Lebhaftes Geschäft mit Baufinanzierungen – Firmenkunden bleiben vorsichtig

Commerzbank-Geschäft wächst

Leitet das Privatkundengeschäft: Benjamin Waskönig

Kassel. Anlagefreudige Privatanleger, aber zurückhaltende Unternehmer: Die Commerzbank in Kassel hat 2013 ihr Geschäft in Nord- und Osthessen ausgeweitet, aber nicht überall deutlich besser abgeschnitten als 2012.

Das Geldhaus mit 140 Mitarbeitern in der Region betreut 71 100 Privat- und Geschäftskunden – 1700 mehr als 2012. Und wer in einer der acht Filialen zwischen Kassel und Schlüchtern (Main-Kinzig-Kreis) vorsprach, hatte dabei häufig eine Immobilie im Sinn.

Dafür nahmen die Kunden 67,5 Millionen Euro Immobilienkredite bei der Commerzbank auf. Das Neugeschäft machte damit einen Sprung um 44 Prozent. Seit eineinhalb Jahren vermittelt die Commerzbank auch Darlehen anderer Baufinanzierer, von denen sie dafür Provision bekommt. Doch „mehr als 90 Prozent der Interessenten schließen bei der Commerzbank ab“, sagt Benjamin Waskönig, der das Privat- und Geschäftskundengeschäft leitet.

Das klassische Sparbuch, Tages- und Festgeld sind hingegen mehr denn je Ladenhüter. Die Einlagen von Privat- und Geschäftskunden sanken um 14,3 Prozent auf 348 Millionen Euro. Im Gegenzug horteten die Anleger 575 Millionen Euro in Wertpapierdepots, ein Plus von einem Prozent. Mit neuen Depotmodellen, die niedrige Gebühren versprechen, wirbt das Geldhaus um Anleger, die ihre Wertpapierbestände oft neu zusammensetzen. Das Konzept geht auf. Allein das im Oktober eingeführte Premium-Depot mit einer jährlichen Pauschalgebühr lockte bis zum Jahresende 96 Kunden mit 13 Millionen Euro Vermögen. Die neuen Angebote machen Abstriche bei den Anlagegebühren, die zulasten der Commerzbank gehen. Doch sie sind ein Türöffner zu neuen Kunden: „Wer über ein Depot verfügt, hat meist mehrere Konten“, sagt Waskönig.

Die 700 Firmenkunden, die das Geldhaus in der Mittelstandsbank zusammenfasst, trauten hingegen der Wirtschaftsentwicklung nicht recht und gingen deshalb eher vorsichtig mit dem Geld um. Rund 200 Millionen Euro Betriebsmitteldarlehen, eine Art Dispokredit für Unternehmen, hielt die Commerzbank für diese Klientel vor. Doch nur die Hälfte davon wurde in Anspruch genommen, sagt Reiner Iske, der das Mittelstandsgeschäft in Kassel verantwortet. Bei den Investitionskrediten in Höhe von 30 Millionen Euro wuchs die Nachfrage nach öffentlichen Fördermitteln stark. Das Auslandsgeschäft, das Unternehmen bei Exportgeschäften unterstützt, legte hingegen deutlich zu. Detaillierte Zahlen nannte die Bank nicht.

Im laufenden Jahr werde das Geschäft an Schwung gewinnen, schätzen Waskönig und Iske. Das Privatkundengeschäft dürfte im niedrigen zweistelligen Prozentbereich zulegen. Die Nachfrage nach Unternehmenskrediten dürfte deutlich anziehen und um etwa 15 Prozent steigen.

Von Barbara Will

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