Coole Artisten auf heißen Öfen

Die Kuskovs begeistern beim Flic-Flac-Festival

Akrobatik auf dem Motorrad: Die Kuskov-Männer katapultieren mit der Kraft ihrer Beine die jungen Artisten in die Luft, wo sie Salti und Drehungen vollführen. Das beherrschen sie sogar auf fahrenden Motorrädern. Foto: Koch

Kassel. Wenn die Kuskovs die Manege betreten, dann heulen im schwarz-gelben Zirkuszelt von Flic-Flac die Motoren auf. In schwarzen Lederanzügen und auf dicken Maschinen bieten die Artisten aus der Ukraine im Wortsinn eine harte Nummer.

Auf dem Sattel des Motorrads liegend katapultieren die Männer mit der Kraft ihrer Beine ihre Partner zu harter Rockmusik in die Luft, wo diese Salti und andere waghalsige Sprünge vollführen - und das sogar während der Fahrt.

Die brachiale Aufmachung lässt die Zuschauer kaum erahnen, wieviel technisches Können hinter der Darbietung steckt. „Man muss perfekt aufeinander eingestellt sein“, sagt Alexander Kuskov (29), der mit dem 18 Jahre alten Vladislav Koshevoi ein Team bildet. Sein Vater Vladimir hat als Sozius den zwölfjährigen Bogdan Gadarzi. Ein artistischer Partnertausch bräuchte mehrere Wochen Training.

Die Spezialform der Ikarischen Spiele - so heißt die Disziplin im Fachjargon - auf fahrenden Motorrädern hat übrigens Vladimir Kuskov selbst erfunden. „Das ist weltweit nach wie vor einzigartig“, sagt der 57-Jährige, der seit über 40 Jahren Artist ist und viele Jahre beim Moskauer Staatszirkus engagiert war. Auch die Motorräder der ukrainischen Herstellers Dnepr frisieren die Kuskovs selbst für ihre Zwecke: bauen die Spezialsitze ein, montieren Ständer und hübschen die Maschinen nach Rockermanier auf.

Rammstein-Fans 

Eingespieltes Team im Zirkuszelt und privat: Vladimir, Irina und Alexander Kuskov, der 18-jährige Vladislaw Koshevoi und (vorn) der 12-jährige Bogdan Gaidarzi. Foto: Fischer

Auch privat stehen die Artisten auf heiße Öfen und harten Rock. Mutter Irina hört auf dem Weg zu den Proben gern die deutsche Band Rammstein. Und ihr Mann träumt außerhalb der Manege von einer Harley Davidson. Auch der zwölfjährige Bogdan ist im Herzen ein Rocker, sammelt kleine Motorräder und genießt es als Artist schon auf den großen Maschinen fahren zu können. Er und der 18-jährige Vladislaw reisen seit zwei Jahren mit den Kuskovs um die Welt, gehören aber nicht - wie es viele Zuschauer denken - zur Familie. Bei dieser Formulierung protestieren die drei ,echten‘ Kuskovs allerdings sofort: „Für uns fühlt sich das absolut wie Familie an.“ Wenn Irina Kuskov Bogdan durch die Haare strubbelt, sind Herzlichkeit und Fürsorge zu spüren.

Fotos von der Premiere

Festival der Artisten: Premiere im Zirkus Flic Flac

Auf die Frage, ob er seine Eltern vermisse, antwortet der Zwölfjährige zwar mit einem entschiedenen „njet“. Aber ein Video-Telefonat über Skype im Internet muss dann schon jeden Tag sein, erzählt seine Artistenmutter. Auch die Kuskovs verfolgen von ihren Stationen in aller Welt das Geschehen in der Heimat. „Es tut uns weh zu sehen, was in der Ukraine passiert“, sagt der 29-jährige Alexander. „Russen und Ukrainer sind doch Brüder - aber die Menschen werden bei den politischen Machtspielen nicht gefragt.“ Das beste Beispiel für ein friedliches Zusammenleben liefert der Zirkus selbst: Bei Flic-Flac gestalten Artisten aus zehn Nationen die gemeinsame Show.

Von Katja Rudolph

Das Festival der Artisten läuft noch bis 11. Januar. Tickets unter Tel. 0561/203-204, www.HNA-Kartenservice.de

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