Coronavirus in Kassel

Sie kämpfen gegen Corona: Zwei Geschäftsleute aus Kassel berichten von ihrer Situation

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Leerer Laden, leere Kasse: Schuhmacher Thomas Bauer will trotzdem weitermachen.

Wegen des Coronavirus in Kassel: Menschen in der Region leiden unter den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise. 

  • Die Corona-Krise hat Auswirkungen in Kassel.
  • Zwei Geschäftsleute erzählen von ihren Erfahrungen
  • Ein Schuhmacher und ein Buchhändler sind in der Krise

Kassel - Corona bedroht nicht nur Menschenleben, sondern auch die Existenz von Selbstständigen in Kassel. Wir lassen beispielhaft zwei Händler zu Wort kommen, denen die Krise besonders zu schaffen macht. Lothar Röse von der Hofbuchhandlung Vietor und Thomas Bauer von Bauers Schuhhandwerk erzählen uns nun jede Woche, wie es ihnen in dieser Krise ergeht. Zum Auftakt stellen wir die beiden vor.

Corona in Kassel: Der Buchhändler in der Krise

Die letzten sechs Jahre waren die glücklichste Zeit seines Lebens, sagt Lothar Röse. 2014 hat der gebürtige Kasseler die traditionsreiche Hofbuchhandlung Vietor am Ständeplatz übernommen. Die drei Jahrzehnte zuvor war Röse in der Autoindustrie, im Hotelgewerbe und in der Werbung tätig – im In- und Ausland. Aber erst über seinen Job als Buchhändler sagt er: „Es macht Spaß ohne Ende.“

Nach einer schweren Krankheit kehrte der Vater eines Sohnes und Opa von zwei Enkeln in seine Heimatstadt zurück. Röse leidet unter der Lungenkrankheit COPD. Manchmal bekommt er schwer Luft. Wegen Corona muss er nun besonders aufpassen.

Der 64-Jährige kann Menschen begeistern und pointiert formulieren. Mit Vietor will er keine „Taschenbuchhandlung“ sein. Vielmehr besetzt er eine Nische. Er verkauft besondere Bücher. Dafür gab es mehrere Auszeichnungen. Trotzdem hat er mit seinen vier Mitarbeitern bis voriges Jahr kein Geld verdient. Gerade erst hat er den „Turnaround“ geschafft, wie er sagt. Dann kam Corona.

Allein den Verlust der vergangenen drei Wochen schätzt er auf 50 000 Euro. Manchmal wacht er morgens um Viertel nach fünf auf und kann nicht mehr schlafen. „Ich habe keine Sorgen, ich habe Angst“, sagt Röse.

Corona in Kassel: Der Schuhmacher in der Krise

Am Ende der vergangenen Woche hatte Thomas Bauer 90 Euro in seiner Kasse. Ganze drei Kunden hatten sich an fünf Tagen zu dem Schuhmacher in der Ludwig-Mond-Straße verirrt. „Das Geld deckt gerade so die Heizkosten ab.“ In einer normalen Woche liegt sein Umsatz zwischen 1000 und 1500 Euro. Um die Ladenmiete zu bezahlen und neues Material zu bestellen, ist er auf die Einnahmen angewiesen.

Seit 15 Jahren ist Bauer schon selbstständig, aber so etwas hat er in seinem ganzen Leben noch nicht durchgemacht. „Da geht es mir wohl wie allen aus der Nachkriegsgeneration“, sagt der 52-Jährige.

Als Handwerker darf Bauer zwar weiter geöffnet haben, aber „ganz offensichtlich haben die Menschen momentan andere Sorgen, als ihre kaputten Schuhe reparieren zu lassen oder sich gar Maßanfertigungen machen zu lassen.“ Dabei sei im Frühling und Herbst normalerweise besonders viel los. Die Leute holten ihre Schuhe für die neue Saison aus dem Schrank und brächten sie erst mal zu ihm. 

„Und für Maßanfertigungen gibt es derzeit nun auch keinen Bedarf. Man kann ja ohnehin nicht Ausgehen.“ Bauer will sein Geschäft trotzdem erst mal weiter öffnen. Allerdings nur eingeschränkt: von Montag bis Freitag von 15 bis 18 Uhr. Um sich und seine Kunden zu schützen, hat er einen Stehtisch vor dem Tresen aufgebaut. So kann ein Sicherheitsabstand eingehalten werden.

Der Kasseler will vorerst keine staatliche Unterstützung beantragen. „Da gibt es sicher Selbstständige, die es noch dringender nötig haben.“ Aber wenn das bis Ende April so weitergehe, werde auch er die Soforthilfe in Höhe von 10 000 Euro nötig haben.

Wie Lothar Röse seinen Laden und Thomas Bauer seinen Betrieb durch die Coronakrise führen, lesen Sie nun regelmäßig hier.

Von Matthias Lohr und Bastian Ludwig

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