Kleine Päckchen, große Wirkung

Hilfsbereitschaft in Corona-Zeiten: Gabenzäune in Kassel werden gut angenommen

Nicht tatenlos zusehen: Julius Bagnucki (von links) und Haris Dzomba wollen mit ihrem Gabenzaun am Spielplatz Bürgipark an der Ecke Mönchebergstraße/Ysenburgstraße Menschen helfen, die bedürftig sind.
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Nicht tatenlos zusehen: Julius Bagnucki (von links) und Haris Dzomba wollen mit ihrem Gabenzaun am Spielplatz Bürgipark an der Ecke Mönchebergstraße/Ysenburgstraße Menschen helfen, die bedürftig sind.

Auch in Kassel gibt es die ersten Gabenzäune. Die Hilfsbereitschaft ist groß - ebenso wie die benötigte Hilfe.

  • Das Coronavirus wirkt sich stark auf den Alltag in Kassel aus.
  • Auch Tafeln mussten schließen - für Hilfsbedürftige ein großes Problem.
  • Deshalb gibt es in Kassel jetzt ach Gabenzäune.

Es ist Montagmorgen. Zwei junge Männer verstauen Lebensmittel in Plastiktüten und hängen sie an den Zaun des Spielplatzes am Bürgipark im Stadtteil Wesertor in Kassel. Haris Dzomba und Julius Bagnucki haben hier kürzlich einen sogenannten Gabenzaun eingerichtet. „Viele Hilfseinrichtungen wie die Tafel können gerade nicht arbeiten. Wir wollen einspringen und etwas für Bedürftige tun“, erklärt Dzomba.

Die Idee kam dem 23-Jährigen durch eine Fernsehreportage, in der von Gabenzäunen in anderen Städten berichtet wurde. „Da dachte ich: Das können wir auch.“ Und sein ebenfalls 23-jähriger Kommilitone Julius Bagnucki war sofort mit im Boot. „Wir haben gerade sowieso nicht so viel zu tun“, sagt Bagnucki. „Haris kann wegen Corona gar nicht zur Arbeit und mein Job ist reduziert.“

Corona in Kassel: Menschen bringen verschiedene Artikel an Gabenzäune

Ihr Projekt scheint schon gut angenommen zu werden. „Menschen bringen nicht nur Lebensmittel her, sondern auch Kosmetikartikel, Decken und Schuhe“, sagt Dzomba. Und die seien auch ratzfatz weg. Während des Gesprächs mit den beiden Studenten kommt ebenfalls eine junge Frau, die fragt, ob sie sich etwas mitnehmen kann: „Es ist schwer, weil ich nicht zur Arbeit kann und nichts verdiene“, sagt sie.

Bagnucki und Dzomba zögern nicht und geben der Frau ein paar Sachen in die Hand. „Schön, da sehen wir gleich, dass es klappt“, sagen sie. Sie seien sehr dankbar, dass die Kasseler Sparkasse und der Verband Deutscher Wirtschaftsingenieure Kassel (VWI) ihnen geholfen hätte. Auch vom Aldi Kassel-Wehlheiden haben sie Lebensmittel erhalten. Nun hoffen die Studenten, dass noch weitere Menschen den Zaun entdecken und etwas dranhängen.

Wunsch: Projekt soll nach Corona-Krise in Kassel weitergeführt werden

Wichtig sei, dass möglichst nur langsam verderbliche Lebensmittel oder andere Gegenstände in stabilen Tüten aufgehängt werden. Diese sollten weit oben am Zaun aufgehängt werden. Dzomba und Bagnucki bitten auch darum, dass keiner Müll liegen lässt. „Wir wollen täglich vorbeigehen und gucken, dass sich die Leute auch dran halten.“ Dann stehe dem Projekt nichts mehr im Wege. Der Wunsch der beiden ist, nach der Coronakrise mit dem Projekt weiterzumachen. „Vielleicht kriegen wir weitere Supermärkte ins Boot, die spenden oder einen Teil ihres Parkplatzes für einen Zaun zur Verfügung stellen“, sagt Dzomba.

Unterstützt werden die angehenden Wirtschaftsingenieure auch vom Verein Sozialer Zaun Kassel. „Es ist toll, was sie in Wesertor auf die Beine stellen“, sagt Sandra Hilpert. Mit ihrem Verein habe sie an der Friedrich-Ebert-Straße ebenfalls einen Gabenzaun starten wollen. Das sei aber leider gescheitert. „Wir suchen derzeit nach einem neuen Platz“, sagt die 50-Jährige. Bis der gefunden ist, unterstützt sie Bagnuckis und Dzombas Projekt mit Artikeln, die sie selbst gesammelt hatte. Tierfutter, Toilettenpapier und andere Dinge des täglichen Gebrauchs, die sich länger halten.

Corona in Kassel: Auch Stadtverwaltung begrüßt Gabezäune

Auch die Stadt Kassel begrüße den Gabenzaun: „Das zeigt die Solidarität in der Gesellschaft“, teilt ein Stadtsprecher auf Anfrage mit. Lebensmittelrechtlich werde die Spende von Lebensmitteln durch einzelne Privatpersonen nicht reglementiert. „Um den Bedürftigen jedoch eine gewisse Qualitätssicherung zu bieten, sollten Gabenzäune nur eingerichtet werden, wenn sie auch betreut werden“, sagt der Sprecher. Sei das der Fall, stünde dem Projekt nichts im Wege.

Service: Wer Fragen an Dzomba und Bagnucki hat oder ihnen helfen möchte, kann sie über folgende E-Mail-Adresse kontaktieren: haris.dzomba@vwi-kassel.de

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