Betreiberin wehrt sich

Corona-Streit um Bootshaus: Party und Musik verboten - Besitzerin will sich wehren

Chillen und grillen: So lautete das Motto im Biergarten des Bootshauses an der Fulda, wo DJs wie Chilly-T auflegten – bis die Stadt die Veranstaltungen untersagte.
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Chillen und grillen: So lautete das Motto im Biergarten des Bootshauses an der Fulda, wo DJs wie Chilly-T auflegten – bis die Stadt die Veranstaltungen untersagte.

Die Stadtverwaltung hat die „Grill & Chill“-Veranstaltung am Bootshaus in Kassel wegen des Corona-Risikos verboten. Die Betreiberin wehrt sich und kritisiert die Behörden.

Kassel – Während auf der Kasseler Friedrich-Ebert-Straße jeden Samstag hunderte Menschen feiern können, wurde eine „Grill & Chill“-Veranstaltung am Bootshaus von der Stadt verboten. Die Betreiberin wehrt sich.

Am 15. August herrschte am Bootshaus an der Kasseler Fulda perfekte Biergarten-Idylle. Bereits am Samstagnachmittag hatte Betreiberin Josefa Sütterlin die zweite Auflage ihrer Veranstaltung „Chill & Grill“ gestartet. Familien saßen an Bierzelttischen, hielten Abstand zueinander, tranken etwas und aßen. Mittendrin stand Thomas Illert alias Chilly-T an seinem DJ-Pult und legte Black-Music-Hits auf. Nach dem Willen der Stadt soll es so etwas jedoch nicht mehr geben. Das Ordnungsamt hat Sütterlin ihre „Chill & Grill“-Veranstaltungen untersagt.

Ein weiterer geplanter Abend musste bereits abgesagt werden. Nach jetzigem Stand darf es auch keine weiteren Veranstaltungen geben. Die Stadt hat „das Unterlassen von Musikdarbietungen im Wirtschaftsgarten und in desgleichen aus dem umbauten Gastronomiebetrieb heraus“ angeordnet, wie es auf Bürokratendeutsch im Schreiben heißt, das der HNA vorliegt.

Mitarbeiter des Ordnungsamtes hatten am späten Samstagabend gesehen, wie sechs Gäste vor der Bühne tanzten. Tanzveranstaltungen sind wegen Corona jedoch verboten. Darum erfolgte die Anordnung aus dem Rathaus. Sogar mit einer Versiegelung der „vor Ort vorhandenen technischen Ausstattung zur Musikdarbietung“ wurde gedroht.

Bootshaus-Betreiberin Sütterlin, die auch das wegen Corona seit Monaten geschlossene Gleis 1 im Kulturbahnhof betreibt, will das nicht hinnehmen. Sie hat den Göttinger Rechtsanwalt Alexander Schneehain eingeschaltet. Der findet „das Vorgehen der Stadt absolut unangemessen“. Für die Anordnung, Musikdarbietungen zu unterlassen, gibt es seiner Ansicht nach „keine Rechtsgrundlage“.

Zudem versichert er: „Es hat niemand getanzt. In den Bescheiden wird aber der Eindruck erweckt, dass es sich hier um die bestbesuchte Disco-Veranstaltung seit dem Discofestival in den Messehallen handelt.“ Darum hat er Widerspruch gegen die Bescheide eingelegt und „ein Gespräch mit der Behördenleitung zur einvernehmlichen Regelung“ gefordert. Dazu kam es bislang nicht.

Die Stadt wollte sich gegenüber der HNA nicht näher zu dem Fall äußern. Ein Sprecher teilte lediglich mit, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen einzuhalten seien: „Werden Verstöße festgestellt und wird trotz mehrfacher Verwarnungen die bestehende Verordnungslage missachtet, ist ein behördliches Einschreiten erforderlich“, manchmal müsse auch ein Verbot ausgesprochen werden. Dass die Musik im Außenbereich untersagt wurde, habe nichts mit den Corona-Verordnungen zu tun.

Sütterlin hofft weiterhin auf eine Einigung und noch „auf einige schöne Stunden im September“ bei weiteren „Chill & Grill“-Veranstaltungen. „Andernfalls werden wir gerichtlichen Eilrechtsschutz in Anspruch nehmen“, kündigt Anwalt Schneehain an.

DJ Chilly-T versteht nicht, warum samstags auf der Friedrich-Ebert-Straße hunderte feiern dürfen, „ein gutes Konzept hier aber abgeschmettert wurde“, wie er findet. Der 53-Jährige, der in den 90ern für die legendäre „HR3-Clubnight“ auflegte, kann seinen Beruf schon seit März nicht mehr ausüben und verweist auf andere Städte, die DJs in Außenbereichen von Clubs und Kneipen auftreten lassen.

Nicht verboten sind übrigens die Tai-Chi-Kurse, die Sütterlin sonntags von 15 bis 16 Uhr auf der Wiese hinter dem Bootshaus veranstaltet. Die Übungen dort sollen auch bei Stress und Aufregung helfen. (Matthias Lohr)

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