Eine Zwischen-Bilanz

Ein halbes Jahr mit Corona: So kam Kassel durch die Pandemie - Folgen dramatisch

Foto von Kassels Rathaus
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Bilanz nach einem halben Jahr Corona: Die Region Kassel ist relativ gut durch die Pandemie gekommen - doch es gibt auch teils dramatische Auswirkungen.

Ein halbes Jahr nach dem Corona-Lockdown zeigt sich: Kassel und Nordhessen sind viel besser durch die Pandemie gekommen als andere Regionen. Trotzdem sind die Folgen auch hier dramatisch.

Kassel – Kassel und Nordhessen sind bislang besser durch die Coronakrise gekommen als viele andere Regionen. Ein halbes Jahr nach Beginn des Lockdowns sagt Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD): „Es zeigt sich, dass wir richtig gehandelt haben.“

So ist die Sieben-Tage-Inzidenz, mit der Regionen verglichen werden können, mit 6,9 in Kassel derzeit die niedrigste aller hessischen Großstädte. Auch die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie sind in Kassel weniger schlimm als anderswo, auch wenn die Auswirkungen für viele dramatisch sind.

Bis heute hat das Kasseler Gesundheitsamt mehr als 1000 Infektionen in Stadt und Kreis registriert. Damit sind lediglich 0,2 Prozent aller 442 000 Menschen betroffen, die hier leben – die Dunkelziffer nicht eingerechnet. 42 Menschen starben mit Corona.

Enorm sind die wirtschaftlichen Auswirkungen. Im August lag die Arbeitslosenquote im Agenturbezirk um 27,5 Prozent über dem Vorjahreswert. Dass es in der Region nicht noch mehr als die derzeit 19 252 Arbeitslosen gibt, liegt am Kurzarbeitergeld, das viele Firmen beantragt haben, statt Stellen abzubauen. Den Höchststand gab es im April, als 42.200 Menschen in Kurzarbeit waren.

Auswirkungen der Corona-Pandemie: Die Wirtschaft in Kassel hat gelitten

Fast alle Wirtschaftsbranchen klagen über „die gravierendsten Umsatzeinbußen seit dem Zweiten Weltkrieg“, wie es Julius Wagner formuliert, hessischer Geschäftsführer des Hotel- und Gastronomieverbands Dehoga. Für Nordhessen sieht er dennoch etwas Gutes. Während das Umsatzminus bei Hotels in Darmstadt 55 Prozent und in Frankfurt gar 67 Prozent beträgt, sind es in Kassel nur 20.

Eine Pleitewelle hat es seiner Ansicht nach nur deshalb nicht gegeben, weil die Pflicht zum Insolvenzantrag ausgesetzt ist. Dennoch gibt es etwa im Einzelhandel nicht nur Verlierer. Während Textil- und Schuhhandel laut Martin Schüller vom Einzelhandelsverband Nordhessen die Sorgenkinder sind, gibt es bei Lebensmitteln, Bau- und Gartenmärkten, Rad- und Sportläden eine riesige Nachfrage. Zudem lobt er neben den Unterstützungen von Bund und Land das Hilfsprogramm „Kopf hoch, Kassel!“ der Stadt: „So etwas gibt es sonst nirgends.“

Die größten Verlierer der Krise sind für viele die Schüler, die monatelang nur zuhause unterrichtet wurden. Der Kasseler Schulamtsleiterin Annette Knieling ist durch die Pandemie bewusst geworden, „dass wir neben der Technik vor allem Angebote zur Förderung der Lehrkräfte zur Verfügung stellen müssen“. Wenngleich es seit den Sommerferien noch keine coronabedingten Schulschließungen gab, ist für sie klar: „Eine Rückkehr zum echten Normalbetrieb ist nicht in Sicht.“

Corona-Pandemie in der Region Kassel: Die Entwicklung

Die ersten Infektionen mit Sars-CoV-2 traten Anfang März in der Region auf, bis heute liegen weit über 1000 bestätigte Infektionen vor. Der Höchststand wurde Ende April erreicht, als über 270 Menschen in Stadt und Landkreis als infiziert galten und mehr als 50 an Covid-19 Erkrankte in Kliniken behandelt werden mussten, teils auch auf Intensivstationen.

Seither hat sich die Situation entspannt, bleibt aber wechselhaft. Im August zum Beispiel hatte die Stadt Kassel kurzzeitig den ersten vom Land Hessen festgelegten Schwellenwert von 20 Neuinfektionen in einer Woche pro 100.000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) überschritten. Wenig später bereits konnte Kassel mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 5,0 den niedrigsten Wert aller hessischen Großstädte vorweisen.

Zahl der Corona-Infizierten in Kassel - Dunkelziffer bleibt offen

Die Infiziertenzahlen steigen und fallen, und sie bedürfen der Einordnung. Über 1000 Menschen in Stadt und Landkreis waren oder sind mit dem Coronavirus infiziert. Diese zunächst hoch erscheinende Zahl relativiert sich, wenn man sie mit den Einwohnerzahlen von Stadt Kassel (205.000) und Landkreis Kassel (237.000) ins Verhältnis setzt. Dann machen 1000 Corona-Fälle gerade einmal 0,2 Prozent aller rund 442.000 Bewohner der Region aus. Offen bleibt allerdings die Dunkelziffer.

Der Anteil schwerkranker Covid-19-Patienten, die in Kliniken oder auf Intensivstationen behandelt werden müssen, ist im Laufe der Pandemie zurückgegangen. Ende April lag der Anteil der in Kliniken behandelten Kranken aller Infizierten bei über 20 Prozent. Dass es heute weniger sind, liegt nach Ansicht von Experten auch daran, dass sich der Anteil der jüngeren Corona-Infizierten und Covid-19-Erkrankten erhöht hat. Kontinuierlich steigt die Zahl der Genesenen, Anfang September kletterte sie über die 1000er-Marke.

Seit Ende Juli gab es in der Region keinen Todesfall mehr im Zusammenhang mit Corona, am 11. September war dann aber doch wieder einer im Kreis zu beklagen. Die Zahl der Corona-Toten stieg damit auf insgesamt 42.

Die Infektionszahlen in Stadt und Landkreis haben sich kurze Zeit bereits im einstelligen Bereich bewegt. Doch das Auf und Ab der Fallzahlen belegt das Risiko. Reiserückkehrer haben zuletzt die Infektionszahlen wieder steigen lassen. Schüler, Lehrer und Kitakinder mussten deshalb in Quarantäne. Herausforderung wird sein, den Ernst der Lage nicht aus den Augen zu verlieren und weiter die Regeln (Abstand, Hygiene, Maske) zu beachten. (Matthias Lohr und Andreas Hermann)

Alle aktuellen Neuigkeiten zu Corona in Stadt und Landkreis Kassel, gibt es in unserem News-Ticker.

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