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„Meine Leute müssen fliegen“: Gastronomen in Kassel klagen

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Von: Ulrike Pflüger-Scherb

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Durch Corona wurde die Gastronomie in Kassel gebeutelt. Wir haben mit Gastronomen gesprochen, wie sich die Situation im Jahr 2022 entwickelt hat.

Kassel - „Es läuft gut, wir sind zur Normalität zurückgekehrt“, sagt Giuseppe Arcuri, der die Gaststätte „Lohmann“ und das italienische Restaurant „Peppe’s“ im Königstor in Kassel betreibt. Es habe allerdings einige Monate gedauert, bis es wieder ausreichend Personal zur Verfügung gehabt habe. Einige Mitarbeiter, die während Corona aus der Gastronomie abgewandert sind, seien zurückgekehrt. Auch über einen Mangel an Gästen kann sich Arcuri nicht beklagen. „Im Lohmann ist es jeden Tag voll. Wir haben dort jetzt noch mehr Gäste als vor Corona.“ Die Menschen hätten wieder sehr viel Lust, in Restaurants zu gehen.

Auch Klaus Rubel, Chef des Familienbetriebs „Papen Änne“ an der Wolfhager Straße in Harleshausen, kann sich vor Gästen kaum retten. Im Weihnachtsgeschäft habe man rund 1000 Menschen absagen müssen, weil alle Plätze bereits reserviert waren. „Wir haben in der Weihnachtswoche fast 3500 Essen herausgegeben.“ Allerdings fehlt Rubel noch Personal, sowohl im Service als auch in der Küche. Es sei ein Trauerspiel, dass man keine Leute finde. „Meine Leute müssen einfach fliegen. Die schaffen das kaum noch.“

Gastronomie in Kassel erholt sich nach Corona-Beschränkungen - zu wenig Personal vorhanden

Händeringend Personal sucht auch Gisela Levorato, Chefin der „Osteria“ an der Jordanstraße. Ein bis zwei Köche und Servicekräfte. „Unserem Personal ist dieses Jahr sehr viel abverlangt worden“, sagt Levorato. Das liege daran, dass der documenta-Sommer „bombastisch“ verlaufen sei. Und nach der documenta habe bereits das Weihnachtsgeschäft begonnen. „Die Menschen haben ein großes Nachholbedürfnis, wieder gut essen und trinken zu können.“ Trotz aller Personalnöte blickten ihr Mann Elis und sie aber optimistisch ins neue Jahr.

Kostas Vick
Sie haben jeden Abend volles Haus: (von links) Alberto Fezzigna, Anika Nödler und Lilith Dittfurth, die bei Peppe‘s Pizzeria & Ristorante im Königstor arbeiten. Foto: Andreas Fischer  © Andreas Fischer

„Das Personal fehlt definitiv, weil keiner mehr arbeiten will“, sagt Gunter Schmidt, Chef des Restaurants „Gutshof“ an der Wilhelmshöher Allee. Er macht ein Beispiel: Zwei Leute hätten bei ihm zur Probe gearbeitet. Als er Nägel mit Köpfen machen und sie anmelden wollte, hätten die potenziellen Mitarbeiter gesagt, dass sie dann noch lieber nicht arbeiten wollen. Die Personen hätten Transferleistungen vom Staat bezogen und wollten die Einnahmen aus der Gastronomie nur nebenbei kassieren, aber nicht angeben.

Restaurant-Chef in Kassel klagt: „Das Personal fehlt definitiv, weil keiner mehr arbeiten will“

Auch im „Gutshof“ sei das Weihnachtsgeschäft sehr gut gelaufen, sagt Schmidt. In den vergangenen zwei Monaten habe er fast keine freien Plätze mehr gehabt. Aber ob sich die Lage in der Gastronomie so stabilisiere, das könne er erst im kommenden Frühjahr beurteilen. Die Reservierungen für Januar und Februar seien rückläufig. Schmidt hat nach Corona die Erfahrung gemacht, dass die Gäste kompakter und kürzer ausgehen. Viele verzichteten nach dem Essen auf ein weiteres Glas Wein.

„Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen“, sagt Kostas Vick, Chef des „Düsseldorfer Hofs“ am Zwehrener Weg. Er habe nach Corona genauso viele Gäste wie vor der Pandemie. Aber auch bei ihm fehlt das Personal. „Du kriegst keine Leute mehr, die belastbar sind. Aber das ist in allen Branchen so. Versuche mal, in Kassel einen Koch zu bekommen, der belastbar ist“, sagt Vick. Er hat den Eindruck, dass überall nur noch „alte Säcke“ arbeiten. (use)

Corona und die Inflation machen es der Gastronomie, dem Einzelhandel und der Hotellerie äußerst schwer. Nicht alle haben es in und um Kassel über 2022 hinaus geschafft.

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