben. "Die Geschlechtsumwandlung war wie eine Befreiung für mich", sagt sie.

Gut drauf: Victor (von links), Alexis und Knut von GuyJet.eu. Foto: Fischer

Um 12 Uhr startete der Zug am Kulturbahnhof. Die Route führte über den Ständeplatz, die Fußgängerzone, Kurt-Schumacher-Straße, Steinweg, ein zweites Mal durch die Fußgängerzone und über die Werner-Hilpert-Straße zurück zum Kulturbahnhof.

Zahlreiche Passanten sahen der bunten Parade mit Techno-Musik und Schlagern vom Straßenrand aus zu, darunter Christian Martin aus Guxhagen. "Toleranz ist ein wichtiges Thema, die Welt ist nun einmal unheimlich bunt und vielfältig und das ist eine Bereicherung", sagte der 25-Jährige. Deshalb seien Veranstaltungen wie der CSD wichtig, um immer wieder darauf aufmerksam zu machen.

Für die CSD-Teilnehmer Heinz Gerdun (43) und Rico Teich (40) aus Bautzen ist es wichtig, vor allem für Rechte von homosexuellen Menschen zu demonstrieren. Die beiden sind seit zweieinhalb Jahren ein Paar.

"Homosexuelle sind immer noch Diskriminierung und Beschimpfungen im täglichen Leben ausgesetzt", sagt Gerdun. Diskriminierung hat Detlef Goerke aus Kassel bisher noch nicht erfahren. Der 46-Jährige hatte sich bereits während seines Wehrdienstes als schwul geoutet. "Es ist wichtig, mit Veranstaltungen wie diesen immer wieder ein Zeichen für mehr Toleranz zu setzen", sagt er.

Das wollen auch Schwester Daphne und Schwester Suzette vom Verein "Orden der Schwestern der Perpetuellen Indulgenz" aus Berlin. Schrill kostümiert haben sie bereits zum siebten Mal am Kasseler CSD teilgenommen. Gerade in mittelgroßen Städten wie Kassel bestehe noch viel Unterstützungsbedarf für Minderheiten wie Homosexuelle.

Stammgast beim Kasseler Christopher Street Day: Tatjana Taft aus Wolfsburg. Foto: Fischer

Für Organisator Alexis Ewen vom CSD-Verein Kassel war die Veranstaltung ein voller Erfolg. "Die Zahl der Teilnehmer wächst in jedem Jahr", sagte er. Vor allem Homosexuelle hätten immer wieder mit Beschimpfungen und Diskriminierung zu kämpfen. "Viele trauen sich nicht, mit ihrer Homosexualität an die Öffentlichkeit zugehen", sagt er. Der Christopher Street Day biete diesen Menschen eine Plattform. Ewen: "Unser Ziel ist es, den CSD in Kassel noch größer zu machen."

An dem Zug durch die Innenstadt beteiligten sich auch Kasseler Vereine, Parteien und Mitglieder der Deutschen AIDS-Hilfe (Artikel unten). Nach dem Umzug fand am Kulturbahnhof ein Bühnenprogramm statt. Am Abend klang die Veranstaltung" mit einer Party im Gleis 1 aus.

Bilder der Veranstaltung

Christopher Street Day 2014 in Kassel

Von Mirko Konrad

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