Organisator Friseurmeister Thomas Herrmann

Demo der Friseure in Kassel: „Dürfen nicht zu Bettlern werden“

Er organisiert die Demo: Friseurmeister Thomas Herrmann fordert mehr Unterstützung vom Staat für seine Branche.
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Er organisiert die Demo: Friseurmeister Thomas Herrmann fordert mehr Unterstützung vom Staat für seine Branche.

Die Friseure dürfen ihre Läden am 1. März 2021 wieder öffnen. Trotzdem haben Kasseler Friseure für Freitag, 12. Februar, zu einer Demo mit Autokorso durch die Stadt aufgerufen.

Kassel - Sie wollen deutlich machen, dass durch die beiden Lockdowns die Existenzen von vielen Friseuren vernichtet worden sind. Darüber sprachen wir mit Friseurmeister Thomas Herrmann, Initiator der Demo.

Im Gegensatz zu vielen anderen Geschäften dürfen die Friseure früher öffnen. Warum demonstrieren Sie dennoch am Freitag?
Weil wir seit einem viertel Jahr keinen einzigen Euro mehr zum Leben bekommen haben, sondern nur 90 Prozent unserer Fixkosten erstattet werden sollen. Dieses Geld wird für die Miete der Läden, die Nebenkosten und Leasingraten draufgehen. Aber wir brauchen auch noch etwas, um zu leben.
Werden alle Salons Corona überstehen?
Wohl nicht. Viele Friseure stehen mittlerweile vor den Scherben ihrer Existenz und dem Ruin. Viele Menschen denken wohl, dass die Friseure in den vergangenen Wochen viel Geld bekommen haben. Den Eindruck bekommt man zumindest, wenn man die Kommentare im Internet liest. In Wirklichkeit sind wir im Stich gelassen worden.
Die Ersparnisse sind aufgebraucht?
Die Rücklagen waren bereits nach dem ersten Lockdown im Frühjahr vergangenen Jahres weg. Man darf ja auch nicht vergessen, dass wir in den vergangenen Monaten bereits in strengste, kostenintensive und aufwendige Sicherheitskonzepte für uns und unsere Kunden investiert und diese auch professionell und sehr gern umgesetzt haben.

Friseure demonstrieren am Freitag in Kassel: Entschädigung gefordert

Sind Sie während des zweiten Lockdowns von Kunden angesprochen worden, die trotz Schließung einen Haarschnitt von ihnen wollten?
Ich bin deshalb oft angesprochen worden. Viele Kollegen wurden in den vergangenen Wochen auch dazu genötigt, schwarzzuarbeiten, weil sie nicht mehr einen Cent für den Lebensunterhalt hatten. Auch Friseure müssen ihre Familien ernähren.
Was fordern Sie vom Staat?
Wir wollen nicht nur eine Überbrückungshilfe, sondern für die vergangenen Wochen entschädigt werden. Wir benötigen eine Grundsicherung für die Zeit, in der die Salons geschlossen bleiben mussten. Unsere Kunden sind für uns Könige, wir Friseure dürfen nicht zu Bettlern werden.
Am Mittwochabend wurde verkündet, dass der Lockdown noch mindestens bis zum 7. März geht, Sie aber bereits am 1. März öffnen dürfen. Wie haben Ihre Kunden reagiert?
Auf meinem Telefon wurden am Mittwochabend schon fünf Anrufe angezeigt. Am Donnerstag stand das Telefon nicht still. Viele Kunden wollen endlich wieder zu uns kommen.

Demo der Friseure in Kassel: Sorge wegen Mutationen

Wie sehen Sie die Öffnung am 1. März?
Ich bin zwiegespalten. Auf der einen Seite bin ich froh, dass meine Mitarbeiter und ich endlich wieder arbeiten und Geld verdienen können. Auf der anderen Seite habe ich natürlich auch Angst vor den Mutationen und einem möglichen dritten Lockdown, von dem auch die Friseure wieder betroffen wären. Man kann nur an die Menschen appellieren, dass sie sich vernünftig verhalten, vor allem im privaten Bereich.
Es gibt mittlerweile auch schon viele Neider: Warum dürfen die Friseure öffnen und andere nicht. Was sagen Sie dazu?
Es ist nicht richtig, dass der Einzelhandel noch nicht wieder öffnen darf. Auch dort wurde sich an die Hygienekonzepte gehalten. Wenn jeder sich an die Regeln halten würde, dann könnten auch alle Geschäfte wieder öffnen.
Was wollen Sie mit der Demo am Freitag erreichen?
Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass wir unsere Mitarbeiter nicht entlassen wollen und Teil der gesellschaftlichen Kultur in Städten und Gemeinden bleiben wollen. Viele Innungsmitglieder wollen an dem Autokorso teilnehmen, und wir werden auch von der Kreishandwerkerschaft unterstützt.
Wie läuft die Demonstration ab?
Wir treffen uns mit den Autos auf dem Messeparkplatz P1. Abfahrt ist um 10 Uhr. Von dort fahren wir über die Frankfurter Straße in Richtung Altmarkt. Dann geht es über den Stern, die Rudolf-Schwander-Straße, den Hauptbahnhof, die Kölnische Straße, den Bebelplatz, die Friedrich-Ebert-Straße, die Fünffensterstraße und schließlich wieder zurück auf die Frankfurter Straße. Wir machen mit Hupen, Warnblinkern und Transparanten auf unsere Situation aufmerksam.
Mit wie vielen Teilnehmern rechnen Sie?
Es haben sich 50 Kollegen angemeldet. Das läuft auch alles coronakonform: höchstens zwei Haushalte in einem Auto. (Ulrike Pflüger-Scherb)

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