Corona-Pandemie

Impfungen im Impfpass nachtragen: Menschen bilden lange Schlange vor dem Auestadion

Vor dem Auestadion hat sich an der Eissporthalle vorbei eine lange Schlange gebildet. Geimpfte wollen ihre Impfungen in den Impfpass nachtragen lassen.
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Lange Schlange: Vor dem Auestadion müssen Geimpfte geduldig warten.

Vor dem Auestadion gab es die Möglichkeit, sich die Corona-Impfungen in den Impfpass nachtragen zu lassen. Wir haben uns umgesehen.

Kassel - Es ist lange her, dass sich vor dem Auestadion solche Schlangen gebildet haben. Um Fußball geht es den zahlreichen Menschen dieses Mal nicht – das ist ja wegen der Pandemie ohnehin nicht erlaubt. Nein. Wer sich am späten Montagnachmittag vor den Kassenhäuschen einfindet, der will seine beiden Corona-Impfungen in den gelben Pass eintragen lassen.

Bis Ende April gab es im Impfzentrum Kassel nur einen Din-A4-Zettel als Nachweis. Seit dieser Woche kann in Kassel die Impfung im Impfpass nachgetragen werden. Um zwei Stempel plus Aufkleber zu bekommen, ist aber viel Geduld gefordert.

Denn bereits um halb fünf reihen sich die Geimpften an der Eissporthalle vorbei bis weit hinter den Eingang des Impfzentrums. Ein Mann, der von der Frankfurter Straße aus auf die Kassenhäuschen zusteuert und dann das Ausmaß der Ansammlung wahrnimmt, sagt nur: „Ich geh wieder nach Hause. Hier ist mir zu viel los.“ Ein anderer Herr versucht, sich in die Schlange einzureihen, wird aber von einem Mitarbeiter der Sicherheitsfirma Protex höflich aufgefordert, sich bitte hinten anzustellen.

Großer Andrang vor dem Kasseler Auestadion: Schlange endete erst kurz vor „Eppos Clubhaus“

Hinten – das ist inzwischen kurz vor „Eppos Clubhaus“. Es werden immer mehr. Kurt Kieber und seiner Frau Bärbel macht der Andrang nichts aus. Keiner Wunder, das Paar vom Brasselsberg hat nur noch wenige Wartende vor sich. Seit 16.15 Uhr stehen die beiden vor dem Stadion, drei Kassenhäuschen sind geöffnet. Geparkt haben die Kiebers in der Nähe des ehemaligen Kinderkrankenhauses Park Schönfeld. Das Auto auf der Fläche neben der Eishalle abzustellen, ist nicht erlaubt.

Kein Problem für die Rentner. Sie wollten ohnehin ein paar Schritte zu Fuß gehen, sagt der Ehemann: „Es läuft doch gut. Die Kassen haben früher aufgemacht. Was wollen wir mehr?“, fragt Kieber. Für ihn sei es wichtig, die Impfung umtragen zu lassen. Wegen des geplanten Urlaubs. Wenige Minuten später freut er sich über den Eintrag in seinem Impfpass.

Darauf müssen Monika Schaeling, Niki Mouratidis und Dörte Alex noch ein Weilchen warten. Die Drei befinden sich am Ende der Schlange. Mit so vielen Menschen hätten sie nicht gerechnet. „Das Theater hätten wir uns ersparen können“, schimpft Schaeling. Mouratidis findet es bedenklich, dass es so zu vielen Kontakten komme. Alex nimmt es eher gelassen: „Man muss halt damit leben.“ Die beiden anderen nicken zustimmend: Nur zu motzen, nütze ja auch nichts.

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Chaos vor dem Kasseler Auestadion: Rund 400 Menschen sollen gleichzeitig gewartet haben

Ein bisschen chaotisch geht es dennoch zu. Protex-Bedienstete laufen die Schlange ab. Beantworten Fragen. Erkundigen sich, wie sich die vorwiegend älteren Menschen fühlen. Romuald Szulic schätzt, dass gerade 400 Menschen geduldig warten. Aber was heißt geduldig? Wer lauscht, hört in erster Linie Unmut heraus. Unverständnis hier, Wut dort: „Typisch Kassel, das soll Organisation sein?“, meckert einer.

Das sehen nicht alle so. In der Mitte der Schlange, etwa kurz vor der Südtribüne des Auestadions, warten Rosemarie Mark und ihre Tochter Ursula Hopp. Die 81-Jährige stützt sich auf einen Rollator. So halte sie es ganz gut aus, zur Not könne sich auf der Gehhilfe ausruhen. Aus Melsungen sind sie nach Kassel gekommen, und Tochter Ursula erklärt, dass sie das alles sehr gern auf sich nehme: „Wir sind total froh, dass wir geimpft sind. Und wir sind froh, dass die Impfung jetzt in den Pass kommt.“

Mittlerweile sind alle sieben Kassenhäuschen geöffnet. Was aber nicht heißt, dass es bedeutend schneller vorangeht. Obwohl sie gleich an der Reihe ist, winkt Hedda Werner ab. Diese Aktion sei doch lächerlich, sagt die Seniorin. Sie hält gerade ein Schwätzchen. Nimmt es mit Ironie. 16 Monate habe sie wie eingesperrt gelebt, nun komme sie endlich mal wieder unter Leute: „Vielleicht bin ich morgen wieder hier.“ (Robin Lipke)

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