Färberei soll keine Konkurrenz zu privaten Clubs sein

Dieses coole Kulturzentrum könnte die Club-Landschaft in Kassel retten

Paul Hessemer (von links), Yedra Broeckx und Asta-Vorsitzende Sophie Eltzner organisieren dort Veranstaltungen von der Party über Konzerte bis zu Lesungen.
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Paul Hessemer (von links), Yedra Broeckx und Asta-Vorsitzende Sophie Eltzner organisieren dort Veranstaltungen von der Party über Konzerte bis zu Lesungen.

Die neue Färberei an der Uni bietet einen Konzertraum für 450 Besucher, wie er in Kassel lange fehlte. Warum ist das Kulturzentrum für viele Veranstalter trotzdem keine Alternative? 

  • In das Kulturzentrum an der Uni Kassel passen 450 Besucher
  • Die Färberei soll die Kulturstätte der Studierendenschaft sein
  • Veranstalter müssen mit der Studentenvertretung Kooperationen eingehen

In Kassels coolstem neuen Ort für junge Kultur hätte man das Wichtigste beinahe vergessen. Als das studentische Kulturzentrum Färberei im November eröffnet wurde, fehlte der Strom für die Musikanlage. Mittlerweile haben sich die Studenten des Astas provisorisch geholfen, aber die Posse um die mangelhafte Stromversorgung der Bühne symbolisiert für Szene-Kenner das Dilemma der Club-Kultur in Kassel.

Mit dem A.R.M., dem Musiktheater und dem Fiasko haben innerhalb eines Jahres drei etablierte Läden für Live-Musik zugemacht. Die ehemalige Gottschalk-Tuchfabrik in der Nordstadt ist währenddessen für 7,3 Millionen Euro saniert worden. Neben dem Zentrum der studentischen Selbstverwaltung befindet sich dort nun ein Veranstaltungsraum mit einem Fassungsvermögen von 450 Besuchern. Genau so etwas fehlte in der Stadt, wie Konzertveranstalter klagen. Doch die Färberei kann die Lücke, die vor allem durch den Wegfall des MT entstanden ist, nicht so einfach füllen.

Die neue Färberei an der Uni Kassel soll Kulturstätte der Studierendenschaft sein

„Wir sehen uns nicht so sehr als Kasseler Kulturstätte, sondern als Kulturstätte der Studierendenschaft“, sagt Yedra Broeckx vom Asta, der den Raum nicht einfach vermieten kann, wie es jahrelang im alten K19 nebenan üblich war. Veranstalter müssen mit der Studentenvertretung Kooperationen eingehen. Das ist im Überlassungsvertrag zwischen Uni-Leitung und Asta bewusst so geregelt. „Wir wollen nicht in Konkurrenz zu kommerziellen Anbietern treten“, sagt Uni-Sprecher Sebastian Mense.

Für Betreiber anderer Läden ist das gut, für Musik-Fans nicht unbedingt. Bis zu 20 Anfragen von Bands aus der ganzen Welt bekommt die Färberei jeden Tag, wie die Asta-Vorsitzende Sophie Eltzner vorrechnet. Die Allermeisten treten dann aber nicht in Kassel auf, weil dem Asta das finanzielle Risiko zu groß ist.

„Es ist schwierig, in Kassel einen Club mittlerer Größe zu betreiben“, sagt Broeckx, „aber Kassel ist jetzt auch nicht die unattraktivste Stadt.“ Allein in den nächsten neun Tagen finden in der Färberei acht Veranstaltungen statt – von der Ukulala-Tanz-Party für Nigeria an diesem Freitag über Theateraufführungen der studentischen Red Brick Company bis zum Techno-Rave am 14. Februar, bei dem der Erlös an krebskranke Kinder geht.

Studentische Verwalter fühlen sich von der Stadt Kassel benachteiligt

Selbst eine Party ist in der Färberei eben oft mehr als eine Party. Allerdings fühlen sich die studentischen Verwalter von der Stadt benachteiligt. Anders als im alten K19 gebe es am neuen Standort keine pauschale Sperrzeitenverlängerung. So muss bei Partys am Donnerstag um 2 Uhr Schluss sein. „Viele Studenten gehen aber erst um 1 Uhr aus“, klagt Eltzner.

Daran lässt sich laut Stadt jedoch nicht rütteln: „Gastronomietriebe, die nicht im Innenstadtbereich liegen, sind grundsätzlich wochentags um 2 Uhr zu schließen“. Das sei auch im K19 nicht anders gewesen. Wegen des Lärmschutzes für Anwohner sei eine Sperrzeitreduzierung nicht möglich.

Studenten sollten also am besten früher weggehen. Zum Beispiel am 13. Februar, wenn der Fachbereich Politikwissenschaft Kurzfilme zeigt und anschließend einen DJ auflegen lässt. Los geht es schon um 18 Uhr.

Von Matthias Lohr

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