Krankenhäuser

Corona in Kassel: So ist die Lage auf den Intensivstationen

Betreuung auf der Intensivstation
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Trotz gestiegener Zahlen gibt es haben die Krankenhäuser in Kassel Kapazitäten (Symbolbild). 

Die Corona-Zahlen in Stadt und Kreis Kassel sind zuletzt teils beträchtlich gestiegen. In der Stadt Kassel waren die Intensivstationen am Dienstag zu 87 Prozent ausgelastet.

Kassel - Nicht nur die Fallzahlen sind gestiegen. Gleichzeitig sind mehr ältere Menschen unter den Infizierten. So ist auch die Zahl der Infizierten, die im Krankenhaus behandelt werden müssen, deutlich gestiegen. „Anders als beispielsweise in den Niederlanden ist die Situation hier bei uns derzeit aber nicht bedrohlich“, sagt Nina McDonagh, Pressesprecherin des Klinikums, das als koordinierendes Krankenhaus für Nordhessen Bindeglied zwischen dem Hessischen Sozialministerium und den Kliniken vor Ort ist.

Nach Angaben der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), die täglich die Behandlungskapazitäten von Intensivstationen von etwa 1300 Akut-Krankenhäusern in Deutschland erfasst, waren Stand Montag in Kassel bei 9 (7 davon beatmeten) Corona-Fällen auf Intensivstationen gerade einmal 24 von 182 Intensivbetten frei. Das bedeutet eine Auslastung von 87 Prozent. Im Kreis waren mit einem Corona-Fall auf Intensivstation von 28 Betten 19 belegt – eine Auslastung von 67 Prozent.

Corona in Kassel: Auslastung der Intensivstationen kein Grund zur Sorge

Diese Auslastung sei mit Blick auf die gestiegenen Corona-Zahlen zunächst kein Grund zur Sorge, so Prof. Ralf Muellenbach, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie am Klinikum. „In normalen Zeiten sind Intensivstationen zu 80 bis 100 Prozent ausgelastet.“ Sollten die Kliniken durch einen Anstieg von schwer erkrankten Corona-Patienten dennoch an die Kapazitätsgrenzen kommen, gibt es die Möglichkeit, geplante Operationen auszusetzen, bei denen Patienten intensivpflichtig werden können. Derzeit sind von den Intensivpatienten in der Stadt laut Divi 5 Prozent Corona-Fälle, im Kreis sind es 3,6 Prozent.

Zudem gibt es in den Krankenhäusern die Möglichkeit, die Kapazitäten je nach Eskalationsstufe zu erweitern. Im Klinikum wurde beispielsweise zuletzt die Covid-Normalstation aufgerüstet – dort stehen nun 25 Betten zur Verfügung. Auf der Covid-Intensivstation gab es bereits zuvor eine Aufstockung von sechs auf zwölf Betten. „Bei Bedarf könnten wir außerdem noch weitere Betten aktivieren“, sagt Muellenbach.

Corona in Kassel: Infiziert ist nicht gleich schwer krank

Wie die Krankenhäuser zusammenarbeiten und Patienten versorgen, erklären wir in diesen Fragen und Antworten:

Wie arbeiten die Kliniken in der Corona-Pandemie zusammen?
Das Klinikum Kassel ist koordinierendes Krankenhaus für die Versorgungsregion Nordhessen. Zusammen mit den anderen Krankenhäusern im Versorgungsgebiet, den sogenannten Level 1- und Level 2-Kliniken, ist es für die Behandlung der Corona-Patienten zuständig. Dafür tauschen sich die Krankenhäuser regelmäßig und je nach Lageentwicklung aus und entscheiden, welche Maßnahmen ergriffen werden.
Wie wird die Verteilung der Patienten gesteuert?
In Hessen werden die Intensivkapazitäten in Ivena gesammelt – einem Programm, das für die Kliniken und den Rettungsdienst die Grundlage für die Patientensteuerung ist. Bei den schweren Fällen organisiert das Klinikum als koordinierendes Krankenhaus anhand der Daten in Ivena und gegebenenfalls nach persönlicher Rücksprache die Verteilung.
Bedeuten viele neue Fälle auch viele neue Patienten?
Wenn sich jemand mit dem Coronavirus infiziert, ist nicht klar, wie der Verlauf der Infektion ist. Während einige Infizierte keine oder nur schwache Symptome zeigen, sind die Verläufe anderer Betroffener schwer. Bis dahin kann es allerdings einige Tage dauern. Wenn es an einem Tag einen starken Anstieg von Fällen gibt, bedeutet das also nicht, dass automatisch sofort mehr Patienten im Krankenhaus behandelt werden müssen. Das zeigt sich teilweise erst nach mehreren Tagen.

Steigende Corona-Zahlen in Hessen: Patienten werden verteilt

Da die Krankenhäuser im Versorgungsgebiet Frankfurt-Offenbach stark ausgelastet sind, werden laut Hessischem Sozialministerium nun Patienten aus dem Gebiet gleichmäßig über Hessen verteilt. Dies geschehe bei Personen, bei denen dies medizinisch vertretbar sei. Zum einen würden Patienten in andere Krankenhäuser verlegt, zum anderen neue Patienten direkt Kliniken in anderen Versorgungsgebieten zugewiesen. (Marie Klement)

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