Rote Bänke werden zum Logenplatz

Wo man sich trotz Corona-Notbremse in Kassel die Zeit vertreiben kann

Fast jede zweite Bank bleibt leer: Die roten Sitzgelegenheiten auf dem Friedrichsplatz in Kassel werden während Corona gern genutzt, um die Mittagssonne mit Abstand zu genießen.
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Fast jede zweite Bank bleibt leer: Die roten Sitzgelegenheiten auf dem Friedrichsplatz in Kassel werden während Corona gern genutzt, um die Mittagssonne mit Abstand zu genießen.

Bei schönem Wetter zieht es viele Menschen in Kassel während der Pandemie nach draußen. Dafür eignen sich unter Einhaltung der Corona-Regeln viele Plätze.

Kassel - Corona-Notbremse und Sonnenschein. Passt das zusammen? Trotz zahlreicher Beschränkungen kann man das gute Wetter in diesen Tagen genießen, ohne gegen Regeln zu verstoßen. Das zeigen auch die Erfahrungen der Polizei und der Stadt Kassel. Es gebe nur eine sehr geringe Zahl von Mitteilungen, dass sich Menschen nicht an die Vorschriften gehalten hätten, sagt Polizeisprecherin Ulrike Schaake. Sowohl tagsüber als auch nachts.

Als absolute Ausnahme bezeichnet Schaake einen Fall, der sich in der Nacht zu Dienstag ereignete. Da hätten Polizisten einen 24-Jährigen aus Nieste (Kreis Kassel) an der Unterführung an der Trompete in der Innenstadt erwischt. Der Mann sei absolut uneinsichtig gewesen, dass er sich dort um diese Zeit wegen der Ausgangssperre nicht aufhalten darf. Deshalb musste er den Rest der Nacht in einer Gewahrsamszelle verbringen.

Corona in Kassel: Menschen halten sich an Vorschriften - Friedrichsplatz beliebter Ort

Auch bei der Stadtpolizei gibt es laut Stadtsprecher Claas Michaelis nicht viele Beschwerden. Der kommunikative Ansatz, auf die Menschen zuzugehen und mit ihnen zu reden, habe sich bislang bewährt. Allerdings zeigt die Stadtpolizei derzeit eine deutliche Präsenz. Wir haben uns mal umgeschaut, wo die Menschen ihre Zeit in der Sonne verbringen. Mit Abstand natürlich.

Da die Cafés und Eisdielen geschlossen sind, erfreuen sich Bänke derzeit sehr großer Beliebtheit. Auf dem Friedrichsplatz fallen sie durch die Farbe Rot besonders ins Auge. Gestern Mittag war eigentlich jede zweite Bank besetzt. Dort verbrachten aber nicht nur viele Menschen ihre Mittagspause.

Iris Sigmanski und Armin Dienst, die beide in Frankfurt leben, nutzten den schönen Tag, um einen Ausflug nach Kassel zu machen. Zum letzten Mal waren sie vor vier Jahren hier. Bei der documenta 14. „Wir haben bislang hier nur freundliche Leute getroffen. Das ist uns aufgefallen“, sagten die beiden, als sie sich gegen 12 Uhr auf einer der roten Bänke stärkten. Anschließend wollten Sigmanski und Dienst die Zeit nutzen, um sich die Außenkunstwerke in der Karlsaue sowie den Bergpark Wilhelmshöhe anzusehen.

Machten während Corona einen Ausflug nach Kassel: Iris Sigmanski und Armin Dienst aus Frankfurt.

Corona-Notbremse: Menschen genießen Wetter auf der Grimmwelt in Kassel

Die Museen sind derzeit zwar geschlossen, aber auf der Grimmwelt am Weinberg kann man zumindest das Dach besteigen, was von vielen Menschen gern gemacht wird. Der Ausblick über die Südstadt und Söhre ist herrlich. Kirsten Gabriel und Erkan Bicer, die in einer Wirtschaftskanzlei in der Innenstadt arbeiten, suchten sich auf den Treppenstufen ein schönes Plätzchen, um ihre Mittagspause zu genießen. Mit Abstand.

Viele Leute holen sich momentan Essen zum Mitnehmen in der Mittagspause, um dies an einem schönen Ort zu verspeisen. Mitunter reichen die Abfalleimer allerdings nicht aus, um alle Essensbehälter aufzunehmen.

Mittagspause auf der Grimmwelt in Kassel: Kirsten Gabriel und Erkan Bicer genießen die Sonne in der Corona-Pandemie.

Kassel in der Corona-Pandemie: Kaffee und Eis wird in der Friedrich-Ebert-Straße genossen

Pia-Marie Günther arbeitet in der Kaffeerösterei Seegert an der Friedrich-Ebert-Straße und hat das Geschehen im Blick. Momentan kommen wenige Laufkunden, um sich einen Kaffee zum Mitnehmen hier zu holen, sagt Günther. Die Stammkunden haben dafür viel Redebedarf und tauchen eigentlich jeden Tag auf, um über die neuesten Corona-Entwicklungen zu sprechen.

Der Kaffee wird dann auf dem Platz der elf Frauen getrunken. Dies ist auch ein beliebter Ort für Kunden der gegenüberliegenden Eisdiele. Halten sich alle an die Regeln? Wenn es warm wird, rücken manche schon näher und verzichten auf Masken, hat die junge Frau beobachtet. Aber Polizei und Ordnungsamt würde regelmäßig vorbeikommen, um das Treiben im Blick zu haben.

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Auch während Corona: Blumeninsel „Siebenbergen“ ist beliebte Anlaufstelle in Kassel

Um die Blumeninsel Siebenbergen zu besuchen, ist jetzt ein negativer Coronaschnelltest notwendig, der nicht älter als 24 Stunden sein darf. Das gilt auch für Kinder ab sechs Jahren. Zudem muss man auf der Insel eine Maske tragen, das ist sonst in der Karlsaue nicht erforderlich. Die Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) plane, die Blumeninsel künftig auch montags zu öffnen, so Sprecherin Lena Pralle. Schließlich gebe es derzeit nicht viele Alternativen für die Freizeitgestaltung.

Nicht nur Menschen leiden derzeit unter einer Pandemie. Die beiden Pfauen, die auf der Blumeninsel leben, müssen aktuell wegen der Vogelgrippe im Stall bleiben. Da geht es uns Menschen ja noch richtig gut.

Botanischer Garten in Kassel ohne Corona-Test zugänglich - Straßenverkauf in der Goethestraße

Der Botanische Garten und die Weinbergterrassen sind – wie alle übrigen öffentlichen Grünanlagen – ohne Schnelltest zugänglich, heißt es von der Stadt Kassel. Allerdings gibt es für den Botanischen Garten und die Weinbergterrassen genaue Öffnungszeiten. Diese sind täglich von 8 bis 20 Uhr. Das Kakteenschauhaus im Botanischen Garten ist dagegen geschlossen.

Der abendliche Treffpunkt im Vorderen Westen schlechthin ist normalerweise der Affenfelsen vor dem „Chacal“ in der Goethestraße. Im Sommer tummeln sich dort Menschenmassen, doch die kleine Kneipe hat noch geschlossen. Dafür ist nun weiter vorn in der Goethestraße viel los. Seitdem der „Uhlenspiegel“ an der Querallee Würstchen und Bier verkauft, stehen und sitzen die Menschen Abend für Abend über die gesamte Goethestraße verteilt – in aller Regel mit Abstand. Es ist ein bisschen Normalität und doch noch ungewohnt. Und um 20 Uhr ist Schluss mit dem Straßenverkauf. (use, kme, mal)

In Nordhessen sind derzeit viele Regionen rund um Kassel von der bundesweiten Corona-Notbremse betroffen. Alle Informationen zur Corona-Lage in der Region Kassel gibt es in unserem News-Ticker.

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