20.000 Teilnehmer

Corona-Demo in Kassel: Wird die Kundgebung zum Superspreader-Event?

Kassel: Corona-Demonstranten versammeln sich auf dem Friedrichsplatz.
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Kassel: Corona-Demonstranten versammeln sich auf dem Friedrichsplatz.

Kritiker der Corona-Maßnahmen haben am Samstag (20.03.2021) in Kassel demonstriert. Wird die Demo zu einem Superspreader-Event mit Tausenden Infektionen?

Kassel - Bei der Corona-Demo in Kassel haben laut Angaben der Polizei am Samstag etwa 20.000 Teilnehmern im Stadtgebiet demonstriert, etwa 15.000 von ihnen im Bereich der Innenstadt - oft dicht gedrängt und ohne Corona-Masken. Die Massenansammlung von Menschen in Kassel könnte zu einem riesigen Superspreader-Event mit Tausenden Corona-Infektionen werden.

Einer Studie zufolge haben Kundgebungen gegen die Corona-Beschränkungen im vergangenen Herbst eine rasante Ausbreitungen der neuartigen Erreger ermöglicht. Ein Verzicht auf die Demos hätte Tausende Infektionen verhindern können, lautet das Ergebnis der Forscher.

Corona-Demo in Kassel: Wird die Veranstaltung zum Superspreader-Event?

Zu diesem Schluss kommen Forscher des Wirtschaftsintituts ZEW in Mannheim und der Humboldt-Universität Bonn. In ihrer Studie wurden die Auswirkungen zweier „Querdenken“-Kundgebungen am 7. November in Leipzig sowie am 18. November in Berlin analysiert.

Die Untersuchung stützt sich dabei auf das Corona-Infektionsgeschehen in den Landkreisen, in denen Busunternehmen Fahrten zu den Demos angeboten hatten. Laut den Wissenschaftlern stieg die 7-Tage-Inzidenz - also die Zahl der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche - dort deutlich stärker als in Kreisen, in denen die Busunternehmen keine Reisen anboten.

BezeichnungCoronavirus
KrankheitCovid-19
KrankheitserregerSars-CoV-2
Erster bekannter Fall01.12.2019
Erklärung zur Pandemie11.03.2020

Kassel: Tausende Corona-Infektionen mehr durch Demos

Der Studie zufolge hätten zwischen 16.000 und 21.000 Corona-Infektionen verhindert werden können, wenn keine Demos stattgefunden hätten. „Eine mobile Minderheit, die sich nicht an geltende Hygieneregeln hält, kann so ein erhebliches Risiko für andere Personen darstellen“, erklärte ZEW-Wissenschaftler und Studienverfasser Martin Lange. Ein ähnliches Superspreader-Event könnte Kassel durch die geplante Corona-Demo am Samstag drohen.

Mit der Corona-Studie hatten Forscher erstmals Konflikte zwischen den Einschränkungen von Freiheitsrechten und den allgemeinen Maßnahmen zum Infektionsschutz untersucht - mit dem Ergebnis: Das individuelle Verhalten könne große Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit haben, konstatierten die Verfasser.

Corona-Demo in Kassel: Superspreader-Events treiben Infektionszahlen in die Höhe

Bei sogenannten Superspreading-Events - also „Superverteilungsereignissen“ - steckt ein Infizierter mehrere Menschen mit dem Coronavirus an, indem er in einer sozialen Situation besonders viele infektiöse Tröpfchen verteilt. Das ist gerade bei Sars-Cov-2 möglich, da Infizierte schon vor dem ersten Auftreten von Symptomen andere anstecken und die neuartigen Viren verteilen können. Zu bekannten Superspreading-Events gehören die Après-Ski-Partys in Ischgl und der Karneval in Heinsberg - aber im Laufe des vergangenen Jahres auch Hochzeiten und Gottesdienste.

Nicht nur Superspreader-Events treiben die Infektionszahlen in die Höhe. An einigen Orten ist das Corona-Infektionsrisiko besonders hoch. (Jan Wendt) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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