Kritik an mangelnder Ausstattung

Corona-Lockdown in Kassel: So geht es in den Schulen weiter - Kritik am Informationsfluss

Symbolbild Lockdown in Schulen: Hochgestellte Stühle, Schultafel, Masken.
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Der zweite Lockdown betrifft auch die Schulen in Kassel: Ab Montag (11.01.2021) lernen die meisten Schüler wieder von zu Hause.

In Hessen sind die Weihnachtsferien offiziell zu Ende. Doch wie geht es während Corona in Schulen in Kassel weiter? Die Informationspolitik ist unterschiedlich.

Kassel - Wie geht es jetzt im zweiten Corona-Lockdown in den Schulen weiter? Das war die drängende Frage von Lehrern, Schülern, Eltern, nachdem die Schulen am 16. Dezember 2020, nur drei Tage vor Beginn der Ferien, geschlossen worden waren.

Am Mittwoch (06.01.2021) kam die ersehnte Information aus Wiesbaden. Kultusminister Alexander Lorz verkündete verbindlich, wie im erneuten Lockdown Unterricht geregelt ist: „Wir haben uns darauf verständigt, den Weg, den wir in Hessen vor Weihnachten eingeschlagen haben, für die Jahrgangsstufen 1 bis 6 weiterzugehen.“ In der Zeit bis zum 31. Januar 2021 bleibe die Präsenzpflicht dort ausgesetzt.“ Schülerinnen und Schüler dieser Jahrgangsstufen könnten allerdings grundsätzlich in die Schule gehen, sagte der Minister. Ab der Jahrgangsstufe 7 findet für alle Distanzunterricht statt. Ausnahmen bildeten die Abschlussklassen.

Corona in Kassel: Digitale Ausstattung in Schulen fehlt

Seit der Bekanntgabe durch das Ministerium sind die Schulen für das Feintuning wieder im Turbo-Gang. Es muss schnellstens kommuniziert und abgesprochen werden, was das Zeug hält: Es müssen Distanz- und gleichzeitig Präsenzunterricht organisiert, die Eltern informiert und die entsprechenden Unterrichtsmaterialien zusammengestellt werden. „Jeder wirbelt, so gut er kann. Unsere Schulleitung arbeitet auf Hochtouren“, sagt Katja Groh, Lehrerin an der Grundschule Am Lindenplatz in Fuldabrück-Bergshausen.

Sie kritisiert, dass es Riesenunterschiede allein in der Ausstattung der Schulen gibt: „Auf unserer Telefonleitung in der Schule können immer nur zwei Personen gleichzeitig Gespräche führen, eine digitale Ausstattung gibt es gar nicht. Videokonferenzen müssen auf privaten Endgeräten abgehalten werden.“ Immer wieder kritisieren Lehrer und Schüler in Kassel den mangelnden Schutz vor Corona in Schulen. Zudem gebe es trotz der neuen Corona-Regeln keinen einheitlichen Kurs für Schulen.

Corona-Lockdown in Kassel: Große Qualitätsunterschiede im Umgang der Schulen

In der Vorgehensweise der Schulen, Eltern und Kollegen zu kontaktieren und im Informationsfluss gibt es große Unterschiede. Eine Mutter mit Kindern auf unterschiedlichen Kasseler Schulen sagt: „Der Informationsfluss ist teilweise sehr zäh.“ Von einer Schule seien die Infos am Donnerstagabend an die Eltern weitergegeben worden und die Kinder hatten auch sofort verbindliche Termine für Online-Sprechstunden.

Von der anderen Schule waren bis gestern Morgen nur allgemeine Informationen gekommen. „Es wird hoffentlich noch konkreter.“ Auch ein Vater von drei Schulkindern sieht große Qualitätsunterschiede im Umgang der Schulen mit den Lockdowns. Enttäuscht war er im ersten Lockdown von einer privaten Schule in Kassel: „Die Aufgaben, die die Kinder bekommen habe, waren überschaubar, sie wurden wenig kontrolliert und das Feedback der Lehrer war gering. Künftig sollen die Aufgaben über eine Schulcloud kommen. Ich bin mal gespannt.“

Corona in Kassel: „Weder digitale Geräte noch WLAN“ in Schulen

Die mangelhafte und uneinheitliche digitale Ausstattung ist nach Ansicht von Katja Groh, die bei der Lehrergewerkschaft GEW im Vorsitzenden-Team der Fachgruppe Grundschule ist, ein enormes Manko für den Umgang mit Fernunterricht. „In unserer Grundschule gibt es weder digitale Geräte noch WLAN. „Es ärgert mich, wenn einfach behauptet wird, 90 Prozent der Schulen seien digital ausgestattet. Das ist doch nicht wahr.“

Sie hält längeren Distanzunterricht für schädlich. „Homeschooling hat mit Unterricht nichts zu tun, das ist betreutes Fernlernen“, sagt sie und wünschte sich stattdessen Wechselunterricht in kleinen Lerngruppen. „Da reichen dann unter Umständen drei Stunden Präsenzunterricht, weil der so intensiv ist.“ Ansonsten werde man unter den Schülern viele Verlierer der Pandemie haben.

Dagegen sagt Kultusminister Lorz: „ „Ich appelliere an alle Eltern, ihre Kinder – wann immer möglich – im Sinne der Kontaktreduzierung zu Hause zu behalten.“ „Bei einem positiven Verlauf der Infektionszahlen strebe man ab dem zweiten Schulhalbjahr für die Klassen 1 bis 6 wieder den Präsenzunterricht an. Darüber würden Schulen und Eltern bis zum Ende des Schulhalbjahres am 31. Januar informiert. (Christina Hein)

Weitere Informationen: kultusministerium.hessen.de

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