Tests nur bei Verdacht

Keine Corona-Routinetests für Pflegepersonal in Kasseler Kliniken

Pflegepersonal wird auf Corona getestet
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Werden in Kassel nur bei Verdacht getestet: Krankenhausmitarbeiter werden nur bei entsprechenden Symptomen auf Covid-19 überprüft. Unser Foto zeigt die Testung einer Mitarbeiterin des DRK in Sachsen. 

 Krankenhausmitarbeiter werden in Kassel nur bei entsprechenden Symptomen auf Corona getestet. 

Kassel – Wie viel Sicherheit bieten regelmäßige Corona-Tests? Und für welche Berufsgruppen sind diese wirklich sinnvoll? Um diese Fragen dreht sich ein Streit, der zwischen Politik, Gewerkschaften und Ärzten geführt wird.

Corona-Tests für Üflegepersonal: Das fordert Verdi

Wenn es nach Gewerkschaftssekretär Frank Lange von Verdi Nordhessen geht, muss für die Sicherheit des Pflegepersonals in Kliniken und Altenheimen mehr getan werden. Menschen aus dieser Berufsgruppe müssten sich alle zwei Wochen – oder noch besser wöchentlich – auf das Corona-Virus testen lassen können. Dies solle zwar kein Zwang sein, aber ein kostenloses Angebot – ähnlich wie für Lehrer und Erzieher.

Pflegekräfte nur bei Symptomen oder nach Auslandsreisen zu testen, hält Lange, der bei Verdi für den Bereich Gesundheit zuständig ist, für ungenügend. Denn dann könne es schon zu spät sein. Die vielen infizierten und toten Pflegekräfte seien ein Beleg für den Handlungsbedarf. 63 Pflegekräfte sollen seit Beginn der Pandemie an dem Virus in Deutschland gestorben sein. Kein anderer Arbeitsbereich sei so sensibel wie die Alten- und Krankenpflege. „Da geht es um den Selbstschutz und den Schutz der Patienten“, so Lange. An dieser Stelle dürfe nicht an den Ressourcen gespart werden.

Das sagen die Kliniken zu routinemäßigen Corona-Tests für das Pflegepersonal

Auf HNA-Anfrage haben alle Krankenhäuser in Kassel mitgeteilt, dass dort jeweils das Personal nur im Verdachtsfall auf Corona getestet wird. Man setze voll auf die professionellen Schutzmasken, anlasslose Routinetests gebe es in der Regel nicht. Diese sieht das Robert-Koch-Institut aber auch nicht vor.

Im Klinikum Kassel werden allerdings Beschäftigte, die in Bereichen mit besonders gefährdeten Patienten wie der Onkologie oder der Nephrologie arbeiten, jede Woche getestet. Dies betrifft aber nur einen kleinen Teil der 3100 Mitarbeiter. Der Rest kann sich im Verdachtsfall im Labor des Klinikums testen lassen. „Des Weiteren bietet das Klinikum Kassel den Beschäftigten, die aus Risikogebieten zurückkehren, kostenlose Tests an“, so Sprecherin Inga Eisel. In „weniger als 20 Fällen“ seien Tests bisher positiv ausgefallen. Eisel verweist aber darauf, dass sich die Betroffenen nicht im Krankenhaus infiziert und das Virus auch nicht im Haus weitergegeben hätten.

Ähnliche Regelungen gibt es auch am Elisabeth-Krankenhaus: „Was nutzen punktuelle Routinetests? Zehn Minuten später kann es schon wieder anders sein. Wir haben eine klare und pragmatische Lösung gefunden und sind bisher gut damit gefahren. Wir hatten unter unseren 480 Mitarbeitern noch keine Corona-Fälle“, so Krankenhausdirektorin Marieluise Labrie.

Die Sprecherin der Agaplesion Diakonie Kliniken hebt die „Eigenbeobachtung“ des Personals hervor. Die Mitarbeiter seien professionell im Umgang mit Infektionskrankheiten. Bei Auffälligkeiten würden sofort Maßnahmen ergriffen. Bisher habe sich kein Mitarbeiter im Krankenhaus infiziert.

Im Marienkrankenhaus und den DRK-Kliniken gibt es ebenfalls nur gezielte Testungen. Seit März seien im Marienkrankenhaus 100 Mitarbeiter getestet worden – davon zwei mit positivem Ergebnis, so eine Sprecherin. (Bastian Ludwig)

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