Kritik an Ausgrenzung

Christopher Street Day in Kassel: Homosexuelle protestierten gegen Anfeindungen

Kassel. „Homophobia“ war ein Schlüsselwort auf den Plakaten des Demonstrationszugs, der am Wochenende zum Christopher-Street-Day durch die Kasseler Innenstadt zog. Das Wort bedeutet sinngemäß Abneigung, Angst und Anfeindung.

Kassels Homosexuelle buchstabieren das Wort momentan in kyrillischer Schrift. Ihr Protest richtete sich während der Parade am Samstag gegen die von Russlands Präsident Putin initiierte Ausgrenzung von Homosexuellen und ihre Stigmatisierung als Andersartige im Alltag.

Die zunehmende Diskriminierung in Russland, die unter Kasseler Schwulen und Lesben bereits die Forderung nach einer Aussetzung der Kasseler Städtepartnerschaft mit der russischen Stadt Jaroslawl laut werden ließ, mobilisierte viele mit gleichgeschlechtlicher Neigung und deren Sympathisanten, in der Parade mitzulaufen. Schätzungsweise mehr als 500 Teilnehmer reihten sich kostümiert und zum Teil grell geschminkt in den etwa 200 Meter langen Zug durch die Kasseler Innenstadt ein.

Protest gegen Diskriminierung: „Stoppt die Feindseligkeit gegen Schwule“ steht in kyrillischer Schrift auf dem Plakat, das Demonstranten auf der Königsstraße präsentierten, eine Anspielung auf die Drangsalierung von Homosexuellen in Russland.

Verstärkt wurde die Parade vom Verein Dynamo Windrad und von Politikern verschiedener Parteien, darunter der SPD-Landtagskandidat Timon Gremmels und die Grünen-Kandidatin Karin Müller. Auch Linke, Piraten und Liberale bekundeten ihre Solidarität mit den Schwulen. Das verstärkte Engagement der Politiker dürfte auch durch den Wahlkampf für die Bundestags- sowie Landtagswahl am 22. September befeuert worden sein.

Diskriminierung begegnen Schwule und Lesben offensiv und mit viel Fantasie. Nicht der Homosexuelle sei krank, sondern die Gesellschaft, die Schwulsein nicht als normal betrachte und Ängste schüre, lautete die Botschaft der während der Parade präsentierten Slogans. Um Diskriminierung zu erfahren, müsse man nicht erst nach Russland fahren, erklärte einer der Demonstrationsteilnehmer. Unter einer Autobahnbrücke am Buga-Gelände würden schwule Paare, die sich dort treffen, regelmäßig vertrieben und sogar mit Bußgeldern belegt, sagte er.

Kassel in Regenbogenfarben: Christopher Street Day

Christopher Street Day: Die Parade in Kassel

Bei der Diskussion um die aktuelle Diskriminierung in Russland dürfe nicht vergessen werden, dass es in Deutschland noch keine 20 Jahre her ist, dass der Paragraf 175, die von den Nazis noch verschärfte Strafvorschrift gegen Homosexualität, endgültig abgeschafft wurde. Erst 1969 hatten deutsche Politiker das Strafgesetzbuch zum ersten Mal reformiert, danach bedurfte es noch mehrerer Anläufe, bis der Paragraf 175 im Jahre 1994 gestrichen wurde. (pdi)

Rubriklistenbild: © Dilling

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