Nach Aus für Festspiele

Corona in Kassel: Zittern um Partys und Veranstaltungen im Sommer

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Corona in Kassel: Zittern um Partys und Veranstaltungen im Sommer: Fällt der Zissel dieses Jahr ins Wasser? 

Wegen der Corona-Krise wurden die Hersfelder Festspiele bereits abgesagt. Das könnte auch auf Veranstaltungen in und um Kassel zukommen. 

  • Wegen Corona werden immer mehr Veranstaltungen abgesagt
  • Auch in der Region Kassel könnten Partys, Feste und Festivals ins Wasser fallen
  • Veranstalter äußern sich zur aktuellen Lage

Kassel - Ausgerechnet in seiner 70. Saison findet das Theaterereignis, das am 26. Juni eröffnet werden sollte, nicht statt. In Kassel und Umgebung wurden Festivals und Feste bislang nicht abgesagt. Das könnte sich in den nächsten Tagen ändern.

So steht der Vellmarer Sommer im Park auf der Kippe. Bürgermeister Manfred Ludewig (SPD) sagt: „Erst wenn ich weiß, wann es eine Lockerung des Versammlungsverbots gibt, kann ich sagen, ob der Sommer im Park stattfinden wird.“ Bislang gilt, dass das Festival am 20. Mai eröffnet wird. Dabei weiß niemand, welche Einschränkungen gelten werden, sollte das Kontaktverbot nach dem 19. April aufgehoben werden.

Kassel: Wegen Corona stehen Veranstaltungen auf der Kippe - Alternativen und Ersatztermine

Darum wartet man auch beim Kulturzelt Kassel auf Ansagen aus Berlin. Die zweite Saison des Musik-Festivals unter neuer Regie soll am 17. Juli starten. „Wir haben Konzepte für mehrere Szenarien erarbeitet“, sagt Jürgen Truß vom Veranstalter Zeltkultur. Sollte ein normaler Konzertbetrieb nicht möglich sein, könnte es ein Kulturzelt light geben mit einer kleinen Bühne im Biergarten.

Jürgen Truß, Kulturzelt Kassel

Beim Kultursommer Nordhessen, der am 31. Mai eröffnet werden soll, kann man ebenfalls noch keine Aussagen treffen, „welche Veranstaltungen stattfinden und welche nicht“, wie Margit Schumann sagt. Veranstaltungen für Schulklassen sollen aber auf jeden Fall verlegt werden. Ähnlich ist die Situation bei Festen wie dem Zissel.

Kassel: Wie steht es um das Sola-Festival das große Sommernachts-Open-Air?

Obwohl Techno-Fans für das am 31. Mai geplante Solå-Festival weiterhin Karten kaufen können, haben die Veranstalter bereits einen Ersatztermin für 2021 vereinbart.

Dagegen soll das große Sommernachts-Open-Air vor der Orangerie am 22. August stattfinden. „Wir halten an den Plänen fest“, sagt HNA-Geschäftsführer Herbert Siedenbiedel. Und auch Musik-Fans, die Mitte August die Broilers, Mark Forster, Scooter und Xavier Naidoo an den Messehallen erleben wollen, können sich noch Hoffnung machen. Uwe Vater von der Agentur MM Konzerte ist überzeugt, dass die Open-Air-Konzerte stattfinden: „In drei Monaten haben wir das im Griff.“

Kassel: Fallen Veranstaltungen aus? Zissel weiter für Anfang August geplant

„Derzeit planen wir noch normal“, sagt Christina Hackenberg, Präsidentin des Vereins „Zissel in Kassel“, der das Volksfest Anfang August mit Kassel Marketing veranstaltet. 

Nach Angaben von Geschäftsführer Andreas Bilo arbeitet Kassel Marketing wie geplant an den Veranstaltungen des zweiten Halbjahrs: „Unserer Auffassung nach werden wir bis Ende April von der Politik Signale zu einer möglichen Exit-Strategie erhalten – egal wie lange sie andauert.“ Danach werde man entscheiden.

Kassel: Unsichere Lage für Open-Air-Veranstaltungen

Für die Open-Air-Veranstaltungen, die im Mai und Juni geplant waren, hat Kassel Marketing mit seinen Kooperationspartnern mögliche Verschiebungen in das zweite Halbjahr geplant. 

„Darauf ist Kassel Marketing bereits vorbereitet“, sagt Bilo, der daran glaubt, dass Open-Air-Events ab Juli Schritt für Schritt wieder möglich würden. Zumindest jene, bei denen sich eine überschaubare Zahl von Besuchern auf großen Flächen verteilten – etwa die Kasseler Gartenkultur und auch das neue Bergpark-Leuchten in Wilhelmshöhe.

Region Kassel: Wehlheider Kirmes - Über Alternativen nachdenken

Die Verantwortlichen der Wehlheider Kirmes haben sich bis Mitte Mai ein Zeitlimit gesetzt, um über Alternativen zum traditionellen Volksfest nachzudenken, sagt Dirk Reimann, Vorsitzender der Kirmesgemeinschaft der Turngemeinde Wehlheiden: „Ganz ohne Kirmes können wir es uns nicht vorstellen.“ Vielleicht werde das Fest „kleiner und feiner“ gefeiert – wenn die gesetzlichen Rahmenbedingungen gegeben seien.

„Wir wollen auf alle Fälle mit den Wirten aus Wehlheiden etwas machen, die jetzt schon unter der Schließung ihrer Geschäfte gelitten haben“, sagt Reimann. Wie viele Schausteller die Coronakrise finanziell überstehen werden, weiß auch Reimann nicht.

Ob Kirmes oder nicht: Ein Bürgermeister soll auf alle Fälle gewählt werden. Eine Absage wäre für den Sportverein laut Reimann eine finanzielle Katastrophe. Die TGW wird von der Kirmes gesponsert. Die Kirmesgemeinschaft als Verein habe den Vorteil, dass sie nicht dazu verpflichtet sei, Ausschreibungen zu machen. So könne sie kurzzeitig bei der Organisation agieren. „Wir hoffen das Beste“, sagt Reimann.

Kassel: Absage für Kulturzelt? Warten auf Vorgaben der Politik

Besonders bitte wäre eine Absage für das Kulturzelt. Die neuen Macher haben das traditionsreiche Festival erst im Vorjahr übernommen. Damals konnte die Planung erst im Frühjahr beginnen. Diesmal steht das Programm längst. Es hätte im März vorgestellt werden sollen.

Wie andere Veranstalter wartet man nun auch bei den Organisatoren von Zeltkultur auf Vorgaben aus der Politik. Während international zahlreiche Festivals wie im dänischen Roskilde abgesagt wurden, zögern in Deutschland die meisten. Ein Grund: Bei einer freiwilligen Absage könnte es keine Hilfsgelder geben.

Ob das Kulturzelt eine Absage überleben würde, weiß Mitveranstalter Jürgen Truß nicht: „Aus alleiniger Kraft würden wir das nicht schaffen, aber mit der Hilfe von Sponsoren und Stadt schon.“

Region Kassel: Hersfelder Festspiele bereits abgesagt - Spielplan verschieben?

„Die Festspiele sind im Sommer das Herz unserer Stadt, es ist unfassbar, dass es gerade im Jubiläumsjahr stillsteht“, sagt der Bad Hersfelder Bürgermeister Thomas Fehling über die Absage der 70. Festspiele. Sie musste jetzt entschieden werden, denn kommende Woche sollte der Aufbau von Bühne und Tribüne beginnen, was mit hohen Kosten verbunden sei.

Laut Intendant Jörn Hinkel gab es keine Alternative: „In wenigen Wochen hätten wir mit den Proben beginnen wollen. Die gesundheitlichen Risiken eines Probenbetriebs, bei dem Darsteller, Musiker und Regisseure in ständigem physischen Kontakt sind, wären viel zu groß.“ Ob der Spielplan 2020 einfach um ein Jahr verschoben werden könne, ist noch offen.

Seit Jahrzehnten startet das Wasserspiel im Bergpark Wilhelmshöhe am 1. Mai. Doch in derCorona-Krise ist in Kassel alles anders. Zum ersten Mal seit 75 Jahren fällt des beliebte Wasserspektakel aus.

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