Abschlussklassen im Präsenzunterricht

Corona in Kassel: Trotz ausgesetzter Präsenzpflicht ‒ Abiturienten lernen in der Schule

Abiturienten am Kasseler Wilhelmsgymnasium: Mit Mathelehrer Harald Oehl wird sich aufs Abitur vorbereitet.
+
Abiturienten am Kasseler Wilhelmsgymnasium: Mit dem Lehrer – hier Mathelehrer Harald Oehl im Hintergrund – wird sich aufs Abitur vorbereitet.

Schüler in Kassel lernen trotz Corona-Pandemie fleißig für den Abschluss. Angst vor der Prüfung haben die wenigsten, dabei vermissen sie aber das Wir-Gefühl.

Kassel - Während die meisten Schüler zurzeit auf Distanz lernen, gehen die Schüler der Abschlussklassen wie gehabt in die Schulen, treffen dort ihre Schulkameraden und werden von ihren Lehrern in Anwesenheit unterrichtet. Dass es sich dennoch um keinen normalen Schulalltag handelt, wird schon allein daran deutlich, dass Schüler und Lehrer FFP2-Masken tragen und die Klassen und Kurse geteilt und auf zwei Räume verteilt sind. Die Lehrer wie Mathelehrer Harald Oehl am Wilhelmsgymnasium springen zwischen den Gruppen hin und her.

„Das macht mir nichts aus“, sagt Oehl. Die Bewegung tue gut. Während er in der Gruppe der Schüler, deren Nachnamen mit den Buchstaben A bis L beginnen, die Regeln der Stochastik vertieft, hat er der Gruppe M bis Z Aufgaben gestellt, die diese konzentriert am Lösen ist.

Zwischen Online-Unterricht und Schulbesuch: Abiturienten in Kassel sehen sich gut vorbereitet

Auch der Wechsel zum Fernunterricht für die Schüler der anderen Jahrgänge bereite ihm keine Probleme, sagt Oehl: „Wir können inzwischen damit umgehen und haben alles, was wir benötigen, in der Schublade.“

Auch viele Abiturienten sehen auf ihre bevorstehenden Prüfungen mit Gelassenheit. Nein, um seine Abinote mache er sich keine Sorgen, sagt WG-Schüler Titus Ullrich (17). „Wir haben ja zurzeit alle ganz viel Unterricht und sonst nichts. Es gibt wenig Ablenkung.“ Dass die Abiturprüfung nach den Osterferien stattfinde, sei ebenfalls ein zeitlicher Vorteil. Er fange jetzt an, sich auf die Prüfungen in seinen Leistungskursen Chemie und Powi zu konzentrieren.

„Ich bin froh, dass der Unterricht nicht digital stattfindet“, sagt Klassenkameradin Maja Heuer (18). Auch ihr sei nicht bange vor den Prüfungen. In der Q2 seien sie zwar lockdownbedingt wenig in der Schule gewesen. Auf ihre Noten habe sich das nicht negativ ausgewirkt. Auch Abiturient Lucas Keil, der sich mit seinen Unterlagen in die Bibliothek der Schule zurückgezogen hat, ist zuversichtlich, ein ordentliches Abitur abzulegen.

Wegen Corona in Kassel: Abiturienten vermissen das Wir-Gefühl

Allerdings – da sind sich Luca, Maja und Titus einig: Alles, was im Schulalltag schön, unbeschwert und aufregend ist – Klassenfahrten, Exkursionen, Aktivitäten mit den Freunden – habe nicht stattgefunden und werde schmerzlich vermisst. Es sei auffallend: „Unserem Jahrgang fehlt das Wir-Gefühl“, sagt Maja. Das zeige sich nicht zuletzt daran, dass sogar das Motto für die Abi-T-Shirts fehle, bedauert Luca. Normalerweise stehe es als Insider-Spruch auf den Abschlussfahrten für alle unausgesprochen im Raum.

„Es gibt noch kein Jahrgangsmotto“: Maja Heuer und Titus Ullrich vom WG vermissen das Wir-Gefühl.

Sogar die Zukunftspläne der Schüler werden von der Pandemie beeinflusst. „Ich werde direkt nach dem Abi ein Jurastudium beginnen“, sagt Titus. Eigentlich wäre er erst mal ins Ausland gegangen, wie so viele Abiturienten vor ihm, doch:. „Es macht keinen Sinn, sich etwa um ein Freiwilliges Soziales Jahr zu bewerben“, sagt Maja. Das sei alles zu unsicher. Und so werde auch sie die sichere Schiene fahren und sich anders als geplant gleich fürs Studium bewerben: „Wenn wir Pech haben, erleben wir das 1. Semester online.“

Kassel: Anwesenheit der Lehrer weckt Zuversicht - Schüler bevorzugen trotz Corona Präsenzunterricht

Ebenso unaufgeregt wie die Abiturienten blicken Schüler in Kassel auch auf ihre Prüfungen für die Haupt- und Realschulabschlüsse. Etwa an der Mittelstufenschule Valentin-Traudt-Schule. „Die Schüler sind froh, dass sie in die Schule kommen können“, sagt Schulleiter Tobias Kröck: „Der Präsenzunterricht und die Anwesenheit der Lehrerinnen und Lehrer gibt ihnen Rückhalt und stärkt ihre Zuversicht.“ An der VTS sind es insgesamt 66 Haupt- und Realschüler, die sich auf ihre Abschlüsse vorbereiten. Im Kollegium sei inzwischen Routine eingetreten, um die einen Schüler analog und andere Jahrgänge digital zu unterrichten, so Kröck.

Rückblickend sagt WG-Schulleiter Uwe Petersen: „Ich bin heilfroh, dass wir im vergangenen Jahr die Abiturprüfungen trotz des Lockdowns im März und April durchgezogen haben.“ Auch für dieses Jahr ist er zuversichtlich, dass alle Schüler ein gutes Abitur ablegen. Die Schule gehe die Prüfungen jetzt mit einer Menge an Corona-Erfahrungen an.

Corona in Kassel: Wie ist der Schulgang während der Pandemie geregelt

Präsenzunterricht haben Schüler in den Abschlussklassen für den Haupt-, Realschulabschluss und für das Abitur. An den Schulen in Kassel mit Sekundarstufe I werden 423 Schüler im Jg. 9 und 631 im Jg. 10 im Präsenzunterricht beschult. Darin sind alle Schüler der Mittelstufenschule, der Realschule, der Gesamt- und Förderschulen sowie Schulen in privater Trägerschaft enthalten. An den Integrierten Gesamtschulen werden, um die Gruppengrößen und damit die Kontakte zu reduzieren, ausschließlich die Schüler im Präsenzunterricht beschult, die an den Abschlussprüfungen teilnehmen. Die anderen Schüler erhalten Distanzunterricht.

In den Schulen mit gymnasialer Oberstufe werden 989 Schüler im Präsenzunterricht auf das Abitur vorbereitet (inklusive Schulen in privater Trägerschaft sowie der Landkreis-Gymnasien Herderschule und Lichtenberg-Schule, nicht enthalten sind Berufliche Gymnasien). Die schriftlichen Abiturprüfungen 2021 finden in Hessen erstmals nach Ostern statt: vom 21. April bis 5. Mai, die Nachprüfungen vom 18. Mai bis 2. Juni. Alle weiteren Informationen zu Corona in Kassel gibt es im News-Ticker. (Christina Hein)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.