Existenzen sind bedroht

Coronavirus in Kassel: Dramatische Auswirkungen für Gastronomie und Friseure

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Bietet ihre Gerichte zum Mitnehmen an: Manuela Arndt entscheidet jeden Tag neu, ob sie die Suppenplantage weiter öffnet. 

Hotels und Gastronomiebetriebe sind vom Coronavirus besonders betroffen. Viele Betreiber haben ihre Restaurants schon geschlossen. Hotels schicken ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit.

  • Das Coronavirus hat in Kassel große Auswirkungen auf die Gastronomie, Hotels und Friseure.
  • Hotels mussten Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken, Gastronomiebetriebe habe geschlossen.
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Thomas Nähler denkt immer noch, dass es ein schlechter Traum ist, aus dem er bald aufwachen wird. „Das kann doch alles nicht real sein“, sagt der Gastronom, der in Kassel mehrere Hotels betreibt, verzweifelt. 80 seiner Mitarbeiter sind seit dieser Woche in Kurzarbeit. Das Biohotel Wilhelmshöher Tor und das Hotel zum Herkules hat er schon geschlossen. Im Steinernen Schweinchen läuft der Hotelbetrieb derzeit noch weiter. Allerdings ohne Restaurant.

„Pro Tag sind noch drei, vier Zimmer belegt“, sagt Nähler. Vorwiegend übernachteten Geschäftsleute. „Die bekommen bei uns Frühstück, und gerade haben wir ihnen eine Pizza bestellt.“ Nähler sorgt sich um seine Mitarbeiter, die nur 60 Prozent ihres Lohns bekommen, wenn sie in Kurzarbeit sind.

Coronavirus in Kassel: Viele Absagen in Hotels - "existenzbedrohend"

Seit der vergangenen Woche gibt es eine Absage nach der anderen – so erleben es viele Kasseler Hotels. „Die Stornierungen beziehen sich nicht nur auf die kommenden Wochen“, sagt Silvia Fischer, Geschäftsführerin des Kurparkhotels an der Wilhelmshöher Allee. Wenn das Hotel ausgebucht ist, dann übernachten dort 90 Gäste. „Für uns ist die aktuelle Situation existenzbedrohend“, sagt Fischer. Die Krise sei ohne Vorwarnung über die Gastronomen hereingebrochen, sagt Fischer. 

Allen Hoteliers, zu denen sie in diesen Tagen Kontakt hatte, geht es ähnlich:Stornierungen und Kurzarbeit. „Aber es trifft nicht nur uns, sondern auch unsere Zulieferer wie Brauereien oder Wäschereien.“ So lange sie darf, will Fischer das Hotel vorerst geöffnet lassen. „Aber ich gehe davon aus, dass auch wir in den nächsten Tagen schließen müssen“, sagt sie. „Für die gesamte Branche ist es ein Drama.“ Im Düsseldorfer Hof in Wehlheiden können derzeit noch Geschäftsreisende übernachten, aber das Restaurant wird ab Mittwoch geschlossen. „Es macht einfach keinen Sinn“, sagt Agnes Vick.

Schon geschlossen: Das Holy Nosh an der Friedrich-Ebert-Straße.

Normalerweise öffnet der Düsseldorfer Hof um 16 Uhr. Aufgrund der Maßnahmen, die eine Ausbreitung des Coronavirus verhindern sollen, müssen Restaurants jetzt aber schon um 18 Uhr schließen. „Auch Mittagstisch macht kaum Sinn, weil die meisten von Zuhause arbeiten“, sagt Vick.

Restaurants in Kassel wegen Corona geschlossen: Entscheidung von Tag zu Tag

Eva Bender, die das Holy Nosh an der Friedrich-Ebert-Straße betreibt, hat sich am Sonntag entschieden, das Café bis auf Weiteres zu schließen. „Wir sind ein kleines Lokal, in dem ohnehin nicht viel Platz ist, da war es mir wichtig, Gäste und Mitarbeiter zu schützen“, sagt Bender. Sie könne durchaus verstehen, wenn einige Restaurants weiter geöffnet bleiben. Gerade bei kleinen Betrieben machten sich Umsatzeinbußen unmittelbar bemerkbar. „Aber ich glaube ohnehin, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis auch sie schließen müssen“, sagt Bender. Ihre Gäste hätten viel Verständnis gezeigt.

Hat Angst um ihre Existenz: Silvia Fischer.

Die Suppenplantage am Wehlheider Platz entscheidet von Tag zu Tag, wie sie geöffnet hat. „Kaffeekränzchen braucht gerade niemand“, sagt Betreiberin Manuela Arndt. Normalerweise hat sie auch ein Kuchenangebot. Das gibt es jetzt lediglich to go. „Wir schließen um 15 Uhr und bieten alle unsere Gerichte auch zum Mitnehmen an“, sagt Arndt. Die Öffnungszeiten schreibt sie auf die Tafel vor dem Laden. Außerdem können die Kunden einen Newsletter abonnieren oder sich auf der Facebook-Seite informieren.

Im Imbiss Eat Greek in der Innenstadt läuft der Betrieb erst mal weiter. „Wir haben aber die Tische weiter auseinandergerückt“, sagt Anna Toumanidou. Viele würden sich die Gerichte ohnehin schon mitnehmen.

Corona in Kassel: „Wir können keine zwei Meter Abstand halten“ 

Wie umgehen mit dem Infektionsrisiko durch die Corona-Pandemie? Diese Frage stellen sich Frisöre in diesen Tagen ständig. Weitermachen oder doch den Laden schließen?

„Wir arbeiten direkt am Menschen“, sagt Serdal Aslar, der vielen nur als Freddy bekannt ist. Der Inhaber des Salons Freestyle in Kaufungen hat seinen Laden bereits zugemacht. „Für mich war klar, dass ich handeln werde“, sagt er. Bereits am Sonntag habe er gemeinsam mit seinem achtköpfigen Team beschlossen, dass er diese Verantwortung nicht tragen will. „Wir können nicht auf zwei Meter Abstand Haare schneiden.“ Seine Mitarbeiter hat er jetzt erstmal in den bezahlten Urlaub geschickt. Einen Antrag auf Kurzarbeit habe er bereits gestellt, ob der genehmigt wird, weiß er aber nicht.

Sind verantwortungsbewusst: Serdal Aslar, alias Freddy, Inhaber des Friseursalons Freestyle in Kaufungen, Aida Razdric, Inhaberin von Hair by Aida am Königstor und ihre Mitarbeiterin Diana Saur.

Auf Instagram hat Aslar ein Video hochgeladen und erklärt, warum er diesen drastischen Entschluss gefasst hat. Seitdem steht sein Telefon nicht mehr still. Seine Kunden möchten wissen, wie es nun weitergeht. Der 43-Jährige nimmt es mit Humor und rät seinen Kundinnen, in den kommenden Wochen Pferdeschwanz zu tragen. Sie sollen sich Ende März oder Anfang April wieder melden – telefonisch. Sein Appell: Haltet euch fern von Menschenmengen – Gesundheit geht vor.“ 

Friseure in Kassel: Immer mehr Geschäfte schließen wegen Corona

So sieht es auch Aida Razdric, Inhaberin des Salons Hair by Aida am Königstor in Kassel. Sie will ihr Geschäft ab heute schließen. „Wir sind so nah an den Kunden, das können wir einfach nicht verantworten.“ Zwar würden sie und ihre Mitarbeiter alles tun, um das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten, aber eine hundertprozentige Sicherheit gebe es eben nicht. Deshalb sei es unverantwortlich und nicht nachvollziehbar, warum Friseure nicht von den bundesweiten Schließungen betroffen sind.

Maren Constabel, Inhaberin des Friseursalons Marelli, hält sich wacker. Aber auch sie macht sich große Sorgen. „Das richtige Hoch wird noch kommen.“ Sie will ihren Betrieb noch aufrechterhalten, hofft aber auf eine bundesweite Schließung. „Wenn das Seuchenschutzgesetz greift, haben wir vielleicht eine Chance auf finanzielle Unterstützung“, sagt sie. Aufs Händeschütteln und Umarmungen wird verzichtet. Stattdessen heißt es für alle Kunden Händewaschen.

Von Kathrin Meyer und Alia Shuhaber

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