Corona in Kassel

Kassel: Händler klagt über Maskenverweigerer - „ Es wird immer schlimmer“

Nicht alle sind so einsichtig wie Borat und Mona Lisa: Auch mit diesen Plakaten machen Kasseler Geschäfte auf die Maskenpflicht aufmerksam.
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Nicht alle sind so einsichtig wie Borat und Mona Lisa: Auch mit diesen Plakaten machen Kasseler Geschäfte auf die Maskenpflicht aufmerksam.

Je länger Corona dauert, desto mehr Maskenverweigerer gibt es, klagt ein Kasseler Einzelhändler. Er hat den Uneinsichtigen einen ungewöhnlichen Brief geschrieben.

Kassel – Als Markus Meier es satthatte, Kunden aus seinem Laden zu werfen, die keine Maske tragen wollen, hat er ihnen einen Brief geschrieben. Markus Meier heißt eigentlich anders, aber er hat Angst vor den Maskenrebellen und selbst ernannten Querdenkern. „Die kommen mit Mistgabeln und Fackeln vorbei“, sagt der 46-Jährige, dem wir darum ein Pseudonym geben. Man darf auch nicht schreiben, was für ein Geschäft er hat. Zu groß ist die Angst, nachdem er schon mal „komische Post“ von Gegnern der Corona-Maßnahmen im Briefkasten hatte.

Damit seine Botschaft trotzdem ankommt, hat er seinen Brief der HNA geschickt. Er beginnt mit den Worten „Guten Tag, Ihr Maskenrebellen“ und stellt klar, dass Meier bereit ist, die Polizei zu rufen und Anzeige zu erstatten, wenn Kunden ohne Maske seinen Laden betreten. Würden er oder einer seiner vier Mitarbeiter sich mit Corona infizieren, müsste er das Geschäft schließen. Das kann er sich nicht leisten: „Das hier ist mein Laden, mein Leben. Ich habe keinen anderen Job. Dieser Laden ist alles, was ich habe. Daher muss ich weiterhin auf die Maskenpflicht bestehen und werde meine Existenzgrundlage verteidigen wie ein Löwe.“

Kasseler Händler richtet Brief an Maskenverweigerer

Im Gespräch schildert Meier gleich zwei Fälle. Einmal kam eine Frau Mitte 40 ohne Maske in den Laden. Nach dem freundlichen Hinweis, eine Maske aufzuziehen, sagte die Kundin, er solle nicht so ein Bohei machen. Die Maskenpflicht verletze ihr Recht, frei zu atmen. Für Kunden, die ihren Mund-Nasen-Schutz vergessen haben, gibt es im Geschäft frische Masken. Wer auch die nicht aufziehen will, wird freundlich an der Tür bedient. All das wollte die Frau nicht. Sie ging erst nach einer zehn Minuten langen Diskussion, als Meier begann, sie zu filmen. Da atmeten die anderen Kunden auf.

Ich werde meine Existenzgrundlage verteidigen wie ein Löwe.

 Markus Meier (Pseudonym)

Ein anderes Mal wollte ein älterer Herr mit seiner Frau in den Laden. Beide ohne Maske. Das findet Meier besonders unvernünftig: „Die waren definitiv Risikogruppe. Gerade für die machen wir das alles.“

Händler aus Kassel schimpft über Maskengegner

Mit seinen Erfahrungen ist der Einzelhändler nicht allein. Andere Kaufleute berichten, dass bis zu dreimal in der Woche Maskenverweigerer in ihre Läden kommen. Meier geht es nicht um die, die mal das Stück Stoff vergessen haben, das andere schützen soll, sondern um die, die bewusst uneinsichtig sind und damit eine Ordnungswidrigkeit begehen: „Das werden immer mehr.“ Manche wedeln gleich mit einem Attest, das sie von der Maskenpflicht befreien soll. Meier schätzt, dass neun von zehn Schreiben „Fake-Atteste“ sind.

Auch bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes in Berlin verweist man darauf, dass so ein Schein nicht unbedingt eine Ausnahme von der Maskenpflicht bedeutet. Zum einen seien Geschäftsleute und Dienstleistungsbetriebe wegen ihres Hausrechts nicht an die Ausnahmeregelungen gebunden, die die Corona-Verordnungen vorsehen. Zum anderen gebe es mit der Gesundheit von Mitmenschen „starke Gründe, die die Durchsetzung der Maskenpflicht rechtfertigen“, wie ein Sprecher sagt.

Händler aus Kassel bedient Maskenverweigerer nur an der Tür

Das Angebot, Kunden an der Tür zu bedienen, wie es auch Meier macht, sei „eine sinnvolle Lösung, um den Anforderungen des Diskriminierungsschutzes und denen des Infektionsschutzes gerecht zu werden“.

Meier wird seinen Laden weiter wie ein Löwe verteidigen. Da, so schließt er seinen Brief an die Maskenrebellen, „könnt ihr so viele schlechte Rezensionen schreiben, wie ihr wollt“. Es gilt weiter, was auf seinem Schild steht: „Keine Maske, kein Zutritt, keine Debatte.“ (Matthias Lohr)

Auch in Kassel ist die Querdenker-Szene aktiv - vor kurzem haben einige Querdenker eine Auto-Demo gegen die bestehenden Corona-Regeln organisiert. Und Querdenkerin „Jana aus Kasel“ hat mit ihrem Sophie-Scholl-Vergleich für nationale Empörung gesorgt.

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