Studie der Uni Kassel steuert dagegen an

Corona bremst ÖPNV in der Region aus

Eine Tram fährt in die Haltestelle Königsplatz ein.
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Bei vielen fährt die Sorge vor Ansteckung mit: Die Nachfrage nach Bus und Bahn ist in der Pandemie stark zurückgegangen.

Busse und Bahnen sind seit Beginn der Coronakrise deutlich schwächer ausgelastet als üblich. Die Uni Kassel will den Öffentlichen Nahverkehr nun fit für die Pandemie machen.

Kassel – Die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs ist seit Beginn der Corona-Pandemie eingebrochen. Nach Angaben des Nordhessischen Verkehrsverbunds (NVV) und der KVG in Kassel ist das Fahrgastaufkommen im vergangenen Jahr um mehr als 40 Prozent gesunken. 2019 waren 80 Millionen Menschen im NVV unterwegs, mehr als die Hälfte davon mit der KVG. Den Tiefpunkt der Nachfrage nach Bus und Bahn gab es zu Beginn der Pandemie im vergangenen Frühjahr mit lediglich 20 Prozent.

Forscher der Universität Kassel wollen nun dazu beitragen, den ÖPNV pandemiegerecht aufzustellen. In einem Projekt unter der Leitung des Verkehrswissenschaftlers Prof. Dr. Carsten Sommer werden dazu Simulationen der Ausbreitung von Aerosolen in Trams und Bussen erstellt. So wollen die Forscher das Risiko für eine Infektion abschätzen und daraus Schlüsse ziehen, wie die Fahrzeuge gestaltet sein müssen, um die Ansteckungsgefahr zu reduzieren. Dabei prüfen sie unter anderem, ob eine Staffelung der Schulanfangszeiten, die zu weniger Gedränge in Bus und Bahn führen könnte, hilfreich wäre.

Bisherige Studien deuteten zwar darauf hin, dass der ÖPNV „keine Virenschleuder“ sei, sagt Sommer. Dennoch hätten viele Menschen diffuse Ängste. In dem Projekt, das mit 1,3 Millionen Euro vom Bund gefördert wird, wollen die Kasseler konkrete Empfehlungen erarbeiten, wie Gesundheitsrisiken minimiert und das Vertrauen in den ÖPNV zurückgewonnen werden kann. Das sei auch wichtig für die Verkehrswende und den Klimaschutz, betont Projektleiter Sommer.

In der Pandemie haben alle Unternehmen des NVV die Reinigungsintervalle erhöht, teilweise werden dabei spezielle Desinfektionsgeräte eingesetzt. Darüber hinaus werden in Bussen und Bahnen an den Haltestellen alle Türen möglichst lange geöffnet und mit den Klimaanlagen für einen hohen Luftaustausch gesorgt. In den Bussen wurden Fahrertrennscheiben eingebaut, in den Trams gibt es Fahrerkabinen. In Stoßzeiten mit vielen Schülern setzt der NVV zusätzliche Busse ein

Für die Studie haben Sommer und sein Team 3000 zufällig ausgewählte Kasseler gebeten, an einer Befragung zu ihrer Mobilität und ihrer Wahrnehmung des ÖPNV in der Coronazeit teilzunehmen.

Auch die Folgen der Pandemie für die Finanzierung des ÖPNV wollen die Wissenschaftler untersuchen und Vorschläge machen, wie verhindert werden kann, dass Erlöse einbrechen. Nach Angaben des NVV gab es im vergangenen Jahr Verluste in Höhe von 16 Millionen Euro, die durch Bund und Länder ausgeglichen werden. (Katja Rudolph)

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