Barbesitzer fürchten um Existenz 

Vorerst in Kassel keine Cocktails zum Mitnehmen

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Vorerst gibt es in Kassel keine Cocktails zum Mitnehmen.

Wegen Corona gelten auch in Kassel spezielle Maßnahmen. Viele Barbesitzer fürchten nun um ihre Existenz, denn das Land verbietet die Abholung und Lieferung von Getränken.

Kassel - Geschäfte sind geöffnet, Eisdielen verkaufen wieder und nun sollen auch Restaurants in Hessen wieder öffnen dürfen. Indessen müssen Einrichtungen, die keine Speisen anbieten, auf eine Öffnung warten.

Das sorgt nicht nur für Unverständnis unter Kasseler Bar-Betreibern, sondern bedroht auch Existenzen. „Restaurant oder Bar, wo ist da der Unterschied?“, fragt sich Nick Polpitz, der seine Lantern-Bar an der Wilhelmshöher Allee erst im Herbst vergangenes Jahr eröffnet hat. Wenn einer Hygienevorschriften einhalten könne, dann der Barmann: „Hier wird mit Handschuhen gearbeitet und Strohhalme werden mit der Zange angefasst“, nennt er als Beispiele. Und die 50-Prozent-Regelung ließe sich bei ihm gut umsetzen. „Das wären dann immer noch 25 Sitzplätze.“

Die Corona-Pandemie reißt ihn in existenzielle Not. „Momentan verfüge ich praktisch über gar nichts mehr, ich bin nicht einmal mehr krankenversichert“, sagt der Geschäftsmann, der ohne Rücklagen dastehe und noch keine staatliche Unterstützung erhalten habe.

Corona in Kassel: Ordnungsamt - Verkauf von Cocktails zum Mitnehmen ist untersagt

Seine Rettung könnte der Verkauf von Cocktails zum Mitnehmen sein. Mit dieser Idee, die in anderen Großstädten bereits umgesetzt wird, ist er nicht allein. „Wir haben beim Ordnungsamt angefragt und es wurde uns untersagt“, sagt Patrick Schelper von der Koon-Bar an der Friedrich-Ebert-Straße. Der Grund: Alkohol. „Cocktails ohne Alkohol sind aber nicht unser Geschäft“, sagt Schelper. Dass Restaurants öffnen dürfen, Bars aber nicht, sei unverhältnismäßig: „Wir könnten die Vorschriften genauso einhalten“. Polpitz habe auf seine Nachfrage beim Bürgerbüro keine eindeutige Antwort bekommen. „Die sagten, dass sie selbst nicht die Kriterien kennen, was noch erlaubt ist und was nicht.“ Seine Anfrage beim Gesundheitsamt wurde noch nicht beantwortet.

„Das ist verboten?“, fragt ein Kasseler Bar-Betreiber erstaunt, der bereits seit mehreren Wochen Cocktails zum Mitnehmen liefern lässt, ohne beim Ordnungsamt nachgefragt zu haben. Er wolle seinen Namen nicht in der Zeitung lesen, „keine schlafenden Hunde wecken“, und gibt an, bislang „ohne negative Rückmeldungen“ durch die Zeit gekommen zu sein.

Corona in Kassel: Fehlende Laufkundschaft könnte ebenfalls Probleme machen

Sich strafbar zu machen ist für Nick Polpitz keine Option. Der Verkauf von Drinks sei für ihn aber die einzige Möglichkeit, Umsatz zu generieren, merkt der Vater eines achtjährigen Sohnes an. In der Eingangstür eine Plexiglasscheibe mit Durchreiche, die Drinks würden drinnen zubereitet, es gäbe Cocktails und Longdrinks, so könnte es aussehen.

Für Christian Stracke, Inhaber der drei-Bar in der Theaterstraße, ist der Verkauf von Cocktails wegen fehlender Laufkundschaft uninteressant. Selbst wenn Bars öffnen dürften, könnte er in seiner kleinen Bar nur vier Gäste zur gleichen Zeit begrüßen. Laut Marc Seibert von der gleichnamigen Bar würde es den exklusiven Cocktails nicht gerecht, wenn man sie zum Mitnehmen anbietet. Da die Bar Seibert auch Speisen anbietet, ist für ihn eine Besserung der Situation absehbar.

Von Anna Lischper

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