Finanzielle Loch wegen Corona zu groß

Wegen Corona in die Insolvenz: Automobil-Zulieferer aus Kassel ist pleite - „Es fehlen Millionen“

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Wegen Corona Insolvenz angemeldet: Die Finoba Automotive GmbH aus Baunatal im Landkreis Kassel ist pleite. Als Hauptgrund nennt der Automobil-Zulieferer die Corona-Krise.

Wegen Corona in der Insolvenz: Der Automobil-Zulieferer Finoba aus Baunatal im Landkreis Kassel ist pleite. Das Unternehmen sucht neue Investoren.

  • Automobil-Zulieferer Finoba aus Baunatal (Landkreis Kassel) ist insolvent
  • Geschäftsführer macht Corona*-Krise für Insolvenz verantwortlich
  • Gespräche mit neuen Investoren laufen bereits

Baunatal Kassel - Der Automobil-Zulieferer Finoba aus Baunatal (Landkreis Kassel) ist insolvent. Das Unternehmen hat nach Angaben des technischen Geschäftsführers Martin Köchy am Freitag (15.05.2020) einen entsprechenden Insolvenz-Antrag gestellt. Verantwortlich zeichnet er vor allem die Corona-Krise sowie ein schwieriges Marktumfeld. Finoba sucht nun nach einem Investor. Es gebe bereits intensive Gespräche.

Kassel: Insolvenz wegen Corona - Fast 500 Mitarbeiter bei Finoba betroffen

Als vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte das Amtsgericht K assel Dr. Franz-Ludwig Danko von der Kanzlei Danko Insolvenzverwaltung. Er betonte, der Geschäftsbetrieb gehe auch im vorläufigen Insolvenzverfahren weiter. Die Löhne und Gehälter der aktuell 468 Mitarbeiter, darunter gut 20 Auszubildende, seien zunächst über das Insolvenzgeld gesichert.

Martin Köchy, Technischer Geschäftsführer der Finoba Automotive GmbH in Baunatal.

Kassel: Insolvenz wegen Corona -  Finanzielles Loch bei Finoba zu groß

Das 1996 gegründete Unternehmen war 2017 an den chinesischen Staatskonzern Sinomach verkauft worden. Im selben Jahr hatte es 20 Millionen Euro in eine neue Fertigungslinie an seinem Kasseler Standort im Werk Mittelfeld investiert. Im Juni vergangenen Jahres verließ Gründer Guido Barde die Firma auf eigenen Wunsch. Köchy übernahm gemeinsam mit dem Chinesen Nannan Liu die Geschäftsführung, dem kürzlich Hongwei Xia als kaufmännischer Geschäftsführer folgte. Damals baute Finoba bereits 100 Stellen von Zeitarbeitern ab.

Die neue Doppelspitze habe umstrukturiert, in Millionenhöhe Kosten eingespart, den Vertrieb gestärkt sowie neue Kunden und Aufträge gewonnen. Doch dann kam die Corona-Pandemie und das finanzielle Loch bei Finoba (Landkreis Kassel) wurde zu groß. „Es fehlen etwa zwei bis drei Millionen Euro“, so Köchy.

Kassel: Insolvenz wegen Corona - Mutterkonzern will Finoba nicht helfen

Es habe „lange und höchst seriöse Gespräche“ mit der chinesischen Mutter über eine Finanzspritze gegeben. Wegen der Corona-Krise und der schwierigen Marktsituation im Automobilbereich habe Sinomach jedoch abgelehnt. Köchy betont dabei, dass der Staatskonzern stets ein großer Unterstützer und Investor gewesen sei und auch noch beim jüngsten Markteinbruch von Finoba (Landkreis Kassel) vor Corona geholfen habe.

Das Marktumfeld in der Automotive-Branche sei schwierig und anspruchsvoll, so der Geschäftsführer. Finoba befinde sich in einem extrem harten Preiskampf mit Wettbewerbern etwa aus Polen und Tschechien, den es oftmals nicht gewinnen könne. Bereits im Januar und Februar habe die Firma Verluste gemacht, aber geplante Verluste. „Corona hat uns dann den Gnadenstoß gegeben.“

Kassel: Insolvenz wegen Corona - IG Metall Nordhessen unterstützt Finoba 

Andreas Köppe, IG Metall Nordhessen.

Die Geschäftsführung habe zunächst das Ziel, die Kunden weiter zu versorgen und vor allem die Belegschaft weiter zu bezahlen. „Das konnten wir nicht mehr. Deshalb haben wir jetzt die Insolvenz beantragt.“ Köchy betont, dass dieser Schritt nicht das Ende bedeute. „Wir suchen einen Käufer, sind schon in Gesprächen.“ 

Unterstützung erfährt das Unternehmen aus Baunatal (Landkreis Kassel) dabei von der IG Metall Nordhessen. „Wir werden mit aller Kraft daran arbeiten, dass das Unternehmen, wenn es verkauft wird, als Ganzes mit den Beschäftigten erhalten bleibt“, kündigte Gewerkschaftssekretär Andreas Köppe an.

Kassel: Insolvenz wegen Corona - Starker Zusammenhalt bei Finoba

Die 486 Finoba-Mitarbeiter sind der Betriebsratsvorsitzenden Heike Günther zufolge wegen der Insolvenz verängstigt und verunsichert. Die Belegschaft habe aber gespiegelt, weiterzumachen wie bisher. Der Zusammenhalt im Unternehmen sei sehr stark.

Heike Günther, Betriebsratsvorsitzende Finoba Automotive GmbH.

„Wir haben eine tolle Truppe, die mit viel Herzblut dabei ist und nach vorne schaut“, bestätigt Köchy. Er hofft, dass sich bald ein Investor für Finoba aus Baunatal (Landkreis Kassel) findet. Köchy sieht in einer Kooperation die Gelegenheit, den schwierigen Markt auch im Hinblick auf Corona zu bereinigen. „Dann haben wir wieder eine Chance auf stabile Preise. Sonst spielt der Markt weiter Ping-Pong mit uns.“

Von Nicole Schippers

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