Offener Brief an Bundestagsabgeordnete

Geschäftsinhaber aus Kassel fordern: Geimpfte und Getestete sollen einkaufen dürfen

Geschäftsaufgabe: Geräumtes Modegeschäft an der Wilhelmsstraße in Kassel
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Sorgen um die Zukunft der Innenstadt: Dieser Modeladen an der Wilhelmsstraße ist längst nicht das einzige Kasseler Geschäft, das in Corona-Zeiten bereits aufgegeben hat.

Geschäftsleute haben vor den Beratungen zur Bundes-Notbremse an regionale Abgeordnete appelliert: Sie fordern faire Lockdown-Regeln in Kassel.

Kassel – Vor den Beratungen am Mittwoch (21.4.2021) im Bundestag über deutschlandweit einheitliche Lockdown-Regelungen haben Einzelhändler auch in Kassel Nachbesserungen an der geplanten Änderung des Infektionsschutzgesetzes gefordert. Sie appellieren in einem Offenen Brief an die regionalen Bundestagsabgeordneten, sich für „angemessene und faire“ Bedingungen im Sinne der Ladenbetreiber einzusetzen.

Die Händlergemeinschaft der Kasseler City-Kaufleute sowie die Managerinnen der Einkaufsgalerien City-Point und Dez haben sich dem Aufruf der Initiative „Das Leben gehört ins Zentrum“ angeschlossen. Dazu gehören neben Handelsverbänden und Betreibern von Shoppingcentern auch in Kassel tätige große Filialisten wie Galeria, C&A, Deichmann, H+M und Thalia. Sie kritisieren vor allem, dass die Läden nicht für Geimpfte und Getestete öffnen dürfen sollen. Und dass ihnen die Möglichkeit zur Bedienung angemeldeter Kunden (Click & Meet) kürzlich wieder genommen wurde.

Kassel: RKI stuft Corona-Risiko im Handel als niedrig ein

Das stehe im Widerspruch zu wissenschaftlichen Erkenntnissen, machen die Händler geltend. So stufte das Robert-Koch-Institut das Infektionsrisiko im Handel ausdrücklich als niedrig ein. Auch eine Studie der TU Berlin habe aktuell gezeigt, dass eine vollständige Schließung der Geschäfte bei Maskenpflicht kaum zusätzliche Wirkung habe.

Die umfangreichen Bemühungen der Ladenbetreiber, Sicherheit beim Einkauf zu gewährleisten, fänden „überhaupt keine Anerkennung“, kritisiert Vorsitzender Alexander Wild von den City-Kaufleuten. Dessen Mitglieder hätten kaum noch Verständnis dafür, dass ihnen statt dessen immer neue Einschränkungen auferlegt würden. „Es gibt inzwischen jede Menge Testzentren“, sagt Wild; „doch die Händler und Kunden haben nichts davon“.

In Kassel gebe es auch größere Handels-Filialisten, denen allmählich die Luft ausgehe. Insgesamt sei die Motivation der Einzelhändler im Keller, vor allem auch wegen der Ungleichbehandlung verschiedener Branchen. So sollen laut Gesetzentwurf zur Bundes-Notbremse beispielsweise Buchhändler und Blumenläden öffnen dürfen, Spielzeuggeschäfte aber nicht. Baumärkte würden wohl wieder schließen müssen, während reine Gartencenter offen bleiben können. Weitere Informationen zu Corona in Kassel gibt es im News-Ticker.

Unternehmer in Kassel befürchten „Leerstand und dauerhafte Verödung“ in der Innenstadt

In dem Offenen Brief wird auch beklagt, dass etwa für Messen und Flughäfen Entschädigungen fließen, „aber viele Einzelhändler, Hotels und Gastronomen ihrer Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit beraubt werden“. Dabei gehe es nicht zuletzt auch um die Zukunft der Innenstädte selbst, denen „Leerstand und dauerhafte Verödung“ drohen würden, heißt es in dem Appell an die Bundestagsabgeordneten.

Die stimmen am Mittwoch über die Änderung des Infektionsschutzgesetztes ab. Demnach würden bundeseinheitliche Beschränkungen in Kraft treten, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz in einer Stadt oder einem Landkreis drei Tage in Folge über 100 Fälle pro 100.000 Einwohner liegt. (Axel Schwarz)

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