Gastronomie

Corona-Lockdown in Kassel: So läuft das Liefer- und Abholgeschäft bei Restaurants

Grischäfer Zentralküche für Caterings an der Otto-Hahn-Straße in Waldau, Gemüsesuppe, v.l. Köchin Stella Rinck, Küchendirektor Claus-Peter Dörk
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Gemüsesuppe fürs Liefer-Menü: In der Grischäfer-Zentralküche in Waldau stehen Köchin Stella Rinck und Küchendirektor Claus-Peter Dörk am Suppenkessel.

Mit Liefer- und Abhol-Angeboten behelfen sich Lokale während des Corona-Lockdowns in Kassel. Es gibt originelle Ideen - doch nicht alle kommen auf ihre Kosten.

Kassel – Für Gastronomen heißt es weiter durchhalten im aktuellen Corona-Lockdown. Viele Restaurantbetreiber hatten schon mit der ersten verordneten Schließungsphase Liefer- und Abholdienste für ihre Speisen gestartet. Auch zahlreiche Einzelhändler aus Kassel bieten in Corona-Zeiten einen Online-Shop an.

Auf die inzwischen eingespielten Abläufe können sie nun bauen. Einigen Lokalen gelingt es so, mit neuen Absatzideen ganz gut durch die schwere Zeit zu kommen und ihrer Umsatzverluste zu begrenzen. Doch nicht für jeden läuft es gut.

Rainer Holzhauer, Betreiber vom Renthof (Kassel) und Grischäfer (Bad Emstal), ist recht zufrieden. Zwar hat er das Abhol-Angebot von Einzelmenüs im Renthof seit Weihnachten eingestellt, „weil die Nachfrage jetzt weniger wird“. Was aber sehr gut nachgefragt werde, seien die „Sieben-Tage-Menüs“, die als Wochenvorrat zum Warmmachen daheim einmal wöchentlich in der Region ausgeliefert werden. Wer sie selbst abholt, etwa an der Alten Brüderkirche, spart die Lieferkostenpauschale.

Corona in Kassel: Zahlreiche Kunden nutzen Angebot

Etwa 350 Stammkunden nutzen laut Holzhauer das Angebot. Der Menü-Vorrat, den es auch in vegetarischer Variante gibt, kostet 60 Euro für Singles und 100 Euro für Paare. Zubereitet wird alles in einer Zentralküche in Waldau, wo die Grischäfer-Truppe sonst für ihre vielen regionalen Veranstaltungs-Caterings kocht. Ab dieser Woche soll es die Menüs auch im Fünfer-Set geben. „Wir haben festgestellt, dass die Leute das gern als Verpflegung im Homeoffice nutzen, aber am Wochenende oft lieber selber kochen“, sagt Holzhauer.

„Super gelaufen“ sei der Lieferservice von Gänsebraten im Advent. Durch die neuen Ideen zur Gästeversorgung habe man die Kurzarbeiterquote im Unternehmen Grischäfer auf 20 Prozent begrenzen können. Das sehe im Hotel Renthof anders aus: „Bei den hohen laufenden Kosten ist das ohne staatliche Hilfen nicht zu schaffen“.

Corona-Lockdown in Kassel: „Von der Regierung gut abgeholt“

Was die Unterstützungsangebote in Corona-Zeiten betrifft, „fühlen wir uns von der Regierung gut abgeholt“, sagt der Gastronom. Existenzängste gebe es nicht. Etwas anderes sei aber die mentale Seite: „Beim ersten Lockdown haben alle gedacht, das geht bald wieder vorbei. Jetzt aber gibt es auch bei uns im Team allmählich große Unsicherheit – was wird in diesem Jahr noch laufen, wann geht es überhaupt wieder weiter?“

Das fragt sich auch Yves Rusch, Inhaber des Matterhorn-Stübli an der Wilhelmshöher Allee. Das Schweizer Lokal bietet ebenfalls einen Abhol- und Bringservice für Menüs von seiner Karte an. Lohnt sich der Aufwand: „Am Wochenende ist es ganz okay. Unter der Woche gibt es Tage, die nicht so grandios laufen“, sagt Rusch. Der Umsatz erreiche „bei weitem“ nicht das Niveau nomaler Zeiten. „Aber wir haben den Vorteil, dass wir ein kleines Lokal und ein Familienbetrieb sind. Wir versuchen, das Beste aus der Situation zu machen.“

Während Corona-Lockdown: Restaurant aus Kassel mit origineller Idee

Dabei hilft eine originelle Idee: Das Matterhorn-Stübli bietet neuerdings jeden Freitag und Samstag ein Käsefondue-Taxi an – die vorbereitete Mischung kommt auf Wunsch auch mit Leih-Kessel ins Haus. Vor allem an Silvester sei das ein Renner gewesen, 65 Fondues habe man an diesem Abend ausgefahren. Aber auch an anderen Wochenenden laufe das Angebot „sehr ordentlich“, sagt Rusch.

Recht verhalten laufe das Abholgeschäft im Restaurant Raffaello in der Südstadt, berichtet Inhaberin Maria Di Lorenzo-Dora: „Das wechselt von Tag zu Tag, in der Woche nach Silvester war gar nichts los“. Der Ertrag des Außer-Haus-Angebots sei „nicht berauschend“, aber immerhin eine Möglichkeit, „die laufenden Kosten etwas zu decken“.

Dabei haben die Raffaello-Inhaber noch das Glück, dass ihnen die Immobilie ihres Lokals selbst gehört. „Da sind viele andere schlechter dran“, sagt die Gastronomin. (Axel Schwarz)

Regeln fürs Abholen im Restaurant

Eine Abholmöglichkeit für Speisen dürfen geschlossene Gaststätten derzeit anbieten, wenn sichergestellt ist, dass

  • die Speisen ohne Wartezeit zur Verfügung stehen oder die Warteplätze so gestaltet sind, dass Abholer mindestens 1,5 Meter Abstand einhalten können,
  • geeignete Hygienemaßnahmen getroffen und überwacht werden sowie
  • Informationen zu den Abstands- und Hygieneregeln ausgehängt sind.

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