Corona-Demo in Hannover

Nach „Querdenker“-Demo: ZDF Magazin Royale mit Jan Böhmermann nimmt „Jana aus Kassel“ ins Visier

„Jana aus Kassel“ vergleicht sich bei einer Corona-Demo mit Sophie Scholl - die Kritik ist enorm. Auch das ZDF Magazin Royale mit Jan Böhmermann reagiert.

  • „Jana aus Kassel“ hat sich auf einer Corona-Demo in Hannover mit Sophie Scholl verglichen.
  • Das Video der jungen Frau wird in den sozialen Netzwerken scharf kritisiert.
  • Auch Politiker:innen, Satiriker und Komiker kommentieren ihren Auftritt.

Update vom Sonntag, 29.11.2020, 07.03 Uhr: „Jana aus Kassel“ bleibt weiterhin ein breit diskutiertes Thema. Nachdem bereits Politiker:innen wie Markus Söder (CSU) und Derya Türk-Nachbaur (SPD), Komiker Oliver Pocher und die Satire-Sendung „extra3“ ihr Meinung zu der jungen Frau aus Kassel verkündeten, schließt sich nun eine weitere Satire-Sendung an - das „ZDF Magazin Royal“.

Die ZDF-Sendung von Moderator und Satiriker Jan Böhmermann ist dafür bekannt, gesellschaftlich kritische Themen auf eine „etwas andere Art“ zu verarbeiten. Für „Jana aus Kassel“ gab es daher einen Musical-Song.

ZDF Magazin Royal mit Beitrag über „Jana aus Kassel“ - Facebook-Nutzer zwiegespalten

Die Nutzer auf Facebook betrachten die Situation aus unterschiedlichen Blickwinkeln. So schreibt jemand: „Wer sich in die Öffentlichkeit begibt, muss auch damit rechnen. Es ist wahrscheinlich jetzt schlimm für sie, weil alle lachen, sie runtermachen, bei ihr vor der Tür schreien (wahrscheinlich) uvm. Aber dies ist ihr eigenes Verschulden.“

Ein anderer Nutzer vergleicht das „ZDF Magazin Royale“ mit einem Bild-Artikel oder einem RTL-Format und kritisiert „die Hetze, die jetzt betrieben wird“. Diese Art von Berichterstattung würde die junge Frau nur in ihrer persönlichen Wahrnehmung bestätigen - „und dafür möchte ich keine Gebühren bezahlen“, schließt der Nutzer in seinem Facebook-Kommentar.

In seiner Sendung „ZDF Magazin Royale“ beschäftigt sich Jan Böhmermann auch mit „Jana aus Kassel“. Die Nutzer bei Facebook betrachten das zwiespältig (Archivbild).

Markus Söder kritisiert „Jana aus Kassel“ nach „Querdenker“-Demo - „peinlich, empörend“

Update vom Freitag, 27.11.2020, 17.20 Uhr: Nach dem Corona-Gipfel in Berlin hat der Bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Freitag (27.11.2020) eine Regierungserklärung zur Lockdown-Verlängerung abgegeben. Dabei attackierte er auch „Jana aus Kassel“ scharf.

„Ich finde Vergleiche mit Sophie Scholl empörend. Ich finde es peinlich“, sagt Söder laut merkur.de mit Blick auf „Jana aus Kassel“*. Die junge Frau hatte sich bei einer „Querdenker“-Demo mit der Widerstandskämpferin verglichen. Die „Querdenker“-Bewegung würde sich fast „sektenähnlich“ entwickeln, sagte Söder weiter.

Mit Blick auf die „Querdenker“-Bewegung und Rechtsextreme stellte Söder die Frage: „Wer vereinnahmt hier wen?“ Zudem kritisierte er die Bewegung als „toxisches Gebräu aus Fake-News, Hass, Angst und Intoleranz“.

Nach dem „Querdenker“-Eklat kritisiert Markus Söder „Jana aus Kassel“.

Nach „Querdenker“-Demo: Twitter-User wettern gegen „Jana aus Kassel“

Update vom Mittwoch, 25.11.2020, 12.54 Uhr: Nach dem „Querdenker“-Eklat von „Jana aus Kassel“ auf der Corona-Demo in Hannover sieht sich die Frau jetzt enormer Wut in den sozialen Medien ausgesetzt. Die 22-Jährige hatte sich mit der vom NS-Regime ermordeten Widerstandskämpferin Sophie Scholl verglichen. Ein Vergleich, der auch zahlreichen Twitter-Usern übel aufstößt.

So schreibt SPD-Politikerin Derya Türk-Nachbaur bei Twitter: „Tja, Jana aus Kassel, während Du in einer Demokratie drei Tränchen und die Öffentlichmachung Deiner Leerdenke riskierst, haben Sophie Scholl und andere in der Diktatur Ihr Leben riskiert und gelassen, um ihren Mitmenschen das Leben zu retten. Was für eine armselige Anmaßung.“

Die Satire-Sendung „extra3“ geht noch einen Schritt weiter und verspottet „Jana aus Kassel“: „#janaauskassel ist ein starkes Argument gegen Schulschließungen. Jede verpasste Geschichtsstunde ist eine zu viel.“ Ein weiterer User wettert: „Ein Riesendank an #janaauskassel, dass sie den Mut hat, ihre Dummheit so offen zur Schau zur stellen. Jetzt wird hoffentlich auch der Letzte begreifen, wie krank und dumm die #Querdenker-Bewegung ist.“

Hannover: „Querdenker“ halten zu „Jana aus Kassel“ - Historiker sind entsetzt

Update vom Dienstag. 24.11.2020, 15.07 Uhr: Kritik und Häme für „Jana aus Kassel“ reißen nicht ab. Auch Historiker zeigen sich gegenüber den Äußerungen der selbsternannten „Querdenkerin“ entsetzt. Dass die 22-Jährige aus Kassel sich mit der vom NS-Regime ermordeten Widerstandskämpferin Sophie Scholl vergleiche, sei laut Historiker Jens-Christian Wagner, „eine Anmaßung sowie irritierend und erschütternd zugleich“.

„Die junge Frau instrumentalisiert und verhöhnt damit die NS-Opfer und setzt die rechtsstaatlichen coronabedingten Einschränkungen der Grundrechte mit einer brutalen Diktatur wie dem Nationalsozialismus gleich“, sagte der ehemalige Leiter der niedersächsischen Gedenkstätten und Stiftungsdirektor der KZ-Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora gegenüber dem Portal evangelisch.de.

Wagner fordert fordert allerdings eine nachhaltige Auseinandersetzung mit derartigen Ausschweifungen. „Entscheidend ist, das nicht einfach polemisiert wird, sondern der Relativierung und Fake History eine wissenschaftlich und ethisch fundierte Einordnung entgegengesetzt wird.“ Er will mit Argumenten überzeugen statt überreden oder überwältigen.  „Es bedeutet, historische Prozesse einschließlich ihrer Ursachen und Folgen und die historische Bedingtheit des eigenen Lebens zu verstehen.“

„Jana aus Kassel“ hat sich bei einer Querdenker-Demo in Hannover mit Sophie Scholl verglichen - und erntet seitdem heftige Kritik in den sozialen Medien und verschiedenen TV-Formaten.

Unterstützung von „Querdenkern“: Hupende Autos für „Jana aus Kassel“

Update vom Dienstag. 24.11.2020, 10.32 Uhr: Am Montagmorgen (23.11.2020) trafen sich in Kassel einige Corona-Kritiker zu einer Auto-Demo. Elf Autos waren hupend von den Messehallen in Kassel in die Innenstadt (Frankfurter Straße) und zurück gefahren. Einer der Demonstranten ist ein Bekannter von Jana aus Kassel, die mit ihrem Sophie Scholl-Vergleich auf ziemlichen Gegenwind stieß.

Laut eigener Aussage riet Philipp seiner Bekannten zu diesem Vergleich und verteidigte diese, seiner Meinung nach „provokative Aussage“, auch gegenüber anderen Demonstrationsteilnehmern.

„Jana aus Kassel“: „Querdenker“ planen Schweigemarsch in Hannover

Aus Solidarität für „Jana aus Kassel“ wird in einer speziellen Gruppe des Messenger-Dienstes Telegram nun zu einem „Schweigemarsch für Jana“ aufgerufen. Dieser soll am 19.12.2020 in Hannover stattfinden.

Wie schon von der Rede der „Querdenkerin“ scheinen die Nutzer in den sozialen Medien auch von diesem Aufruf nicht begeistert zu sein. So schreibt ein Nutzer bei Facebook: „Hoffentlich halten die auch wirklich mal die Klappe ...“ Dieser Kommentar ist, im Vergleich zu vielen anderen zu diesem Thema, noch relativ harmlos - denn für Jana aus Kassel hagelt es derzeit neben massiver Kritik auch immer wieder Beleidigungen und Drohungen.

Stadt Kassel „kann mehr“ - Heftige Kritik für „Jana aus Kassel“ für Vergleich mit Sophie Scholl

Update vom Montag, 23.11.2020, 17.09 Uhr: Derzeit trendet bei Twitter der Hashtag #janaauskassel. Das Entsetzen über die 22-Jährige aus Kassel und ihren Vergleich mit Sophie Scholl ist groß.

Ein Twitter-Nutzer reagiert auf ihren Auftritt bei der Corona-Demo: „Bin Lukas aus Neuss, Notfallsanitäter, komme aus 24h Dienst nach Hause, hab 11 Einsätze in 24h gefahren & Nachts fast 3h einen Covid-19 Verdachtsfall unter Vollschutz reanimiert – erfolglos. Komme gerade nach Hause, mache Kaffee & Twitter auf. Lese #janaauskassel – ich könnt weinen.“

Auch Ulrike Gote, Bildungsdezenentin der Stadt Kassel, nimmt Stellung: „Wir haben gerade eine ganze Reihe Projekte für politische Bildung mit einem Volumen von 225.000 € an den Start gebracht. @StadtKassel kann mehr als #janaauskassel.“

Das Satiremagazin „Der Postillon“ äußert sich wie folgt zu dem Vorfall: „Erste Sophie-Scholl-Schule benennt sich in Jana-aus-Kassel-Schule um.“

„Querdenkerin“ aus Kassel vergleicht sich mit Sophie Scholl: Stammt Ordner aus linker Szene?

Update vom Montag, 23.11.2020, 10.00 Uhr: Der Vergleich mit Sophie Scholl einer jungen Frau aus Kassel auf einer „Querdenken“-Demo in Hannover am Samstag (21.11.2020), sorgte bundesweit für Empörung. Der Ordner, der die Aktivistin aus Kassel in ihrer Rede unterbrochen und letztendlich dazu gebracht hat, die Bühne zu verlassen, soll einem Bericht der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung zufolge ein Maulwurf aus der linken Szene sein.

Demnach hätten sich mehrere Mitglieder der linken Szene unter die Teilnehmer der Demonstration gemischt, von denen es manche sogar in die Organisation der „Querdenker“ geschafft haben sollen. Allerdings hat die Polizei Hannover vorerst keine Hinweise auf eine Manipulation und wies darauf hin, dass die Registrierung der Ordner eine „Sache der Versammlungsleitung“ sei.

Vergleich mit Sophie Scholl auf Corona-Demo: „Jana aus Kassel“ sorgt für bundesweite Empörung

Update vom Sonntag, 22.11.2020, 21.20 Uhr: Immer mehr Menschen im Internet reagieren auf die „Querdenkerin“ aus Kassel. Die Frau hatte eine Rede während einer Corona-Demo in Hannover gehalten und sich selbst mit Sophie Scholl verglichen. Der Vergleich sorgt für viel Empörung. So schreibt Oliver Pocher bei Instagram: „Jana aus Kassel ist NICHT Sophie Scholl“.

Auch Sozialdemokratin Derya Türk-Nachbaur spricht bei Twitter Klartext: „Tja, Jana aus Kassel, während Du in einer Demokratie drei Tränchen und die Öffentlichmachung Deiner Leerdenke riskierst, haben Sophie Scholl und andere in der Diktatur Ihr Leben riskiert und gelassen, um ihren Mitmenschen das Leben zu retten. Was für eine armselige Anmaßung“.

Erstmeldung vom Sonntag, 22.11.2020, 14.56 Uhr: Kassel/Hannover - „Ja, hallo. Ich bin Jana aus Kassel. Und ich fühle mich wie Sophie Scholl, da ich seit Monaten aktiv im Widerstand bin, Reden halte, auf Demos gehe, Flyer verteile und auch seit gestern Versammlungen anmelde.“ Mit diesen Worten hat eine Frau aus Kassel am Samstag (21.11.2020) bei der „Querdenken“-Demonstration in Hannover für einen Eklat gesorgt. Das Video ihres Auftritts sorgt im Netz für heftige Reaktionen. 

Hannover: Junge Frau aus Kassel vergleicht sich bei Corona-Demo mit Sophie Scholl

Sie sei 22 Jahre alt, „genau wie Sophie Scholl, bevor sie den Nationalsozialisten zum Opfer fiel“, fährt sie fort und erntet vereinzelt Applaus. (Hinweis der Redaktion: Tatsächlich wurde Sophie Scholl im Alter von 21 Jahren von den Nazis hingerichtet. Sie hatte als Mitglied der studentischen Widerstandsgruppe Weiße Rose gegen die Diktatur der Nationalsozialisten gekämpft.)

„Ich kann und werde niemals aufgeben, mich für Freiheit, Frieden, Liebe und Gerechtigkeit einzusetzen“, sagt die Rednerin, als ein Mann – offenbar ein Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes – vor die Bühne tritt und sie unterbricht.

Wegen Sophie-Scholl-Vergleich: Ordner quittiert seinen Dienst bei Corona-Demo in Hannover

Der mutmaßliche Ordner hält seine orangefarbene Warnweste in der Hand und will sie ihr geben. „Für so einen Schwachsinn mach ich keinen Ordner“, sagt er mehrfach. Die Frau schaut verständnislos, fragt „Was? Was für Schwachsinn?“.

„Wer so was erzählt, das ist Verharmlosung vom Holocaust“, antwortet der Mann. „Häh? Ich hab doch gar nichts gesagt“, entgegnet die Rednerin. Inzwischen sind Polizisten hinzugekommen, die den Mann von der Bühne weggeleiten. Der zeigt der Frau noch einen Vogel. „Wie Sophie Scholl. Um Gottes willen. Hängengeblieben. Das ist mehr als peinlich“, ruft er ihr zu. Die Rednerin dreht sich um, beginnt zu schluchzen, schmeißt Skript und Mikrofon auf den Boden und stürmt von der Bühne.

Hannover: Sophie-Scholl-Vergleich bei Corona-Demo sorgt für viel Spott und Empörung

Einige Demonstranten empören sich. In einem später in den sozialen Medien geposteten Ausschnitt ist die Rednerin erneut zu sehen. Sie zeigt sich „schockiert, dass ich von einem Passanten, oder was auch immer, beleidigt wurde“.

In den sozialen Medien sorgt das Video des Auftritts der Kasselerin für heftige Reaktionen. Zahlreiche Twitter-Nutzer markieren es mit „Gefällt mir“. Viele zeigen sich hingegen empört über die Parallelen zu Sophie Scholl, bezeichnen den Vergleich als verantwortungslos und beschämend. Der Mann bekommt dagegen viel Zuspruch. „Respekt für den Ex-Ordner“, „Ehrenmann!“ und „Bester Mann!“ heißt es dort vielfach.

NS-Vergleiche: Mädchen hatte sich bei „Querdenken“-Demo mit Anne Frank verglichen

Gegner der Corona-Politik haben in den vergangenen Wochen mehrfach NS-Vergleiche herangezogen. Erst vor wenigen Tagen hatte sich ein elfjähriges Mädchen auf einer „Querdenken“-Demo in Karlsruhe mit Anne Frank verglichen und damit für Empörung gesorgt.

Sie habe ihren Geburtstag heimlich mit Freunden feiern müssen, sagte sie in Anspielung auf die junge Jüdin, die sich jahrelang in einem Hinterhaus in Amsterdam vor den Nazis verstecken musste und von ihnen 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen ermordet wurde.

Das Infektionsschutzgesetz, das dem Bundesgesundheitsministerium und den Landesregierungen weitreichende Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie ermöglicht, wird von manchen Kritikern der Corona-Auflagen mit dem Ermächtigungsgesetz von 1933 verglichen. Mit ihm ging die gesetzgebende Gewalt faktisch vollständig an Adolf Hitler über, und die Demokratie wurde ausgeschaltet. (Nicole Schippers) *hna.de und merkur.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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