Für viele Läden wird es eng

Corona-Folgen wirken sich ab Herbst im Kasseler Handel stärker aus

Die Kasseler Innenstadt
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Für viele Läden in der Kasseler Innenstadt könnte es infolge der Corona-Pandemie eng werden.

Die Folgen der Coronakrise sind für die Kasseler Einzelhändler massiv. Die Zahl der Geschäfte in der Innenstadt könnte Experten zufolge weiter sinken.

Kassel - Wenn alle Corona-Folgen verdaut sind, könnte die Geschäftswelt in Kassels Innenstadt etwas anders aussehen als bisher gewohnt. Der Einzelhandelsverband Hessen-Nord rechnet damit, dass manche Läden die wirtschaftlichen Folgen nicht überleben werden. Und die Kreditwirtschaft stellt sich darauf ein, dass diese Schwierigkeiten Ende des Jahres vermehrt sichtbar werden.

Besonders leidet zurzeit, wer mit Mode, Schuhen, Lederwaren und Ähnlichem handelt. Reiseverzicht, abgesagte Feste und der Trend zum Homeoffice dämpfen die Kauflaune und führen in diesen Bereichen zu Umsatzrückgängen um die 20 Prozent. „Alle sehen zu, wie sie dieses Jahr überleben“, sagt Geschäftsführer Martin Schüller vom Einzelhandelsverband.

Flucht unter den Schutzschirm

Dabei sind Filialketten und inhabergeführte Läden unterschiedlich betroffen. Viele Filialisten, die auch in Kassel aktiv sind, haben sich vor einer drohenden Insolvenz in ein Schutzschirmverfahren geflüchtet – etwa Esprit, Tom Tailor, Hallhuber sowie Kaufhof und Sinn. „Die Liste wird noch länger werden; einige könnten ganz verschwinden, andere ihr Filialnetz ausdünnen“, sagt Schüller.

Inhaber aus Kassel haben sich in der Regel auf andere Weise erstmal Luft verschafft – mit Soforthilfen, dem Abbau von 450-Euro-Kräften, verkürzten Öffnungszeiten oder Vereinbarungen zur Stundung von Ladenmieten.

Sparkasse hilft mit Krediten

Die Kasseler Sparkasse habe rund 500 Unternehmen mit einer Aussetzung von Kredit-Tilgungsraten geholfen, sagt Firmenkundendirektor Marc Finke. Zudem habe das Institut an die 60 Millionen Euro an Corona-Hilfskrediten ausgegeben. Nach anfangs sehr hohem Beratungsbedarf gebe es solche Kreditanfragen seit ein paar Wochen „nur noch in Einzelfällen“, berichtet Finke. Geschäftskunden würden offenbar gut überlegen, „ob sie sich jetzt rückzahlbare Kredite leisten wollen oder lieber ihre Reserven angreifen“. Die Sparkasse stelle andererseits aber auch nicht fest, dass Dispo-Überziehungen im Geschäftskundenbereich deutlich ansteigen würden.

Im vierten Quartal dieses Jahres könnte sich eine andere Lage ergeben. Ab Oktober greift für klamme Unternehmen wieder voll die Insolvenzantragspflicht, die wegen Corona derzeit ausgesetzt ist. Und parallel kommen auf viele Einzelhändler höhere Kosten zu: Hatten sie in der Lockdown-Phase nämlich Mietstundungen oder Kreditraten-Aussetzungen verhandelt, war dies im Regelfall für sechs Monate vereinbart. (Axel Schwarz)

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