Unmut über kostenpflichtige Tests

Corona in Kassel: Hilfsorganisationen wollen ihre Testzentren schließen

Jann Buttlar (links) und Maike Hügelow bei einem Test in der Neuen Apotheke zum Rathaus in Lohfelden
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Für Schnelltests müssen Kunden bald zahlen: Unser Bild zeigt Jann Buttlar (links) und Maike Hügelow bei einem Test in der Neuen Apotheke zum Rathaus in Lohfelden.

Schon jetzt gibt es in Kassel weniger Teststellen - und vor allem im Landkreis wird ihre Zahl weiter deutlich abnehmen. Hintergrund ist die Entscheidung, dass Tests ab Oktober kosten sollen.

Kassel/Kreis Kassel – Das Ende der kostenlosen Corona-Schnelltests ist beschlossene Sache: Ab 11. Oktober sollen Testzentren von den Kunden Geld verlangen. Ausgenommen sind nur diejenigen, die nicht geimpft werden können oder für die keine Impfempfehlung vorliegt. Doch wie wird die Entscheidung von denen bewertet, die die Tests vor Ort durchführen? Wir haben bei ASB, DRK, Johannitern, privaten Betreibern und Apotheken in Stadt und Landkreis Kassel nachgefragt.

ASB: Michael Görner, Geschäftsführer des ASB Regionalverbands Kassel-Nordhessen sieht den Plan, Corona-Tests künftig kostenpflichtig zu machen, kritisch. „Ich glaube nicht, dass das den Druck auf nicht Impfwillige erhöht“, sagt er. Der ASB plane noch bis 30. September seine kostenlosen Tests im Landkreis anzubieten, sollte es keine dramatischen Änderungen der Inzidenzen geben. „Kostenpflichtige Tests anzubieten, wird für uns zu kompliziert“, sagt Görner. Der ASB werde sich im Kreis wohl nicht an der Neuerung beteiligen.

Deutsches Rotes Kreuz: Ähnlich wie der ASB will es auch das DRK halten: „Wir werden uns nicht an den kostenpflichtigen Tests beteiligen“, sagt Holger Gerhold-Toepsch, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Kassel-Wolfhagen. Auch ihnen sei der Aufwand schlichtweg zu groß: „Es bedarf einer Kasse und wir müssten Bargeldgeschäfte machen, das wollen wir nicht“, sagt der Geschäftsführer. In Kassel wird das Testzentrum an der Treppenstraße zum Ende des Monats schließen, der letzte Testtag ist also der 30. August. „Die Testzahlen haben sich mehr als halbiert“, sagt Gerhold-Toepsch. Nach den Sommerferien wolle man schauen, wie sich die Lage im Landkreis entwickelt. Nach aktuellem Stand wolle das DRK die kostenlosen Tests noch bis 30. September anbieten. „Die Nachfrage ist rapide eingebrochen, allerdings haben wir inzwischen mehr positive Testergebnisse“, zieht Gerhold-Toepsch als Fazit.

 Johanniter: Die Testzentren der Johanniter in Calden und Baunatal sind bereits geschlossen. „Deshalb stellt sich für uns die Frage aktuell nicht, ob wir kostenpflichtige Tests im Kreis Kassel anbieten werden“, sagt Johanniter-Regionalvorstand Benjamin Krause vom Regionalverband Kurhessen. Bei Bedarf könnten die Center jedoch kurzfristig wieder öffnen. In Kassel betreiben die Johanniter noch ein Testcenter an der Knorrstraße. Dort gibt es noch keine Pläne zu schließen. „Wir haben weiterhin geöffnet“, sagt Andrea Schaub aus der Regionalgeschäftsstelle.

Apotheken: Bernd Grünewald kann sich mit den kostenpflichtigen Tests nicht anfreunden. „Diese Entscheidung führt die Bemühungen der letzten Monate ad absurdum“, sagt der Pharmazeut, der mit seiner Familie fünf Apotheken in Lohfelden (inklusive Testzentrum), Söhrewald und Kassel betreibt. Man habe so sehr für niedrige Inzidenzen gekämpft und mit kostenlosen Tests ein sinnvolles Instrument dafür geschaffen. Gleichzeitig sei die Nachfrage zuletzt gesunken, sodass Grünewald das Testzentrum in Söhrewald geschlossen hatte. Doch jetzt, wo die Inzidenzen wieder steigen, könne die Nachfrage wieder steigen – „trotzdem wird die Hürde höher gesetzt, das ist kontraproduktiv“, sagt Grünewald. Für ihn ließe sich also nicht abschätzen, wie hoch daraufhin die Nachfrage nach Tests sein wird. Ebenso sei unklar, wie teuer die Antigen-Proben werden. „Das stellt uns vor Probleme, denn müssen wir ja auch Personal bereitstellen.“ Ihm bliebe nichts anderes übrig, als abzuwarten, wie sich die Lage entwickelt.

Ebenso wie Philipp Reetz von der Kasseler Landgraf-Karl-Apotheke, die zur Gruppe der Dr. Müller-Apotheken gehört. Die Nachfrage nach Tests lasse zurzeit nach, weshalb die Engel-Apotheke in der Innenstadt auch keine Tests mehr anbietet. Es seien vor allem Urlauber, die sich jetzt testen ließen. Auch Reetz fragt sich, wie Patienten künftig nachweisen sollen, dass sie kostenfrei getestet werden, etwa weil sie aufgrund einer Erkrankung nicht geimpft werden dürfen. Von allen anderen würde wohl eine Gebühr erhoben, die bei 12,50 Euro liege. Apotheker Reetz kann sich gut vorstellen, dass der eine oder andere Unentschlossene sich dann vielleicht doch impfen lasse.

GNH: Aktuell hat die Gesundheit Nordhessen noch keine Entscheidung getroffen, wie es mit dem Testcenter im City Point weitergehen wird, wenn die Tests kostenpflichtig werden, heißt es auf Anfrage von der GNH, die das Testcenter im Kasseler City Point konzentriert. „Wir werden uns mit allen beteiligten Partnern dazu abstimmen und rechtzeitig informieren“, so eine Sprecherin. Im Testzentrum der GNH ist es auch möglich, einen PCR-Test für eine Reise zu machen. Die Kosten für einen PCR-Test mit Befundübermittlung innerhalb von 24 Stunden liegen bei 60 Euro, mit Befundübermittlung innerhalb von sechs Stunden bei 130 Euro.

Private Betreiber: Das Dillenburger Unternehmen Covimedical plant, sein Kasseler Testzentrum am Struthbachweg auch ohne die staatliche Kostenübernahme weiterzubetreiben, sagte Firmensprecher Oliver Gerhardt. Das könne wirtschaftlich funktionieren, weil ein guter Teil des Geschäfts auch mit PCR-Labortests gemacht werde. Der wird von den Kunden zum Beispiel für Reisen gebraucht, muss ohnehin selbst bezahlt werden und kostet bei Covimedical rund 55 Euro. Den künftigen Preis für Schnelltests „können wir noch nicht genau prognostizieren“, sagte Gerhardt; er werde aber wohl im Bereich zwischen 15 und 25 Euro liegen. Abgerechnet wird bei Covimedical bargeldlos direkt mit der Terminbuchung auf der Website. Bis vor gut einer Woche hat das Unternehmen in Kassel noch ein zweites, deutlich größeres Testzentrum im Gewerbegebiet Kadruf in Bettenhausen betrieben. Das lohne sich wegen der gesunkenen Schnelltest-Nachfrage aber nicht mehr, so der Sprecher.

Der private Betreiber „Teststelle Kassel“, der an mehreren Standorten in Kassel Testcenter betrieben hat, hat seinen Betrieb unter anderem in der Kurfürstengalerie und am Gala-Metzner-Platz in Kirchditmold vorübergehend eingestellt. Eine Anfrage, ob der Grund dafür die aktuell geringe Nachfrage ist, blieb gestern unbeantwortet. (chr, asz, kme, mak)

Städte und Gemeinden müssen keine Teststellen vorhalten

74 Teststellen gibt es laut Website der Stadt Kassel derzeit. 34 von ihnen finden sich in Kassel, der Rest im Landkreis. Laut Stadtsprecherin Simone Scharnke haben in den vergangenen Wochen bereits einige Testcenter ihren Betrieb eingestellt. „Als Gründe hierfür sieht das Gesundheitsamt Region Kassel insbesondere den Rückgang des Testbedarfs sowie die letzte Änderung der Testverordnung mit neu definierten Anforderungen an die Beauftragung von Teststellen durch die Gesundheitsämter“, so Scharnke.

Da nicht alle Teststellen zur Meldung einer Betriebsaufgabe verpflichtet sind, liegen dem Gesundheitsamt allerdings keine konkreten Zahlen zu Schließungen vor. So bestehe eine Pflicht zur Meldung nur für die Teststellen, die per Einzelbeauftragung durch das Gesundheitsamt zum Betrieb einer Teststelle berechtigt sind. „Andere Teststellen, wie beispielsweise Arztpraxen und Apotheken, sind nicht verpflichtet, die Einstellung des Teststellenbetriebs zu melden, erklärt Scharnke. Eine rechtliche Verpflichtung für das Einrichten von Bürgerteststellen gibt es für Städte und Gemeinden übrigens nicht.

Diese Testzentren gibt es in Kassel

Im Stadtgebiet bieten zahlreiche Apotheken und private Betreiber aktuell noch die Möglichkeit an, einen kostenlosen Corona-Schnellest zu machen.

  • Landgraf-Karl-Apotheke, Landgraf-Karl-Straße 1, Teststation im City Center im Banhof Wilhelmshöhe
  • Teststelle auf dem Parkplatz des Einkaufscenter Dez, Frankfuter Straße 225
  • Rhönplatz-Apotheke, Rhönplatz 2a
  • Testzentrum im Filmpalast Kassel, Karlsplatz 8
  • Ahnatal-Apotheke, ahnatalstraße 22
  • Testzentrum am Brasselsberg, Am Hahnen 2B
  • Teststelle Kassel, Ahnatalstraße 28
  • Dönche-Apotheke, Korbacher Straße 244-246
  • DRK-Teststelle Treppe 4, Treppenstraße 4
  • Testzentrum Vorderer Westen, Elfbuchenstraße 3
  • Schnelltestzentrum im City Point, Königsplatz 61
  • Sophien-Apotheke, Altenbaunaer Straße 113
  • Teststelle Johanniter Unfallhilfe, Knorrstraße 42
  • Testcenter am Entenanger, Entenanger 7a
  • Palmen Apotheke, Heinrich-Plett-Straße 69
  • Rondell-Apotheke im Klinikum, Mönchebergstraße 41-43
  • Drive-In im Parkhaus Garde-du-Corps, Fünffensterstraße 6
  • Teststelle am Elisabeth-Krankenhaus, Obere Karlsstraße 2A (1. Stock)
  • Dorotheen Apotheke, Ochshäuser Straße 32
  • Testzentrum Café Buchoase, Germaniastraße 14
  • Testzentrum Kassel, Wilhelmsstraße 8
  • Teststelle Waldau, Görlitzer Straße 39C
  • Teststelle der Johanniter Unfallhilfe, Heinrich-Hertz-Straße 6
  • Apotheke am Wolfsanger, Wolfsangerstraße 100
  • Primus Apotheke, Wilhelmshöher Allee 91
  • Landgraf-Philipp-Apotheke, Leipziger Straße 195
  • Post-Apotheke, Friedrich-Ebert-Straße 29
  • Testcenter Covimedical, Struthbachweg 3
  • Victoria-Apotheke, Holländische Straße 74

Diese Auflistung ist erstellt aus den Informationen auf der Internetseite der Stadt Kassel und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. 

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