NSU-Terroristen sollen auf seinem Geburtstag gewesen sein

Kaufunger Neonazi Stanley R. hat schon länger enge Kontakte in der Szene

Kassel/Kaufungen. Stanley R. aus Kaufungen soll einer der Köpfe der berüchtigten Neonazi-Organisation Combat 18 sein. Auch im NSU-Prozess fiel sein Name.

Der Kaufunger Stanley R. ist kein Unbekannter in der Neonazi-Szene. Er gilt als äußerst gut vernetzt mit führenden rechtsextremen Akteuren in Deutschland. So zählt ihn auch der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz zu den Anführern der Neonazi-Organisation "Combat 18". Das sagte der Leiter der Behörde, Burkhard Freier, im Juni 2016 vor dem NSU-Untersuchungsausschuss des Düsseldorfer Landtages aus.

R. war Mitbegründer der militanten Nazigruppe „Sturm 18“ in Kassel, die 2015 vom hessischen Innenministerium verboten wurde, und Mitglieder der „Oidoxie Streetfighting Crew“. Die Gruppe vereint Neonazis aus dem Umfeld der radikalen Rechtsrock-Band Oidoxie aus Dortmund. Die Band wirbt in ihren Liedern offen für„Combat 18“

Auch im Prozess um den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) fiel der Name von Stanley R. Die beiden untergetauchten NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos sollen laut Zeugenaussagen kurz vor dem Mord an dem Kasseler Halit Yozgat im Jahr 2006 an einer Geburtstagsfeier R.'s in Kassel teilgenommen haben. Das Bundeskriminalamt (BKA) befragte den Kaufunger dazu im Jahr 2012. Aus den Ermittlungsakten geht hervor, dass er damals abstritt, etwas vom NSU gewusst zu haben.

Auch den örtlichen Behörden ist R. bekannt. Im März dieses Jahres hatte ein Pressesprecher des Polizeipräsidiums Nordhessen auf Anfrage der HNA bestätigt, dass es eindeutige Hinweise auf die rechtsextremistische Gesinnung des 42-Jährigen sowie auf seine Verbindung zu C 18 gebe. Bei einer erneuten Anfrage nun verwies das Präsidium auf das BKA. Gleiches gilt für das Hessische Landeskriminalamt (LKA). Beim BKA wollte man Ermittlungen gegen R. weder bestätigen noch dementieren. Darüber hinaus dürfe man keine personenbezogenen Auskünfte erteilen, hieß es.

Dieser Film ist Teil der Video-Plattform und stammt nicht von hna.de.

Das Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) Hessen antwortete auf den Fragenkatalog unserer Zeitung lediglich, es beobachte „Combat 18“ „mit besonderer Aufmerksamkeit, insbesondere auch vor dem Hintergrund der durchaus gewalttätigen Historie der Gruppierung in deren Anfangszeit in Großbritannien.“ Vergleichbares habe bislang in Hessen aber nicht festgestellt werden können. Zu Einzelpersonen könnten aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Auskünfte erteilt werden.

Laut Recherchen der antifaschistischen Gruppe „Exif“ gibt es eine C-18-Sektion in Nordrhein-Westfalen mit Schwerpunkt in Dortmund, eine Sektion in Ostholstein sowie eine Sektion, die Mitglieder in Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bremen hat. Sie soll von Stanley R. angeführt werden. In dieser Funktion, so die Vermutung, nimmt er die Mitgliedsbeiträge entgegen. Die regelmäßigen Einzahlungen von bekannten Neonazis in Höhe von genau 15 Euro auf sein Konto bei der Kasseler Sparkasse sprechen zumindest dafür.

Das Bankinstitut kann laut Pressesprecherin keine weiteren Angaben zu den Vorgängen machen, legt aber Wert auf folgendes Statement: „Die Kasseler Sparkasse spricht sich entschieden gegen jegliche Form von Extremismus und extremistische Organisationen aus. Als öffentlich-rechtliches Kreditinstitut sind wir auf der Basis geltenden Rechts verpflichtet, Konten zu führen.“ 

Das ist Combat 18

Die rechtsextremistische Gruppe „Combat 18“ (C 18) wird von den Behörden als gewalttätig eingestuft. Die international agierende Organisation wurde 1992 von militanten Rechten in Großbritannien als „bewaffneter Arm“ des rechtsextremen Musik-Netzwerks „Blood & Honour“ gegründet. Das Netzwerk handelt nach dem Konzept des „führerlosen Widerstands“: Gewaltbereite Neonazis schließen sich in kleinen autonomen Zellen zusammen, bewaffnen sich und begehen ohne Befehl „von oben“ Terroranschläge. 

C 18 hat sich bereits zu zahlreichen Attacken bekannt, darunter eine tödliche Anschlagsserie in England im Jahr 1999. Während das Bundesinnenministerium „Blood & Honour“ im Jahr 2000 in Deutschland verboten wurde, blieb der „bewaffnete Arm“ C 18 davon unberührt. Mitgliederzahlen von „Combat 18“ sind nicht bekannt.

Auch in der Region sind Neonazis nicht zu unterschätzen, wie ein Experte sagt.

Rubriklistenbild: © DPA

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