Coronavirus in Kassel

Gastronomen wegen Corona in Schwierigkeiten: „Sperre bedroht unsere Existenz“

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Anadolu-Mitarbeiter Remmo Mohamed bereitet wohl vorerst einen der letzten Döner zu.

Die Corona-Pandemie beutelt Gastronomen schon länger. Ab heute müssen Restaurants in und um Kassel geschlossen bleiben. Was sagen die Unternehmer?

  • Gastronomen in und um Kassel kämpfen um ihre Existenz
  • Schuld sind die Auswirkungen des Coronavirus
  • Die neuesten Entwicklungen von Corona in Kassel im News-Ticker

Kassel - Viele wissen nicht, wie es weitergehen soll: Die Gastronomen in Kassel müssen um ihre Existenz fürchten. Sie leiden unter den massiven Auswirkungen des Coronavirus. Viele sehen einer Insolvenz entgegen, wenn sich die Situation nicht ändert.

Auswirkungen von Corona in Kassel: Vapiano

Die Restaurantkette Vapiano fällt dem Coronavirus zum Opfer, teilt Geschäftsführerin Vanessa Hall gestern schriftlich mit. Filialschließungen wegen der Pandemie hätten starke Gewinneinbußen verursacht. Das Unternehmen sei zahlungsunfähig – die Insolvenz drohe. Damit sei auch die Filiale in Kassel gefährdet. Sie ist ein Franchise-Restaurant und wurde noch nicht geschlossen – im Gegensatz zu den 55 Filialen in Deutschland, die Vapiano selbst betreibt. Zu den Auswirkungen auf die Kasseler Filiale ist nichts bekannt. Der Geschäftsführer war bis Redaktionsschluss nicht erreichbar.

Auswirkungen von Corona in Kassel: Anadolu

„Ich weiß nicht, wie’s weitergehen soll“, sagt Franciss Yochann Gorgis, Chef des türkischen Restaurants Anadolu in Kassel. Die Schließung bedrohe seine und die Existenz seiner rund 30 Mitarbeiter. Die Sultans Shisha Lounge, die er ebenfalls betreibt, habe Gorgis bereits schließen müssen. Das bedeute erhebliche Gewinneinbußen. „Wir haben zwar einen Bringdienst, aber der rentiert sich nicht“, beklagt der Unternehmer. Natürlich wolle er ab Mittag die Grillspieße ruhen lassen. „Aber wir brauchen Hilfe vom Staat, sonst war’s das.“

Auswirkungen von Corona in Kassel: Pizzeria Avanti

Die Lage ist heikel, findet Nadeem Mida. Es kämen ohnehin schon weniger Gäste, sagt der Junior-Chef der Pizzeria Avanti in Baunatal. „Wir haben wenigstens die Möglichkeit mit dem Abholgeschäft“, erklärt der 25-Jährige, „aber das wird auch weniger, weil die Leute Angst haben, rauszugehen.“ Wie es weitergehen soll, wisse er nicht. „Wir können nicht abschätzen, wie lange wir so durchhalten“, sagt er.

Auswirkungen von Corona in Kassel: Humburg’s Eck

Auch für Matthias Eskuche, Inhaber von Humburg’s Eck, verschärft sich die Lage. Schon die vergangene Woche sei schlecht gewesen. „Es ist existenzbedrohend“, sagt er. Einen Bring- oder Abholservice könne Eskuche nicht anbieten. Ob und wie er sein Geschäft in Baunatal am Laufen halten kann, weiß er nicht. „Ich habe noch keine Lösung.“ Zudem mache er sich Sorgen, wie es nach der Corona-Krise weitergeht – sollte er bis dahin durchhalten. „Wenn die Leute nicht wiederkommen, wie vorher, wird’s eng.“

Auswirkungen von Corona in Kassel: Waldhotel Schäferberg

Freitag, den 13. März, werden Axel Brandt und Heike Kober, die Betreiber des Waldhotels Schäferberg in Espenau, so schnell nicht vergessen. „Das war der Tag der Stornierungen”, sagt Kober. Weil nur noch wenige Handwerker im Hotel übernachten und der Restaurantbetrieb untersagt wurde, entschloss sich das Paar dazu, den Betrieb vorübergehend zu schließen. Telefonisch bleibe man aber erreichbar. Die rund 70 Angestellten sind nun in Kurzarbeit. Für viele sei das ein großes Problem, weil die Gastronomie ohnehin ein Niedriglohnsektor sei. Und jetzt fällt auch noch das Trinkgeld weg. „Einen Monat könnten wir überstehen”, sagt Axel Brandt. Aber ohne staatliche Hilfe gehe es dann nicht weiter.

Auswirkungen von Corona in Kassel: Schönewald

„Das hat böse Auswirkungen”, ist sich Brigitte Schönewald sicher. Sie ist die Senior-Chefin des Hotels und Restaurants Schönewald in Fuldatal-Simmershausen. Normalerweise treffen sich in der einzigen Gastwirtschaft im Ort viele Einwohner. „Wir haben erst mal Kurzarbeitergeld für unsere Angestellten beantragt”, sagt Schönewald. So etwas habe sie noch nie erlebt. „Mal schauen, wie es dann weitergeht.” Und auch im Hotel übernachten nur noch wenige Arbeiter. Falls die am Montag wiederkommen, hat die Senior-Chefin einen großen Eintopf vorbereitet.

Auswirkungen von Corona in Kassel: Wirtshaus Patte

„Grundsätzlich sind die Maßnahmen richtig, aber für uns ist das existenzbedrohend”, sagt Michael Linke. Er betreibt das Wirtshaus Patte in Wolfsanger. Bis Anfang Juni seien alle Reservierungen storniert. Um zumindest einen Teil der Einbußen aufzufangen, bietet er einen Abholservice an. Von 17 bis 20 Uhr bekommen Kunden Schnitzel, Burger und Steaks zum Mitnehmen. Linke feiert im September 15 Jahre Selbstständigkeit. „Hoffentlich erlebe ich das noch.“

Einkaufen in Zeiten von Corona: Viele Kunden lassen ein Dankeschön da.

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