Das sagen Händler, Friseure, Kita-Betreiber

Corona-Lockdown in Kassel: Erste Reaktionen aus Stadt und Landkreis

Ab Mittwoch kein Problem mehr: Überfüllte Schulbusse wie hier in Wolfhagen wird es mit der Aufhebung des Präsenzunterrichts an allen hessischen Schulen vorerst nicht mehr geben.
+
Ab Mittwoch kein Problem mehr: Überfüllte Schulbusse wie hier in Wolfhagen wird es mit der Aufhebung des Präsenzunterrichts an allen hessischen Schulen vorerst nicht mehr geben.

Der harte Lockdown kommt - und zwar bereits ab Mittwoch (16.12.2020). Wie bewerten die Menschen in Stadt und Landkreis Kassel die verschärften Corona-Regeln?

Kassel - Bund und Länder haben entschieden: Der harte Lockdown kommt, und zwar bereits ab Mittwoch (16.12.2020). Der Einzelhandel muss schließen, Friseure machen dicht, Schulen und Kitas gehen in den Notbetrieb. Wie bewerten die Menschen in Stadt und Landkreis Kassel die verschärften Coronaregeln? Wir haben uns umgehört und erste Reaktionen eingefangen.

Corona-Lockdown in Kassel: Reaktionen im Einzelhandel

„Dass es so schnell geht, damit habe ich nicht gerechnet“, sagt Alexander Wild, der Vorsitzende der Kasseler City-Kaufleute. Die Politik habe offenbar aus den vorangegangenen Gesprächsrunden gelernt und bemühe sich jetzt um eine einheitliche und klare Regelung. Für den Einzelhandel sei der harte Corona-Lockdown ab Mittwoch gleichwohl eine Katastrophe. Viele Händler hätten geahnt, dass es nicht mehr lange dauern kann und entsprechend reagiert. Rabattaktionen wie im Moment seien sonst im Vorweihnachtsgeschäft nicht üblich. „Ich gehe davon aus, dass es am Montag und Dienstag noch mal einen größeren Andrang geben wird“, sagt Wild. Das sei dann eine erhebliche Herausforderung für alle Beteiligten, mit Schlangen vor den Geschäften müsse man rechnen.

Corona-Lockdown: Kassel-Gutschein als Alternative

Wer sich das ersparen wolle, könne auf den Kassel-Gutschein zurückgreifen. Das sei auf jeden Fall besser als ein Notkauf. Der Gutschein sei bisher schon ausgezeichnet angelaufen. Man könnte ihn ganz bequem im Internet unter kassel-gutschein.de kaufen. Damit unterstütze man den Einzelhandel vor Ort und der Beschenkte könne den Gutschein bequem einlösen, wenn sich die Situation wieder entspannt habe.

Wie es jetzt genau weitergeht, weiß Jessica Reinhardt noch nicht. Die Center-Managerin des City Points am Königsplatz könne so kurz nach der Entscheidung keine Auskunft geben: „Wir müssen nun die finale Verordnung abwarten.“ Ab Montag würde sich das Einkaufszentrum mit den Mietern austauschen.

Corona in Kassel: Vor dem Lockdown noch zum Friseur

Im Kasseler Friseursalon „Hair by Aida“ stand das Telefon in den vergangenen Tagen selten still. „Viele Kunden haben schon geahnt, dass es einen harten Lockdown geben wird und wollten kurzfristig noch einen Termin vereinbaren“, sagt Inhaberin Aida Razdric. Dass die Friseure ab Mittwoch schließen müssen, findet sie vernünftig. Nur so könne die Corona-Pandemie eingedämmt werden.

Auch der Kaufunger Friseur Serdal „Freddy“ Aslar hat Verständnis für den harten Lockdown. „Das hätte man eigentlich schon früher machen müssen“, sagt der Geschäftsführer des Frisurenstudio Freestyle. Die Pandemie sei die Realität, mit der man umgehen müsse. Für ihn und seine Mitarbeiter heißt das, sie werden heute und Morgen noch einmal in die Vollen gehen und versuchen, möglichst viele Kunden zu frisieren. „Eigentlich ist der Laden ja montags zu. Aber wir werden aufschließen.“ Das sei nur möglich, weil er ein tolles Team habe, was voll und ganz hinter ihm und dem Laden stehe. Die Möglichkeit werden sicher viele Kunden nutzen, ist Aslar sich sicher. Schon am Sonntagmittag habe ihn die erste WhatsApp-Nachricht erreicht, mit der Frage, ob man nicht den Termin nach vorne schieben könnte.

Corona in Kassel: Präsenzpflicht in Schulen wird wegen Lockdown aufgehoben

Die Schulen sollen schließen oder die Präsenzpflicht aufheben. Boris Krüger sieht darin die praktikabelste Lösung. Der Lehrer der Kasseler Albert-Schweitzer-Schule und Kreisvorsitzende des Deutschen Lehrerverbandes ist froh, dass es im Gegensatz zu anderen Bundesländern erst am Mittwoch losgeht. „Da haben wir etwas Vorlauf.“

Inwieweit die verbleibenden zweieinhalb Tage überhaupt noch etwas bringen, sei eine andere Frage. Knifflig wird es für jene Klassen, die vor den Ferien noch eine Klausur schreiben sollten. Von einem Nachschreibe-Termin in der ersten Woche nach den Ferien rät Krüger ab, weil bereits am Freitag ein Notenschluss gelte. Außerdem wisse niemand, was nach dem 10. Januar passiert. Grundsätzlich wäre es wünschenswert gewesen, sagt Krüger, „wenn die Maßnahmen früher gegriffen hätten“.

Lockdown in Kassel: Entscheidung aufgrund von Corona sei absolut richtig

So sieht es auch Carsten Leimbach, Co-Vorsitzender der Lehrergewerkschaft GEW in Nordhessen. Mit Blick auf die Infektionszahlen sei die Entscheidung aber absolut richtig. „Wir fordern ja schon seit Wochen eine Teilung des Unterrichts“, sagt Leimbach. Die Erfahrungen des ersten Lockdowns würden nun helfen. Der Lehrer der Paul-Julius-von-Reuter-Schule vermutet aber auch, dass an den letzten beiden Tagen vor den Ferien ohnehin nicht mehr so viel beim Homeschooling passieren werde. Leimbach und seine Kollegen warten noch auf konkrete Verordnungen aus Wiesbaden.

Das tut auch Katja Groh, Lehrerin an der Grundschule in Fuldabrück-Bergshausen. Sie engagiert sich ebenfalls für die GEW und ist unter anderem Vorsitzende der Bezirksfachgruppe Grundschule der GEW Nordhessen. Die Schließung hält sie für richtig. Aber sie sagt auch: mit Wechselunterricht, Lernen in Kleingruppen und der richtigen Ausstattung – inklusive Luftfilter – wäre das nicht nötig gewesen. „Das ist jetzt die logische Konsequenz des verantwortungslosen Handelns, beziehungsweise des Nichtstuns, der letzten Monate.“

Corona-Lockdown in Kassel: Notbetrieb in den städtischen Kitas

In Vellmar laufen die Planungen für den Notbetrieb der zehn städtischen Kitas inklusive Krippengruppen auf Hochtouren. „Es wird eine Herausforderung, aber wir haben die Erfahrung aus dem ersten Lockdown“, sagt Bürgermeister Manfred Ludewig. Er findet die Entscheidung richtig: „Das ist alternativlos, so bitter es auch für alle ist.“ Die Verwaltung warte nun auf die Details, wer als systemrelevant eingestuft wird und die Notbetreuung nutzen darf. In Vellmar besuchen etwa 650 Kinder die städtischen Betreuungseinrichtungen. alh/tos/lip/mia

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.