Zahlen steigen seit Oktober

Corona in Kassel: Sprunghafter Infektionsanstieg - Zweite Welle bringt Kliniken an ihre Grenzen

Elisabeth-Krankenhaus aus der Luft
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Gut ausgelastet: Im Elisabeth-Krankenhaus Kassel werden derzeit drei Corona-Patienten auf der Intensivstation behandelt. Eigentlich ist die Klinik nur für zwei Corona-Intensivpatienten vorgesehen.

Die zweite Corona-Welle hat es in sich: Deutschlandweit kommen zahlreiche Krankenhäuser an ihre Grenzen - auch in Kassel.

Kassel – In einzelnen Bundesländern ist die Zahl der Intensivpatienten fünfmal so hoch wie im April. Auch ein Kasseler Krankenhaus schlägt Alarm. „Wir sind deutlich über unserer Belastungsgrenze“, sagt Dr. Uwe Behrmann, Chefarzt der Unfallchirurgie und Orthopädie und Ärztlicher Direktor am Elisabeth-Krankenhaus.

In der Klinik am Weinberg befinden sich aktuell 23 Corona-Infizierte, davon müssen drei intensiv behandelt werden. Nach Planungen des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration seien für das Elisabeth-Krankenhaus aber nur zwei Intensiv-Patienten und neun für die Normalstation vorgesehen, erklärt Behrmann. Hinzu kämen personelle Engpässe in der Pflege.

Corona-Karte: Das ist die aktuelle Lage in Deutschland

Corona in Kassel - Kasseler Arzt kritisiert: „Es wird gern weggeschaut“

Behrmann kritisiert, dass es während der ersten Welle mehr Unterstützung vonseiten der Politik gab, etwa was Ausgleichszahlungen anbelangt. Nun habe er den Eindruck, dass „anscheinend gern weggeschaut wird“. Der Mediziner sagt aber auch, dass unter Federführung des Klinikums eine gute Zusammenarbeit zwischen den Häusern entstanden sei. Die Last werde auf mehreren Schultern verteilt.

Dem stimmt Dr. Andreas Fiehn, Ärztlicher Direktor der Diakonie-Kliniken, zu. Die Kapazitäten im Diako reichten aus. 14 Patienten befänden sich auf der Isolierstation, zehn Betten stünden dort noch zur Verfügung. Platz gebe es zudem für zwei Patienten, die invasiv beatmet und vier, die nicht beatmet werden müssten. Dank der Kooperation habe es bislang keine Engpässe gegeben.

Kassel in der Corona-Krise: Sprunghafter Anstieg der Infektionen seit Oktober

Worin sich alle Krankenhäuser einig sind, ist die Erkenntnis, dass es seit Oktober einen sprunghaften Anstieg von Infektionen gab, wie es Prof. Ralf Muellenbach vom Klinikum ausdrückt. Dort liegen aktuell 38 Corona-Infizierte, davon 14 auf den Intensivstationen. „Am Klinikum stehen uns glücklicherweise alle Ressourcen zur Verfügung, sodass wir die besonders kritischen Fälle behandeln können“, sagt Muellenbach. Auch Patienten aus anderen Versorgungsgebieten in Hessen und aus anderen Bundesländern werden im Klinikum versorgt.

Im Vergleich zum Frühjahr sei außerdem die Zahl der Erkrankten, die stationär und intensiv behandelt werden müssen, deutlich gewachsen, sagt Behrmann. Und diese Patienten seien jünger. Dr. Andreas Bastian vom Marienkrankenhaus ergänzt, dass die Infizierten im Frühjahr meist ein Risikogebiet oder bestimmte Regionen aufgesucht hätten. „Da wussten wir, wer Corona hatte. Heute kann jeder infiziert sein.“

Corona-Fälle in Kliniken: Vitos-Klinik in Kassel von Infektionen befreit

Den Hinweis einer Leserin, die Kasseler Vitos-Klinik (Psychiatrie) sei von Corona-Infektionen betroffen, weswegen derzeit Mitarbeiter und Patienten durchgetestet würden, hat das Unternehmen gestern zurückgewiesen. Es gebe keine Corona-Infektionen, es werde dort aber durchaus getestet, sagt Sprecherin Ilona Polk. Jedem Mitarbeiter werde angeboten, sich einmal in der Woche auf Covid-19 testen zu lassen. Patienten würden in der Klinik nur dann aufgenommen, wenn sie einen negativen Test vorweisen können oder sich testen lassen.

Die DRK-Kliniken haben sich zur Situation in ihrem Haus nicht geäußert.

Deutlicher Anstieg der Corona-Fälle in Stadt und Kreis Kassel - auch Zahl der Todesfälle weiter hoch

Unterdessen ist die Zahl der Coronafälle in Stadt und Kreis Kassel erneut deutlich gestiegen. 121 weitere Fälle meldete das Gesundheitsamt Region Kassel am Donnerstagmittag. Damit liegt die Gesamtzahl seit Beginn der Pandemie nun bei 5378 Fällen. Auch die Zahl der Todesfälle stieg erneut – in der Stadt um einen auf nun 37 und im Kreis um zwei auf 68.

Von den aktuell 1262 Infizierten in Stadt (plus 67) und Kreis (plus 51) lagen gestern 107 im Krankenhaus. 26 von ihnen müssen intensivmedizinisch behandelt werden. 20 dieser Intensivpatienten werden beatmet. Laut intensivregister.de waren gestern in der Stadt 14,7 Prozent der Intensivbetten von Coronapatienten belegt, im Kreis waren es 9,4 Prozent. Derzeit nicht mehr veröffentlicht wird die Zahl der Genesenen. Laut Stadt wird diese wegen der hohen Fallzahlen und dem damit verbundenen Arbeitsaufwand nicht mehr aktualisiert. (Robin Lipke und Marie Klement)

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